Die Situation wird wieder schlechter

Andreas Wörster und Masauso Phiri von der Hilfsorganisation „Utho Ngathi“ waren nach drei Jahren wieder in Feudingen zu Gast

Wenn ein afrikanisches Land auf der Grundlage von Demokratie einmal einen Weg zu wirtschaftlichem Vorwärtskommen gefunden hat, dann ist dieser unumkehrbar und wird - wenn vielleicht auch in kleinen Schritten - beständig zu einem größeren Wohlstand der gesamten Gesellschaft und aller Bevölkerungsgruppen führen. Soweit unsere idealtypische Vorstellung - die aber leider nicht immer stimmt. Vor drei Jahren waren der gebürtige Siegerländer Andreas Wörster und sein Kollege Masauso Phiri von der Hilfsorganisation „Utho Ngathi“, die in verschiedenen Ländern des südlichen Afrikas Menschen mit Behinderungen unterstützt, zum bisher letzten Mal für Veranstaltungen in Wittgenstein. Corona-Einschränkungen hatten Gemeindeabende zwischenzeitlich kompliziert, manchmal sogar unmöglich gemacht. Dabei war die schwierige Ausreise aus Südafrika, wo die Beiden wohnen und wo die Omikron-Virus-Variante entdeckt wurde, auch ein Problem.
Mit 25 ging Andreas Wörster nach Afrika, inzwischen lebt er dort seit 32 Jahren. In Feudingen war er 2006 zum ersten Mal, um von seiner Arbeit zu berichten. Jetzt besuchten er und Masauso Phiri wieder das Obere Lahntal: morgens die Grundschule, wo ihnen die Schülerinnen und Schüler der Klassen eins bis vier gebannt zuhörten, nachmittags die Feudinger Jungschar für die Mädchen der Schuljahre vier bis sechs und abschließend einen Abend im Gemeindehaus. Drei Dutzend Zuhörende hatten ihren Weg dorthin gefunden, dabei waren alle Altersgruppen vertreten.
Schon früher hat Andreas Wörster viel von den schwierigen Lebenssituationen gerade behinderter Menschen im südlichen Afrika berichtet, aber nach seiner Wahrnehmung ist die Situation in den vergangenen Jahren wieder schlimmer geworden, das ganze gesellschaftliche Klima sei rauer geworden. In seinem Vortrag spielte die Pandemie zwar direkt eine Rolle, aber vor allem die schwerwiegenden wirtschaftlichen Folgen und eine erneut explodierende Armut, die immer mehr Menschen betreffe, machten Andreas Wörster Gedanken. Corona und der Krieg in Osteuropa waren da wichtig. Aber auf einem der Bilder, die der gelernte Physiotherapeut in Feudingen zeigte, sah man ein Elendsquartier, in dem einer seiner Betreuten lebt, und dahinter stand in voller Pracht eines der Stadien, die eigens für die Fußball-Weltmeisterschaft 2010 gebaut worden waren und heute ein eher nutzloses Dasein fristen. Gesagt wurde es nicht ausdrücklich, aber vielleicht war auch diese WM vor allem ein Goldesel für den Weltfußballverband Fifa und ein massives Verlustgeschäft für das Gastgeberland.
Andreas Wörster brachte den Zuhörenden an diesem Abend ganz unterschiedliche Schicksale von Menschen in Südafrika und anderen Ländern im südlichen Afrika näher. Seine Ausführungen machten deutlich, dass die Arbeit von Utho Ngathi absehbar nicht weniger wird. Wenn man sieht, welche Auswirkungen der russische Angriffskrieg auf die Ukraine in dem reichen Deutschland hat, kann man sich vorstellen, zu welchen Verwerfungen das in sehr viel ärmeren Ländern führen wird.
Wer mehr über Utho Ngathi wissen möchte, schaut im Internet unter www.uthongathi.org. Der gemeinnützige Verein, der sein Konto bei der Sparkasse Siegen hat, freut sich über Spenden unter
IBAN: DE83 4605 0001 0000 0413 84
BIC: WELADED1SIE