Kirchenkreis Wittgenstein


Gemeinsame Verantwortung

Ein Kirchenkreis ist mehr als die Summe seiner Gemeinden. Manches lässt sich nur gemeinsam verantworten - wie Klinikseelsorge, Kinder- und Jugendarbeit, gesellschaftliches Engagement und Diakonie. Wir stellen hier unsere Referate, Arbeitsbereiche und die Leitung vor.

Auch wenn der Evangelische Kirchenkreis Wittgenstein rein zahlenmäßig mit seinen knapp 32.000 Gemeindegliedern der kleinste in der Evangelischen Kirche von Westfalen ist, sieht das bei einer Größe von über 930 Quadratkilometern schon ganz anders aus. Und die vielen Berge machen die Wege zwischen den wenigen größeren Orten und ihren kleinen Dörfern auch nicht kürzer. Aber genau daraus resultiert die Schönheit des waldreichen Kirchenkreises, zu dem nicht nur die alte Wittgensteiner Grafschaft, sondern auch noch drei evangelische Gemeinden im Hochsauerland gehören.

Der Rothaarkamm wird oft als natürliche Grenze empfunden, in diesem Fall soll es keine sein. Vielmehr macht es einen besonderen Reiz des Kirchenkreises aus, dass die Situation hüben wie drüben so unterschiedlich ist. In Wittgenstein selbst sind die evangelischen Christen in der absoluten Mehrheit, im Hochsauerland leben die Evangelischen indes in einer absoluten Diaspora-Situation. Während man sich in Wittgenstein eher in einer reformierten Tradition sieht, gibt es im Hausauerland an vielen Stellen eher eine lutherische Ausrichtung. Daraus ergeben sich naturgemäß unterschiedliche Glaubenserfahrungen der evangelischen Christen jenseits und diesseits des Rothaarkamms, die erst gemeinsam ein differenziertes Bild ergeben.

Hinzu kommt, dass Wittgenstein in Sachen „Religion“ auf eine spannende Geschichte zurückblicken kann. Im 17. Jahrhundert spielte der Pietismus hier eine wichtige Rolle und trieb dabei manch seltsame Blüte. Die amerikanische Church of the Brethren, die wilde Buttlarsche Rotte, die gelehrte Berleburger Bibel und der Heidelberger-Katechismus-Verfechter Caspar Olevian – man darf die Namen und Begriffe kaum in einem Atemzug denken, geschweige denn nennen, und doch haben sie alle ihren Bezugspunkt zu Wittgenstein. Jene Zeiten wurden 2008 beim Tag der Westfälischen Kirchengeschichte in Bad Berleburg beleuchtet. Das Ergebnis war eine Aufsatzsammlung, die ein Jahr später die Herausgeber Johannes Burkardt und Bernd Hey auf den Markt brachten. Der Titel des Buches lautet „Von Wittgenstein in die Welt: Radikale Frömmigkeit und religiöse Toleranz“.