„Die Verheißung gilt: ‚Das Land ist hell und weit‘“

So sicher wie der Haushaltsplan gehört auch der Bericht des Superintendenten zur Herbstsynode. Und Stefan Berk hatte bei seinem achten Bericht als Leitender Theologe des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein nachdenkliche Töne im Gepäck. „Es gibt eine Art von Angst, die in unseren Gemeinden und auf anderen Ebenen genauso um sich greift, eine diffuse Angst, nicht genau zu fassen. Sie hat nach meinem Gefühl damit zu tun, dass wir nicht mehr so genau wissen, wofür wir eigentlich da sind, wofür unsere Kirchengemeinden stehen. Immer mehr Menschen wenden der Kirche den Rücken zu. Viele haben gar keine Erwartungen mehr – außer, dass sie irgendwie auf ihrem Lebensweg dann und wann begleitet werden. Aber die Zahl derer, für die Kirche überhaupt nichts mehr bedeutet, die sich noch nicht einmal kritisch mit ihr auseinander setzen oder sich über sie ärgern, nimmt anscheinend immer weiter zu.“

Gewohnt ehrlich blickte der Superintendent auf die Situation des zahlenmäßig kleinsten Westfälischen Kirchenkreises im Speziellen und die allgemeine Situation im Generellen. Dabei nahm der Superintendent viele Schwierigkeiten und Unwägbarkeiten wahr, aber nicht nur. Trotz aller Widrigkeiten sah er auch Gutes.

In der Lukas-Kirchengemeinde im Eder- und Elsofftal: „Der starke Impuls von Pfr. Dr. Ralf Kötter, der unter dem Stichwort ‚Sozialraumorientierung‘ auf der Synode vor einem Jahr Gehör fand, ist für mich ein wichtiger Schritt, um die Selbstisolierung zu durchbrechen und zu entdecken, wo andere auch dem Weg sind – in den Vereinen und in der Feuerwehr, in den Kommunen und in den Schulen und buchstäblich zu Einkaufsmöglichkeiten und Ärzten. Menschen suchen sich ihre Wege, bauen sich sozusagen selbst ihren Sozialraum. Und bei der Frage, wie wir in unserem ländlichen Raum eine neue Form von Kirche entwickeln können, die präsent ist und die für die Menschen da ist, hilft uns diese Perspektive weiter.“

Oder auch bei Pfarrer Jürgen Rademacher in der Evangelischen Kirchengemeinde Dorlar, wo man sich inzwischen auf eine der ehemals vier Kirchen konzentriert: „Die Gemeindevisitation, die wir im Frühjahr dieses Jahres dort durchgeführt haben, macht anderen Gemeinden Mut: Das Kleiner-Setzen kann gelingen, wenn die Menschen informiert werden, wenn Alternativen geboten werden, wenn diese Realität nicht nur bejammert wird, sondern an die Zukunft der Gemeinde Jesu Christi geglaubt wird. Wir waren beeindruckt, wie lebendig diese Gemeinde in unserem nördlichsten Zipfel kurz vor Meschede lebt und ihre Aufgaben wahrnimmt - und gleichzeitig in der fast überall katholischen Öffentlichkeit bewusst wahrgenommen wird.“

So freute sich Stefan Berk, dass sich auch die beiden anderen Hochsauerländer Gemeinden im Kirchenkreis mutig neue Wege suchen: „In Gleidorf und Winterberg, zwei Diasporagemeinden, wird deutlich, dass die Kirchensteuerzuweisung zu einer deutlichen Reduzierung der Ausgaben zwingt – auch wenn unsere Pfarrstellenordnung diese großen Flächengemeinden mit dem Diasporazuschlag in Bezug auf die pfarramtliche Versorgung günstiger stellt als andere.“

In Girkhausen und Wunderthausen/Diedenshausen forciert allein schon die wirtschaftliche Situation die Suche nach neuen Wegen. „In vielen Besuchen in den Presbyterien haben wir versucht, Perspektiven zu entwickeln. Aber wie soll das gelingen – mit 600 bzw. 800 Gemeindegliedern? Woher kommen die Ideen? In Wunderthausen/Diedenshausen führte die Diskussion zum Rücktritt des Presbyteriums - leider mit den damit verbundenen Verletzungen. Im April 2014 konnte der KSV ein Bevollmächtigtengremium berufen, in dem aus jedem der beiden Dörfer je vier Vertreterinnen und Vertreter mitarbeiten, außerdem Pfr. i.R. Dr. Hollenstein sowie im Auftrag des KSV Pfr. Dr. Metz und Dr. Pollinger. Zwei Gemeindeberater helfen, die Frage zu klären, was in dieser Gemeinde das Besondere, das Unverzichtbare sein könnte. Denn genauso wie in Girkhausen, wo diese Frage von verbliebenen vier Presbyterinnen und Presbytern gemeinsam mit Pfr. Spillmann und Pfr. Dr. Metz ebenfalls unter Beteiligung von Gemeindeberatern bearbeitet wird, wird das Thema einer Zusammenarbeit mit anderen Gemeinden unvermeidlich. Was diesen beiden kleinsten Kirchengemeinden in unserem Kirchenkreis bevorsteht, wird auch andere Gemeinden betreffen.“

Das könnte sich schon wieder etwas niedergedrückt anhören, aber Stefan Berk stellte das am Ende seines Berichts noch einmal in einen viel größeren Zusammenhang: „Es trägt die gemeinsame Überzeugung, dass die Verheißung gilt. Dass wir evangelische Kirche in Wittgenstein und im Hochsauerland sind, weil der Herr der Kirche das unterstützt. Dass wir weiter Kirche sind – vielleicht demnächst ganz anders als jetzt, aber Kirche für Menschen, Kirche mit offener Gemeinschaft, Kirche mit weitem Blick über den Tellerrand. Die Verheißung gilt: ‚Das Land ist hell und weit.‘“

Das war der achte Superintendenten-Bericht von Stefan Berk, für eine achtjährige Amtszeit war er 2007 gewählt worden. Und so steht 2015 dem Kirchenkreis eine Wahl ins Haus, auf die der Superintendent die Wittgensteiner Synodalen schon mal einstellte: „Im August nächsten Jahres endet meine erste Amtsperiode nach acht Jahren. Auf der nächsten Sommersynode muss also gewählt werden. Und wie es aussieht, dürfen wir immer noch wählen, weil es den Kirchenkreis Wittgenstein immer noch gibt, trotz aller Bedenken und Unkenrufe.

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2014-herbstsynode-superintendentenbericht.pdf

Der Bericht von Superintendent Stefan Berk.

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