Freiwilliges Kirchgeld

Nachdem Claudia Latzel-Binder die neuesten Planungen für das Freiwillige Kirchgeld im Kirchenkreis Wittgenstein vorgestellt hatte, suchte sie das Gespräch mit Gundolf Hees. Er hatte vorgeschlagen, dass man dabei nicht nur die Senioren ins Auge fassen möge. Das gilt natürlich ohnehin: Es dürfen sogar Menschen, die noch Kirchensteuer zahlen, die Arbeit in ihrer Gemeinde mit Freiwilligem Kirchgeld unterstützen.

Nachdem die Haushalts-Einbringung des Feudinger Pfarrers und Finanzausschuss-Vorsitzenden Oliver Günther der Herbstsynode des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein am Montag noch einmal die finanziellen Schwierigkeiten vor Augen geführt hatte, stellte Claudia Latzel-Binder als Assessorin - und damit Stellvertreterin des Superintendenten Stefan Berk - die neuesten Planungen zum Thema „Freiwilliges Kirchgeld“ vor.

In Zeiten, da im bundesweiten Durchschnitt nur noch 30 Prozent der evangelischen Menschen Kirchensteuer bezahlen und auch im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein die Zahl der über 65-Jährigen, die üblicherweise keine Kirchensteuer mehr zahlen, in den verschiedenen Gemeinden zwischen 20 und 28 Prozent liegt, könnte das Freiwillige Kirchgeld eine Möglichkeit sein, zusätzliches Geld für die kirchengemeindlichen Haushalte zu bekommen. Aufgrund des demographischen Wandels werden die Zahlen der Gemeindeglieder in Wittgenstein sinken, nicht unbedingt wegen Kirchen-Austritten, sondern weil es einfach deutlich mehr kirchliche Beerdigungen als Taufen gibt.

Gleichzeitig müssen Kirchengemeinden mit deutlich steigenden Kosten rechnen.

Auch wenn in den vergangenen Jahren bereits diverse Stellen eingespart wurden und versucht wurde, das durch Mehrarbeit von ehren-, neben- und hauptamtlichen Mitarbeitern zu kompensieren, machen die Personalkosten einen erheblichen Teil der Haushalte in Kirchengemeinde, Kirchenkreis und Landeskirche aus. Und diese Kosten steigen - der Inflation folgend - weiter an. Genau wie die Energiekosten aufgrund einer höheren Ökostrom-Umlage und steigender Netz-Entgelte. In dieser Situation könnten die Kirchengemeinden auf die verlässlichen Spenden eines Freiwilligen Kirchgeldes hoffen, um auch weiterhin ihre qualitativ hochwertige Arbeit für Alt und Jung von der Krabbelgruppe bis zum Altenkreis anzubieten. Konkret heißt das: Jemand richtet einen Dauerauftrag ein und überweist monatlich, vierteljährlich, halbjährlich oder einmal im Jahr einen bestimmten Betrag. Der darf gern etwas größer ausfallen, muss er aber nicht. Das Entscheidende ist die Verlässlichkeit einer regelmäßigen finanziellen Unterstützung, die Gemeinden die dringend notwendige Planungssicherheit gewährt.

Auch wenn es in der Gleidorfer und Arfelder Kirchengemeinde schon länger ähnliche Konzepte der verlässlichen Finanzmittel-Beschaffung gibt und in der Lukas-Kirchengemeinde vor rund einem Monat das Freiwillige Kirchgeld im Zuge der neuen Gebäudekonzeption vorgestellt wurde, würde der Kirchenkreis für die restlichen am Konzept interessierten Kirchengemeinden gern einen gemeinsamen Start schaffen. Der weitere Zeitplan von Claudia Latzel-Binder sieht Mitte Dezember eine Informationsveranstaltung für Presbyterien vor, bei der Pfarrer Wolfgang Bensberg, Fundraiser im Nachbar-Kirchenkreis, über die Erfahrungen und Erkenntnisse der Siegerländer Kirchenkreis-Gemeinden berichtet wird. Claudia Latzel-Binder griff schon mal vor. So liegt in einer der dortigen Gemeinden das durchschnittliche Spenden-Aufkommen umgerechnet auf Gemeindeglied und Jahr bei 3,30 Euro. Selbst wenn sie für Bad Berleburg nur 2,50 Euro pro Gemeindeglied und Jahr rechne, dann seien das über 10.000 Euro pro Jahr. Genaueres hören die interessierten Presbyterien noch vor Weihnachten. Dezember und Januar können die Gemeinden nutzen, um sich klar zu werden, ob sie das Freiwillige Kirchgeld einführen möchten und zu welchem Zweck. Auch wenn das Geld für die komplette gemeindliche Arbeit bestimmt sein kann, so können sich Gemeinden auch ganz konkrete Ziele überlegen. Die auf die einzelnen Kirchengemeinden abgestimmten, ansonsten aber einheitlichen Faltblätter werden im Februar gedruckt und in der Passionszeit gibt es ein gemeinsames Pressegespräch, das den Start des Freiwilligen Kirchengeldes im Wittgensteiner Kirchenkreis markiert.

Die Ausführungen wurden von der Versammlung positiv aufgenommen, der Banfer Presbyter Gundolf Hees warnte lediglich davor, sich beim Freiwilligen Kirchgeld ausschließlich auf die Älteren als Spender zu konzentrieren. Der Erndtebrücker Pfarrer Stefan Turk hatte die Befürchtung, dass das Freiwillige Kirchgeld für seine Gemeinde möglicherweise zu spät komme. Die Erndtebrücker würden damit nämlich gern für die Diakonische Gemeindearbeit sammeln, die in der Gemeinde nur schwer finanziert werden kann, weil es hier keine große Diakonie-Rücklage gibt.

Bei zwei Gegenstimmen und sechs Enthaltungen fasste die Versammlung mit einer deutlichen Mehrheit folgenden Beschluss: „Die Kreissynode begrüßt, dass das Freiwillige Kirchgeld für die Kirchengemeinden gemeinsam geplant und in der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden soll. Die Kirchengemeinden werden gebeten, sich soweit als möglich der Initiative des Kirchenkreises anzuschließen.“