Haushalt 2013

Mit Jan Siegismund, Sachgebietsleiter „Finanzen“ im gemeinsamen Kreiskirchenamt Siegen/Wittgenstein, und Hans Joachim Behm von der Rechnungsprüfungsstelle hatte Oliver Günther (von links) als neuer Finanzausschuss-Vorsitzender im Kirchenkreis Wittgenstein stets wertvolle Ansprechpartner.

Die Herbstsynode des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein stand wie schon früher auch diesmal wieder sehr stark im Zeichen des kreiskirchlichen Haushalts fürs nächste Jahr. Neu war allerdings der Vorsitzende des Finanzausschusses, denn erst seit Sommer ist das der Feudinger Pfarrer Oliver Günther. Der fand bei seiner ersten - im Übrigen sehr anschaulichen - Einbringung des Wittgensteiner Haushalts deutliche Worte. Seine Botschaft laute nicht „Wir werden Probleme kriegen“, sondern: „Wir haben sie schon.“

 Auch wenn aufgrund der besseren Konjunktur in Deutschland die Kirchensteuer-Einnahmen deutlich höher ausfallen als erwartet und Klaus Winterhoff als Ratsmitglied der Evangelische Kirche in Deutschland von einer finanziellen Atempause gesprochen habe, so gelte das für Wittgenstein nur bedingt. Deutlich wies Oliver Günther darauf hin, dass es hier das Fatale sei, dass im Kirchenkreis die Haushaltslage strukturell defizitär sei. Es geht also nicht darum, dass man aufgrund irgendwelcher Schwankungen mal mehr ausgibt als man hat, sondern, dass man immer mehr ausgibt als man hat, weil es einfach zu viele finanzielle Verpflichtungen gibt und man deshalb beständig Rücklagen in Anspruch nehmen muss.

„Wir nehmen mehr ein und kommen nicht aus.“ Konkret sprach er bei den finanziellen Herausforderungen von der Öffentlichkeitsarbeit und dem Freizeitzentrum Wemlighausen, dessen Eigenkapital endgültig aufgebraucht sei. Deshalb war es dem Feudinger wichtig, für 2013 einen ohne Rücklagenentnahmen ausgeglichenen Haushalt vorzulegen. Geschafft wurde das durch die Entnahme von 36.000 Euro aus einem Überschuss der Kreissynodalkasse von 2011 und durch 63.000 Euro aus 2013er Rücklagen-Zinsen.

Die weiteren Zahlen stellten sich im Einzelnen folgendermaßen dar: Prognostiziert kann die Evangelische Kirche von Westfalen 2013 über ein Kirchensteuer-Aufkommen von 430 Mio. Euro verfügen, der Wittgensteiner Kirchenkreis bekommt davon knapp 3,7 Mio. Für die Pfarrgehälter werden knapp 1,5 Mio. Euro abgezogen. Von den verbleibenden 2,2 Mio. Euro bekommen nach dem altbekannten 60:40-Schlüssel die Wittgensteiner Kirchengemeinden gut 1,3 Mio. Euro und der Kirchenkreis knapp 900.000 Euro. Pro Gemeindeglied bekommt jede Kirchengemeinde 38,24 Euro brutto, davon gehen je 1,91 Euro Diakonie-Umlage und 3,75 Euro Verwaltungs-Umlage ab. Bleiben rund 32,50 Euro und damit 80 Cent mehr als im laufenden Jahr. Aber die Mehreinnahmen werden unter anderem durch eine dreiprozentige Personalkostensteigerung und eine zehnprozentige Steigerung der Bewirtschaftungskosten neutralisiert.

Die erwähnte Entnahme von 99.000 Euro habe der Finanzausschuss diesmal als eine kurzfristige Lösung des Problems gewählt, langfristig gehe das jedoch nicht, so Oliver Günther: „Wir brauchen eine evaluierende Überarbeitung unserer Finanzsatzung. Wir brauchen eine freiwillige mittelfristige Finanzplanung. Beides erfolgt im ersten Halbjahr 2013 und ist aufeinander zu beziehen, beides hat davon auszugehen, wie wir mit weniger Einnahmen auskommen können!“ Diese sei nach seinem Dafürhalten eine zukunftsorientierte Finanzplanung. Ohne große Nachfragen und Diskussionen kam die Synode zur Abstimmung, alle anschließenden sieben Einzel-Beschlüsse wurden einstimmig gefasst. Der neue Finanzausschuss-Vorsitzende dankte nicht nur seinem Ausschuss, sondern auch der Finanzabteilung im gemeinsamen Kreiskirchenamt der Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein für die Unterstützung und hilfreiche Begleitung auf dem bisher fremden Terrain.