Kindergarten-Visitation

Sieben Kindergärten - wie hier in der Berleburger Regenbogen-Einrichtung - in zwei Tagen, so sah das Programm der Kindergarten-Visitation im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein vergangene Woche aus. Bei der Synode am Montag stellte Dr. Wolfgang Pollinger die Erkenntnisse des KSV-Besuchs vor.

Zwei Tage lang waren verschiedene Mitglieder des Wittgensteiner Kreissynodalvorstands (KSV) - das ist das Leitungsgremium des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein - gemeinsam mit Nina Stahl und Beate Klein von dem für Kindertageseinrichtungen zuständigen Geschäftsbereich des gemeinsamen Kreiskirchenamtes Siegen/Wittgenstein in den sieben heimischen evangelischen Kindergarten-Einrichtungen unterwegs. Darüberhinaus gab es Gespräche mit den Einrichtungs-Leiterinnen und mit Träger-Vertretern aus den Presbyterien.

Das Ganze heißt Visitation und bietet dem KSV die Möglichkeit, sich vor Ort ein genaues Bild von den kirchlichen Kindergärten zu machen, die es in den Kirchengemeinden Bad Berleburg, Bad Laasphe, Erndtebrück und Girkhausen gibt. Wobei der Kirchenkreis als Solidargemeinschaft jede Kindergarten-Gruppe jährlich mit 3000 Euro unterstützt. KSV-Mitglied Dr. Wolfgang Pollinger war bei jedem der Gespräche dabei und als Schmallenberger aus einer Kirchengemeinde ohne Kindergarten hatte er zudem eine völlig unvoreingenommene Position bei diesem Thema, deshalb war er es auch, der der Herbstsynode im Berleburger Christus-Haus von diesem Besuchs-Marathon Bericht erstattete (den Bericht finden Sie hier).

„Mir ist während der Visitation deutlich geworden, wie wichtig die Kindergartenarbeit für uns als Kirchenkreis ist“, so Wolfgang Pollinger. Sie sei ein Aushängeschild, außerdem könne man damit als evangelische Kirche deutlich Flagge zeigen. Knapp 360 Mädchen und Jungen besuchen die Einrichtungen, von denen drei sogar als Familienzentrum zertifiziert seien. Auch wenn alle Einrichtungen aufgrund ihrer baulichen Situation und ihrer Besucher-Klientel ganz unterschiedlich seien, sah Wolfgang Pollinger doch ganz klar das Verbindende zwischen allen Einrichtungen. „Gemeinsam ist allen Kindertagesstätten das hohe Engagement der Mitarbeiter. Alle Kindertagesstätten vermitteln in der Religionspädagogik christliche Grundwerte, wobei die Bereitschaft der Eltern, sich in den pädagogischen Prozess einbinden zu lassen, von der sozialen Herkunftsschicht abhängig ist. Die im zunehmenden Maße nur gering ausgebildete religiöse Identität der Eltern macht es schwierig, diese in den religionspädagogischen Ansatz zu integrieren; andererseits wird aber von muslimischen Eltern die Teilnahme ihrer Kinder an Vorlesestunden mit biblischen Geschichten nicht generell abgelehnt, da religiöse Gemeinsamkeiten mit dem Islam bestehen.“

Die Zusammenarbeit mit den jeweiligen Kirchengemeinden - auch in ihrer Funktion als Trägerin der Einrichtungen - sei durchgängig als zufriedenstellend beschrieben worden. Allerdings hätten die Veränderungen der vergangenen Jahre - der politische Umstieg auf die KiBiz-Richtlinien des Kinderbildungsgesetzes - das Geschäft schwieriger gemacht: „Die Komplexität der Materie stellt für die Presbyterien, in deren Verantwortungsbereich die Kindertagesstätten liegen, eine immer größere Herausforderung dar. Hier gibt es mit den Evangelischen Kindertageseinrichtungen im Kirchenkreis Siegen (EKiKS) ein interessantes Modell, das die Verwaltung von Kindertagesstätten bündelt.“ Auch wenn es im benachbarten Kirchenkreis Siegen um deutlich mehr Einrichtungen geht, zu EKiKS gehören derzeit 29, acht neue kommen 2013 hinzu, so wollen sich die Wittgensteiner doch im kommenden Jahr Gedanken über das Thema machen.

Einstimmig wurde der folgende Beschluss gefasst: „Die Kreissynode beauftragt den KSV, im Jahr 2013 mit den Träger-Gemeinden der evangelischen Tageseinrichtungen für Kinder im Kirchenkreis Wittgenstein Gespräche zu führen und dabei zu prüfen, wie die Arbeit der Einrichtungen für die Zukunft finanziell und strukturell gesichert werden kann. Dabei soll auch die Frage nach der Leitungsstruktur besprochen werden.“ Diverse Diskussions-Beiträge unterstrichen den Stellenwert der Kindergarten-Arbeit. Die Hesselbacherin Sabine Lang etwa formulierte: „Wir können es uns als Kirche nicht leisten, keine Kindergärten zu habe, auch wenn es ein Zuschussbetrieb ist.“ Wobei der Oberlahntaler Oliver Günther auch die Gemeinden ohne eigenen Kindergarten zu Zusammenarbeiten ermutigte. In Feudingen sammele er als Pfarrer hervorragende Erfahrungen in einer Kooperation mit dem örtlichen AWo-Kindergarten.