Angedacht

18. Oktober 2020

Selbst das Unberechenbare liegt bei Gott
von Pfrn. Kerstin Grünert, Erndtebrück

Was soll ich nur nehmen? Krawatte oder Menopause? Oder doch die Tabellenkalkulation? Dann doch wohl eher die Beseitigung der Armut… Auf der Suche nach einem Thema fürs Angedacht lande ich auf einer Homepage, die mir die Aktions- und Gedenktage im Oktober vor Augen führt. Und da stehen eben genau diese Themen zu diesem Wochenende aufgeschrieben. Ist ja interessant, was man so alles zum Tagesmotto machen kann. Wahrscheinlich sollte ich den Tag der Beseitigung der Armut nehmen. Aus meinem Gefühl der gesellschaftlichen Verantwortung heraus. Denn ich kann mich nicht so richtig zwischen der Krawatte und der Menopause entscheiden. Beides keine leichten Themen und so einseitig. Ach nein, ich nehme die Tabellenkalkulation. Das ist doch ein guter Aktionstag am 17. Oktober.

Also, kalkulieren wir mal: Die Kaffeemenge am Morgen und pro Tag, Energie für Arbeit und Freizeit, Pausen und Lüftungszeiten pro Quadratmeter und Kopf. Es gibt viel zu kalkulieren und abzuwägen. Kosten - Nutzen, schwarz - weiß, gut - schlecht. Und wenn man kalkuliert, dann ist man vorbereitet. Eventualitäten sind eingeplant und wichtig fürs Ergebnis. Hauptsache der Faktor stimmt.

Während ich so übers Kalkulieren nachsinne, kommt mir eine Postkarte in den Sinn, die ich mal irgendwo gesehen habe. „Glück ist das Einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt!“ stand darauf. Glück ist also ein ganz besonderer Faktor, gehorcht nicht den üblichen Rechengesetzen. Glück ist unberechenbar und damit keine vertrauenswürdige Größe. Irgendwie willkürlich. Aber Glück ist schön und wenn ich es teile, dann wird es doppelt so viel. Also, wenn ich glücklich bin, dann möchte ich, dass andere es auch sind. Das ist doch mal ein guter Plan für den Tag. Dann schreibe ich das Angedacht also zum Thema „Glück und Kalkulieren und Teilen“ - geht alles in einem. Und ich finde sogar einen Bibelvers dazu: „Zum Laufen hilft nicht schnell sein, zum Kampf hilft nicht stark sein, zur Nahrung hilft nicht geschickt sein, zum Reichtum hilft nicht klug sein; dass einer angenehm sei, dazu hilft nicht, dass er etwas gut kann, sondern alles liegt an Zeit und Glück.“ (Prediger 9, 11)

Ist das nicht großartig? Selbst das Unberechenbare liegt bei Gott. Alles dient dazu, dass wir als Menschen uns selbst genug sind. Weil er uns geschaffen hat. Und alles andere bringt die Zeit und das Glück! Amen.

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Die Westfalenpost hat seit Ostern 2009 die Serie „An-Gedacht“ in ihrem Wittgensteiner Lokalteil, in der Pfarrer*innen aus dem Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein jeden Samstag zu Wort kommen. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion drucken wir die Gedanken ab Sonntag auch hier ab. Verantwortlich für den Inhalt sind die Verfasser*innen. Bei den Texten handelt es sich übrigens nicht um Predigten, sondern ganz einfach um kurze Gedanken mit einem theologischen Impuls. Sie können nicht - und wollen auch nicht - die Gemeinschaft, die Musik und die Predigt eines richtigen Gottesdienstes ersetzen. Aber sie dürfen gern von allen Leser*innen als Einladung verstanden werden, am nächsten Sonntag einen Gottesdienst in einer der heimischen Gemeinden zu besuchen.