Verfahrensberatung für Flüchtlinge

Bei einem Pressegspräch sprachen Synodalassessor Dieter Kuhli, Bürgermeister Bernd Furhmann, Barbara Lenz-Irlenkäuser und Superintendent Stefan Berk (von links) über die neue Verfahrensberatungsstelle.

Die beiden vergangenen Landessynoden der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) beschäftigten sich auch mit dem Thema „Flüchtlinge“, in Bielefeld wurden finanzielle Mittel für die Kirchenkreise zur Verfügung gestellt, um sich in dieser Arbeit zu engagieren. Bei der Wittgensteiner Kreissynode stellte sich jetzt im Raumländer Gemeindehaus Barbara Lenz-Irlenkäuser vor, die ab dem 1. Dezember in die unabhängige Verfahrensberatung in der Flüchtlingsunterkunft am Berleburger Spielacker einsteigt.

Der Evangelische Kirchenkreis Wittgenstein hatte sich mit dem Thema „Flüchtlingsarbeit“ unter anderem bei einer Pfarrkonferenz in Eslohe beschäftigt, wo es aus der Evangelischen Kirchengemeinde Dorlar, die zum Wittgensteiner Kirchenkreis gehört, heraus schon lange eine ganz engagierte Flüchtlingsarbeit gibt, das Café International der Berleburger Kirchengemeinde hat seit diesem Jahr ein viel beachtetes und gutes Angebot für Menschen mit Migrationshintergrund.

Und so bewarb sich der Wittgensteiner Kirchenkreis um die Fördermittel der Landeskirche. Das Ergebnis: Der Kirchenkreis bekommt 40.000 Euro vom Land Nordrhein-Westfalen als Zuschuss sowie 20.000 Euro von der EKvW, die Arbeit ist gesichert für 2015 und 2016. Barbara Lenz-Irlenkäuser wird mit einer halben Stelle in der Verfahrensberatung arbeiten, zum ganzen Konzept des Wittgensteiner Kirchenkreises gehört noch eine halbe Pfarrstelle in diesem Bereich. Superintendent Stefan Berk geht davon aus, dass diese Besetzung im nächsten halben Jahr vom Kirchenkreis geklärt wird. So soll das Thema auch über Pfarrer oder Pfarrerin in die Kirchenkreis-Gemeinden stark vernetzt werden.

Bei seiner Vorstellung von Barbara Lenz-Irlenkäuser kam Stefan Berk genau auf diese Vokabel, sie sei „eine ausgezeichnete Netzwerkerin in Wittgenstein“. Man kennt die ausgebildete Krankenschwester und studierte Sozialpädagogin heute als Koordinatorin der Diakonischen Gemeindemitarbeit in Wittgenstein. Und auch wenn das Flüchtlingsrecht natürlich eine schwierige Materie sei, in die sie sich erst einarbeiten müsse, so hat die Schwarzenauerin durchaus schon Erfahrungen auf dem Gebiet gesammelt. Etwa bei der Arbeit in einem Kinderheim in Frankenberg, wo unbegleitete minderjährige Flüchtlinge lebten. Ihre Erinnerung an diese Arbeit sagte sie jetzt: „Man hofft, dass sie in Deutschland belieben können und hier eine Zukunft bekommen.“ Genau so wollte Stefan Berk die unabhängige Verfahrensberatung verstanden wissen: Man stehe parteiisch auf der Seite der Flüchtlinge.

Auch Berleburgs Bürgermeister Bernd Fuhrmann, der ebenfalls beim Pressegespräch zur Vorstellung der neuen Verfahrensberaterin im Haus der Kirche war, kannte und lobte die Vernetzung von Barbara Lenz-Irlenkäuser in Wittgenstein, es sei „ein Glücksfall“ wenn man so jemanden vor Ort habe. Gerade, weil davon auszugehen sei, dass die Migrationszahlen über einen längeren Zeitraum hinweg weiter steigen würden.

In der Flüchtlingseinrichtung am Spielacker gibt es bereits einen Verfahrensberater vom Verein für soziale Arbeit und Kultur Südwestfalen. In Abstimmung mit ihm wird Barbara Lenz-Irlenkäuser ihre Arbeit strukturieren, sie will den Flüchtlingen „den Weg weisen durch eine relativ komplexes Verfahren“ weisen und wird ein Sprechzimmer in der Einrichtung haben. Das ist gut für Gespräche, aber kein Selbstzweck, wie die neue Verfahrensberaterin deutlich macht: „Ich wird‘ nicht im Büro sitzen und warten, wer kommt da jetzt.“ Sie wird zweifelsohne auf die Menschen zugehen.

Bei der Synode hatte Stefan Berk in seinem Superintendenten-Bericht zu der Flüchtlings-Thematik deutliche Wort gefunden: „Hier braucht es den Mut, sich einzumischen und zu engagieren und so deutlich wie möglich gegen polemische und menschenverachtende Parolen Stellung zu beziehen, die einem an Stammtischen, bei Geburtstagsbesuchen oder anderswo entgegenschlagen. Nein, diese Menschen, die als Flüchtlinge zu uns kommen, sind keine Heiligen, sie sind erst recht nicht ohne Fehler – aber sie haben zuallererst einen Schutzraum verdient, wo sie zur Ruhe kommen können, wo sie ohne Bedrohung klären können, wie ihr Leben weitergehen kann und soll. Die Geschichten, die diese Menschen erzählen, gehen unter die Haut und sind von unserem Leben in Wohlstand und Sicherheit so weit entfernt wie der Mond von der Erde. Ich gestehe, dass ich mich für unsere Gesellschaft schäme, wenn ich höre, wie immer wieder über diese Menschen geurteilt wird, ohne jemals einem Flüchtling persönlich begegnet zu sein. Ich hoffe, dass wir mit dieser Arbeit in der Verfahrensberatung einen Beitrag zu mehr Transparenz und mehr Menschlichkeit leisten können."

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2014-herbstsynode-superintendentenbericht.pdf

Der Bericht von Superintendent Stefan Berk.

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