Karl-Barth-Jahr 2019

Kein halbes Jahr vor seinem überraschenden Tod war auch Wittgensteins Alt-Superintendent Reinhardt Henrich (links) nochmal bei der Pfarrkonferenz, um Prof. Dr. Michael Weinrichs Vortrag über Karl Barth zuzuhören und seine eigenen Gedanken zu dem Schweizer Theologen einzubringen.

Pfarrkonferenz

„Nur wenn wir die Bibel mit der Erwartung lesen, in ihr mehr finden zu können, als wir uns selbst zu sagen vermögen, werden wir der Intention ihrer Verfasser gerecht, indem wir uns auf die neue Welt Gottes stoßen lassen.“

Dies war nur eine der Erkenntnisse, die Dr. Michael Weinrich als Theologie-Professor im Ruhestand bei einer Wittgensteiner Pfarrkonferenz herauskristallisierte, als er unter der Überschrift „Gott, der ganz Andere“ über eine Wiederentdeckung von Karl Barth sprach.

Im November 2018, also kurz vorm 50. Todestag des Schweizer Theologen, tauschten sich nach dem Vortrag die Pfarrerinnen und Pfarrer im Kirchenkreis während lebhafter Diskussionen über Karl Barth aus. Viele der Anwesenden beteiligten sich an den Diskussionen. Es wurde deutlich, dass auch für das eigene Selbstverständnis und die Situation des Glaubens und der Welt von heute Karl Barth eine wichtige Rolle spielen kann, obwohl er in den vergangenen Jahren wahlweise in der Versenkung verschwunden oder auf einem Sockel in unantastbare Höhen verschoben schien.

Absehbar sollte das das anstehende Karl-Barth-Jahr in 2019 ändern, in dem sich die Veröffentlichung seines richtungsweisenden Römerbrief-Kommentars zum 100. Mal jährt. Der Vortrag, den Michael Weinrich in Bad Berleburg hielt und den die Anwesenden für ihre Arbeit als digitale Datei bekommen konnten, ist inzwischen in einer längeren Version in dem von Matthias Grebe herausgegebenen Buch „Polyphonie der Theologie. Verantwortung und Widerstand in Kirche und Politik“ unter dem Titel „Gott, der ganz Andere: Karl Barth revisited“ auf den Markt gekommen. Noch breiter beleuchtet Michael Weinrich den Schweizer Theologen in einem neuen, ebenfalls in diesem Jahr erschienenen Buch „Karl Barth. Leben - Werk - Wirkung“.

Außerdem gibt es in der zweiten Hälfte des Jahres 2019 im Wittgensteiner Kirchenkreis zahlreiche Veranstaltungen zu Karl Barth, bei denen man nochmal ganz neu auf den ach so bekannten Theologen blicken kann.

Sommer-Predigtreihe

„Wer die Osterbotschaft gehört hat, der kann nicht mehr mit tragischem Gesicht umherlaufen und die humorlose Existenz eines Menschen führen, der keine Hoffnung hat“ - das war eine der Überzeugungen des Theologen Karl Barth, dessen Todestag sich im vergangenen Dezember zum 50. Mal jährte. In diesem Jahr wird daran erinnert, dass vor genau 100 Jahren sein Römerbrief-Kommentar erschien und binnen kürzester Zeit aus dem Schweizer Dorfpfarrer ein Theologie-Professor in Deutschland und schließlich ein weltweit führender evangelischer Theologe des 20. Jahrhunderts wurde. An ihn erinnert während der Sommerferien in der Evangelischen Kirchengemeinde Bad Laasphe die Predigtreihe „Gottes fröhlicher Partisan“ von Pfarrer Dieter Kuhli.

Die ersten drei Termine finden in der Evangelischen Stadtkirche Bad Laasphe statt.

Am Sonntag, 21. Juli, lautet das Thema „Glaubensheiterkeit“ - Erinnerungen an einen streitbaren Theologen,

am Sonntag, 28. Juli, „Gott, der ganz Andere“ - Es begann mit dem Römerbrief des Apostels Paulus,

am Sonntag 4. August, „Die Menschlichkeit Gottes“ - Gottes Beziehung und Zuwendung zu uns Menschen. All diese Gottesdienste beginnen um 10 Uhr.

Abgeschlossen wird die Predigtreihe bei Gottesdiensten in den Dörfern.

Am Sonntag, 11. August, heißt es ab 9.30 Uhr in der Puderbacher Kirche und ab 10.45 Uhr in der Niederlaaspher Kirche: „Meine Gnade genügt dir!“ - Leben in dankbarer Entsprechung zu Gottes Barmherzigkeit.

Wanderaustellung

Im Dezember 2018 jährte sich der Todestag des Schweizer Theologen Karl Barth zum 50. Mal, dass erst jetzt das Karl-Barth-Jahr gefeiert wird, hängt damit zusammen, dass sich in diesem Jahr zum 100. Mal die Veröffentlichung von „Der Römerbrief“, einem seiner Hauptwerke, jährt. Auch sein Kommentar zum Brief des Paulus an die Römer lieferte die Begründung für Karl Barths Ruf als evangelischer Kirchenvater des 20. Jahrhunderts, wie er auf der Homepage der Evangelischen Kirche in Deutschland genannt wird. „Gott trifft Mensch“ - so ist eine Wanderausstellung überschrieben, die auf 16 übermannshohen Tafeln den Menschen und Theologen Barth, die Freiheit, die Politik und die Ökumene in seinem Werk beleuchtet. Diese Ausstellung zieht zum Karl-Barth-Jahr im September und Oktober durch den Wittgensteiner Kirchenkreis:

Dienstag bis Sonntag, 24. bis 29. September, in der Stadtkirche Bad Laasphe
24. September, 19 Uhr: Ausstellungs-Eröffnung mit dem Vortrag „Der Christ in der Gesellschaft“ von Rüdiger Weyer zum gleichnamigen Tambacher Vortrag aus dem Jahr 1919, mit dem Posaunenchor Bad Laasphe, der Mozart spielt
26. September, 19 Uhr: Filmabend „Gottes fröhlicher Partisan - Karl Barth“, mit Friedhelm Nicklaus, der auf der Orgel Mozart spielt
29. September, 10 Uhr: Gottesdienst mit Pfarrer Dieter Kuhli zum Leben und Wirken des Theologen Karl Barth mit einem besonderen Blick auf dessen Vortrag „Biblische Fragen, Einsichten und Ausblicke“ aus dem Jahr 1920

Montag und Dienstag, 30 September und 1. Oktober, in der Kirche Raumland
1. Oktober, 19 Uhr: Vortrag „Deine Gnade genügt“ von Dr. Tim Elkar zum Leben und Werk Karl Barths

Mittwoch bis Montag, 2. bis 7. Oktober, im Abenteuerdorf Wittgenstein

Dienstag bis Sonntag, 8. bis 13. Oktober, in der Evangelischen Kirche Erndtebrück
13. Oktober, 10.30 Uhr: Gottesdienst zum Abschluss der Ausstellung in Erndtebrück mit Superintendent Stefan Berk

Montag bis Sonntag, 14. bis 20. Oktober, in der Evangelischen Kirche Winterberg
20. Oktober, 10.15 Uhr: Gottesdienst zum Abschluss der Ausstellung mit Pfarrer Dieter Kuhli

Die Berner Theologie-Professorin Magdalene Frettlöh (rechts), ursprünglich aus Beddelhausen stammend und auf dem Foto mit Heike Dreisbach von der Errwachsenenbildung im Siegener Kirchenkreis, ist die Referentin bei der Karl-Barth-Veranstaltung am 10. Oktober in Deuz.

Diskussions-Veranstaltung

Genau vor 100 Jahren veröffentlichte der Schweizer Theologe Karl Barth seine Auslegung des Römerbriefs aus dem Neuen Testament der Bibel. „Mit dem Buch begann eine neue Epoche der evangelischen Theologie“, so unerwartet euphorisch erinnert die Evangelische Kirche in Deutschland auf ihrer Homepage an den Paulus-Brief-Kommentar.

Auch in den Kirchenkreisen Siegen und Wittgenstein wird deshalb in 2019 mancherorts an Karl Barth erinnert. Die größte Veranstaltung findet als Gemeinschaftsleistung am Donnerstag, 10. Oktober, von 17.30 bis 21.30 Uhr im Evangelischen Gemeindezentrum in dem Netphener Ortsteil Deuz, Beienbacher Weg 4, statt: „Wenn Gottes Gnade uns in die Krise stürzt“ steht als große Überschrift drüber, „Warum die Rede vom nur lieben Gott uns nicht hilft. Nachdenken mit Karl Barth.“ steht als kleine Erläuterung drunter.

Eine Anmeldung ist bei Heike Dreisbach von der Erwachsenenbildung des Siegener Kirchenkreises unter Tel. (0271) 5004275 oder per E-Mail an Heike.Dreisbach(at)kirchenkreis-siegen.de unbedingt notwendig.

So weit so siegerländerisch, aber was ist der Wittgensteiner Beitrag? Die Referentin! Der Vortrags- und Diskussionsabend steht nämlich unter der Leitung von Dr. Magdalene L. Frettlöh. Die ist heute zwar Professorin für Systematische Theologie an der Universität Bern, stammt aber ursprünglich aus dem Berleburger Ortsteil Beddelhausen. Alle Interessierten sind herzlich zu dem Abend eingeladen.