Bericht des Superintendenten

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„Im Blick auf die emotional hoch aufgeladene Diskussion um die vom Rat der EKD verantwortete ‚Orientierungshilfe‘ zum Thema ‚Familie‘ weise ich nachdrücklich darauf hin, dass wir uns in den Fragen rund um die Formen unseres Familienlebens wie in allen Fragen ethischer Orientierung im Vorletzten bewegen. Es geht hier nicht ums Letzte, nicht um unser Heil. Mit der Art, wie wir Familie verstehen, Familie definieren und Familie leben, steht nicht unser Christsein auf dem Spiel - erst recht nicht entscheidet sich hieran das Urteil Gottes über uns.“ Das sagte Annette Kurschus als Präses der Evangelischen Kirche von Westfalen vor zwei Wochen bei der Synode der Landeskirche in Bethel.

Den Gedanken der Vorläufigkeit, der Trost und Ermutigung sein kann, aber nicht als Ausrede für das Hände-in-den-Schoß-Legen missbraucht werden darf, nahm Stefan Berk als Superintendent in seinem Bericht bei der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein am Montag im Evangelischen Jugendheim Erndtebrück auf. Immer wieder verwies er darauf, dass wir uns als Christen in diesem Leben stets im Vorletzten bewegen, nicht im Letzten, wo es um unser Heil gehe.

In dem Bericht erinnerte Stefan Berk an die Abschiede von hauptamtlichen Mitarbeitern des vergangenen Jahres: Vom Berleburger Pfarrer Frank Schröder, vom Girkhäuser Pfarrer Achim Schwarz, von Kirchenkreiskantor Hartmut Weidt und von Synodalvikar Stefan Döhner in Erndtebrück. Und an den ersten, der im kommenden Jahr ansteht: vom Feudinger Pfarrer Oliver Günther, der im Februar Superintendent i m Kirchenkreis Prignitz wird. Verbunden mit wertschätzenden Worten für die gute Arbeit des Feudinger Gemeindepfarrers, der nach einem gelungenen Anfang viele Dinge angestoßen und viele Menschen aus der Gemeinde mit auf den Weg genommen habe, und den engagierten Kirchenkreis-Finanzausschuss-Vorsitzenden Oliver Günther sah Stefan Berk aber auch für die Feudinger Gemeinde die Frage, was nun kommt. Auch Achim Schwarz‘ frühere Gemeinden Girkhausen und Wunderthausen/Diedenshausen sind derzeit dabei, genau zu überlegen, was aus ihnen wird, da es bei ihnen künftig keinen Pfarrer mehr im Dorf gibt.

Die insgesamt dünne Personaldecke im Kirchenkreis ließ Stefan Berk noch einmal an anderer Stelle nachdenklich werden: „Der Weggang von vier Kollegen aus der Pfarrerschaft innerhalb eines Jahres zeigt, wie schnell wir an die Grenze kommen können, als Kirchenkreis eigenständig leben zu können. Es ist weder irgendein finanzieller Druck, es ist auch nicht der Druck der Landeskirche oder das Interesse des benachbarten Kirchenkreises, uns schlucken zu wollen. Die Gefahr geht letztlich von uns selbst aus, von unseren eigenen Ressourcen. Wir müssen Menschen haben, die leiten wollen und die auch die Begabungen und Kenntnisse dazu haben. Wir brauchen sie in unseren Presbyterien, und wir brauchen sie auf der Ebene des Kirchenkreises. Schon die Frage nach den theologischen Mitgliedern in unseren Ausschüssen, die Frage nach der Besetzung der Assessoren-Stelle, das Fehlen eines Ausschusses für Weltverantwortung und eines Vorsitzes im Bauplanungsausschuss und manches mehr machen deutlich, dass unser Kirchenkreis an manchen Stellen kurz davor steht, auf Reserve zu fahren.“

Dennoch wollte der Superintendent nicht in Resignation versinken, er rief nur einige Beispiele für die große Aktivität des Wittgensteiner Kirchenkreises in Erinnerung. Ganz zu schweigen von den zahllosen guten Begegnungen und gelungenen Veranstaltungen im tagtäglichen Gemeindeleben der 16 Kirchengemeinden erinnerte er an die mutige und zukunfts-bejahende Entscheidung für den Umbau des Freizeitzentrums Wemlighausen, an den erfolgreichen Austausch „Young Ambassadors“ mit der United Church of Christ in den USA, den sich jetzt ein anderer Kirchenkreis zum Vorbild nehmen will, an den großen Publikums-Erfolg des Spirituellen Sommers 2013, in dem sich die Gleidorfer Pfarrerin Elisabeth Grube für den Kirchenkreis stark engagiert hat, und an die Broschüre „Abschied und Bestattung“ des Theologischen Ausschusses in Wittgenstein.

Bei all den schwierigen Entscheidungen, die der kontinuierlich kleiner werdende Kirchenkreis in den Zeiten des demographischen Wandels zweifellos fällen muss, ermutigte Stefan Berk die Zuhörer nach einem Blick in den Heidelberger Katechismus. Er übersetzte die Antwort auf die erste Frage nach dem einzigen Trost im Leben und im Sterben für die Gegenwart: „Ich gehöre zu Jesus Christus, und zwar ohne dass ich etwas dazu tun kann. Das entlastet mich ungemein. Ich bin nicht für das Heil dieser Welt verantwortlich, weil Jesus Christus längst Herr ist. Ich bin noch nicht einmal für die Zukunft dieser Kirche verantwortlich, weil er auch hier das Haupt ist. Trost beginnt deshalb für mich da, wo ich in die Schranken gewiesen werde, wo deutlich wird, wofür ich nicht verantwortlich bin. Und umgekehrt: Daraus ergibt sich dann die Konzentration auf das, was wir tun sollen und tun können, wo wir mit unseren Begabungen und Möglichkeiten gefragt sind - im alltäglichen Leben in Beruf und Familie, aber auch in unserer Kirche und unseren Gemeinden.“