Ja zum Umbau, Ja zum Abenteuerdorf

  • In vier Gruppen wurde über die Zukunft des Freizeitzentrums Wemlighausen gesprochen.
  • Für die Entscheidung über das Freizeitzentrum Wemlighausen hatte sich auch der Theolgische Ausschuss im Kirchenkreis Gedanken über die Rolle des FZ gemacht.
  • In der Mittagspause formulierte der KSV auf Basis der vorhergehenden Diskussionen alternative Beschlussvorschläge.
  • Für die geheime Abstmmung wurden die Stimmzettel verteilt...
  • ... und dann wieder eingesammelt.
  • Jan Siegismund (links) aus der Haushaltsabteilung des Gemeinsamen Kreiskirchenamtes Siegen/Wittgenstein und Hans Joachim Behm von der Rechnungsprüfungsstelle zählten die Stimmen aus.
  • Bei einem Pressegespräch stellten der stellvertretende Synodalassessor Peter Liedtke, Maike Schröder vom FZ, Superintendent Stefan Berk und Synodalassessor Dieter Kuhli die neuen, beschlossenen Pläne vor.

Bei der Herbstsynode des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein ging es am Mittwochmorgen und dann auch nochmal nach dem Mittagessen im Raumländer Gemeindehaus um das Freizeitzentrum (FZ) Wemlighausen. Nach einer klaren Entscheidung für einen Umbau bei der Herbstsynode 2013 gab es bei der Sommersynode 2014 wegen gestiegener Kosten und mit einer hauchdünnen Entscheidung - mit einer Stimme Unterschied - ein Votum gegen einen solchen Umbau. Und eine neue Aufgabe: Es solle nach alternativen Möglichkeiten gesucht werden. Deshalb widmeten sich Delegierte und Vertreter der Gemeinden und Arbeitsbereiche erneut ausgiebig der Thematik.

Am Ende stand zunächst einmal eine grundsätzliche Entscheidung über das FZ. Alternative 1 wollte die schnellst mögliche Umsetzung der vorgestellten Pläne, Alternative 2 lehnte den Umbau ab und verlangte eine Schließung Ende 2015. Von den anwesenden 53 stimmberechtigten Synodalen sprachen sich bei zwei Enthaltungen 32 für Alternative 1 aus, 19 lehnten diese ab.

Nach dieser 60-Prozent-Entscheidung zugunsten des Umbaus ging es in einer zweiten Abstimmung um dessen Finanzierung, wieder mit zwei Alternativen: Alternative 1 war jetzt ein eigenfinanzierter Umbau, Alternative 2 eine Investorenmodell. Die Zahlen für beide Alternativen. Der eigenfinanzierte Umbau wurde anhand der inzwischen ganz detaillierten Pläne auf 1,75 Mio. Euro taxiert, nötig dafür: eine 600.000-Euro-Entnahme aus der Ausgleichsrücklage des Kirchenkreises, eine Darlehens-Aufnahme von 800.000 Euro, die Einwerbung von Sponsoren- und Spendenmitteln, die in Höhe von 200.000 Euro bereits zugesagt sind, sowie Zuschüsse. Das mit Experten durchgerechnete Investorenmodell, für das es noch keinen konkreten Investor gab, basierte auf einem Erbpachtvertrag, der das FZ für 30 Jahre an einen Investor veräußerte. Dieser vermietete es dann nach den vorliegenden Plänen renoviert für 75.000 Euro jährlich an den Kirchenkreis, wobei diese Miete über die Jahre ansteigen wird. Zur Sicherung des Betriebs sollte aus 600.000 Euro Rücklagemitteln ein Fonds angelegt werden. Von den anwesenden 53 stimmberechtigten Synodalen sprachen sich bei drei Enthaltungen 36 für Alternative 1 aus, 14 lehnten diese ab. So wurde der eigenfinanzierte Umbau mit 68 Prozent beschlossen. Und das entsprach der Logik der Beratungen.

Breiten Raum nahm bei der Synode nämlich ein kurzes, besitzanzeigendes Fürwort ein, wie es auch Stefan Berk in seinem Bericht ausführte:. „Wir müssen uns darüber verständigen, was das kleine Wort ‚unser‘ bedeutet. Unser Freizeitzentrum. Wir müssen trotz unserer Ambivalenz entscheiden, als was wir dieses Zentrum sehen - als Teil unsere Kirche hier in Wittgenstein oder als verzichtbare christliche Jugendherberge.“

In Vorbereitung der endgültigen Entscheidung über den FZ-Umbau hatte sich der Theologische Ausschuss des Kirchenkreises mit dem Haus beschäftigt. Ein Haus, das für viele so selbstverständlich zum Kirchenkreis gehört, dass man sich manchmal vielleicht nicht genug Gedanken darüber gemacht hatte. Kurz und knapp auf gut einer Seite formulierte der Ausschuss, was sich der Kreissynodalvorstand dann zu eigen machte: „In der Herausforderung unserer pluralen Welt ist die Sehnsucht nach genuin christlichen Werten spürbar. Wir wollen es nicht versäumen, jungen wie älteren Menschen Erlebnisräume zu eröffnen, in denen sie - in einer Atmosphäre der Freiheit, der Annahme und der Wertschätzung - christliche Lebensweisen kennenlernen und ausprobieren können. Mit dieser Ausrichtung ergänzt das Abenteuerdorf Wittgenstein die Arbeit im Kirchenkreis und in unseren Gemeinden um Aspekte, die die Kirchengemeinden mit ihrer Verortung im Alltag nicht ohne weiteres in Zeiten schrumpfender Personal-, Gebäude- und Finanzressourcen leisten können.“

Abenteuerdorf Wittgenstein, dieser Name hatte sich in den vergangenen Wochen als neue Bezeichnung fürs Haus herauskristallisiert. Vorgestellt wurden die Überlegungen von Dieter Kuhli, Synodalassessor und damit Stellvertreter des Superintendenten. Die klaren Worte des Theologischen Ausschusses beeindruckten die Synodalen. Gut war es auch, dass anschließend in vier Gruppen über genauso viele unterschiedliche Aspekte nachgedacht wurde: Bedeutung des FZ für den Kirchenkreis, Investorenmodell, Eigenfinanzierung, Schließungs-Szenario, das mit mindestens 150.000 Euro zu Buche schlagen würde. Die Synodalen konnten konzentriert in einer Gruppe bleiben oder aber in alle Diskussionen hineinhören. Im Gegensatz zur großen Aussprache nach dem Essen, gab es hier auch in allen Gruppen deutlich kritische Nachfragen.

Die nach dem Mittagessen vorgelegten Beschlussvorschläge wurden in der Pause vom KSV auf der Basis dieser vier Gruppengespräche formuliert. Die letztendlichen Entscheidungen wurden mit klaren Mehrheitsverhältnissen getroffen. Die Verantwortlichen hoffen, dass die Baugenehmigung im Frühjahr erteilt wird, die großen Bauarbeiten sollen im Herbst 2015 beginnen.

Und dann kommt es darauf an, dass Kirchenkreis und Gemeinden selbst ihr Votum mit Leben füllen, die renovierten Häuser auf 30.000 Quadratmetern Natur sowie mit erlebnis- und tierpädagogischen Angeboten wirklich nutzen und aus dem Abenteuerdorf Wittgenstein dann ganz schnell „unser Abenteuerdorf Wittgenstein“ machen. Wobei natürlich auch weiterhin alle anderen Gruppen - zum Beispiel Schulklassen - herzlich willkommen sind.