Landessynode stimmt für die Kirchenkreis-Vereinigung

Das Ergebnis war mit 120 Ja- und fünf Nein-Stimmen bei elf Enthaltungen ganz eindeutig

„So können wir heute ein Stück Westfälische Kirchengeschichte schreiben“, sagte am Dienstagabend bei der Frühjahrssynode der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) in Bethel Dr. Christof Grote als Vorsitzender des Gesetzes-Ausschusses der Tagung. Unter dem Punkt 3.8 der Landessynode brachte er den Antrag der Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein auf deren Vereinigung zum 1. Januar 2023 ein. Erstmals musste eine Landessynode über solch ein Vorhaben entscheiden, weil es in Siegen und Wittgenstein an der landeskirchlich geforderten Einigkeit für die Antrags-Stellung gefehlt hatte: Konkret hatten bei 28 Stimmen dafür, vier Enthaltungen und einem nicht abgegebenen Votum das Wittgensteiner Banfetal sowie die Siegerländer Kirchengemeinden Buschhütten und Emmaus dagegen gestimmt. Die Abstimmung jetzt bei der Landessynode dauerte fünf Minuten, am Ende wurde von den Delegierten die Vereinigung bei elf Enthaltungen 120 Ja- und fünf Nein-Stimmen mit einem klaren Ergebnis beschlossen.

Morgens war dieser Punkt bereits in der nicht-öffentlichen Sitzung des Gesetzes-Ausschusses ausführlich behandelt worden, hier hatten Superintendentin Simone Conrad für Wittgenstein und ihr Amtskollege Peter-Thomas Stuberg für Siegen die Möglichkeit, über die generelle Notwendigkeit der Vereinigung und die in den vergangenen Jahren unternommenen Vorbereitungsschritte dahin ausführlich zu berichten. Auch auf dieser Grundlage konnte die Entscheidung abends so schnell gefasst werden. Diese wurde im Nachgang von Präses Dr. h.c. Annette Kurschus und Dr. Arne Kupke als Juristischem EKvW-Vizepräsidenten kommentiert: Als ehemalige Siegener Superintendentin, von 2005 bis 2012 hatte sie das Amt inne, zollte Annette Kurschus den Kirchenkreisen „höchsten Respekt“ für deren Entscheidung, schon zu ihrer Zeit dort habe man über diesen Schritt nachgedacht. Arne Kupke ist lange Juristischer Ortsdezernent der Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein gewesen. Spürbar von Herzen kamen seine Glückwünsche zum „Neustart in neuer Form“.

Superintendentin Simone Conrad, die mit dem Berleburger Kreissynodalvorstands-Mitglied Edith Aderhold, der Laaspher Presbyterin Monika Benfer sowie dem Birkelbacher und Erndtebrücker Pfarrer Jaime Jung die Wittgensteiner Delegation für die Landessynode bildete, schätzt diesen Neustart realistisch ein: „Es ist das Ende eines Weges und der Anfang zugleich. Die Idee zu dieser Vereinigung wurde aus dem Wunsch geboren, beide Kirchenkreise zukunftsfähig zu machen, um gemeinsam kommende Zeiten bestmöglich zu gestalten. Das bedeutet nicht, dass alle Probleme gelöst oder gar alle Fragen beantwortet sind - aber es bedeutet, dass wir die Antworten auf die großen Fragen, denen sich Kirche zu stellen hat, nun gemeinsam suchen und dass wir bei der Lösung von Herausforderungen einen Partner an der Seite haben.“ Als Synodalassessor ist Peter Liedtke ihr Stellvertreter in der Kirchenkreis-Leitung. Er war nicht bei der Landessynode, aus seiner Perspektive als Esloher Gemeindepfarrer im Wittgensteiner Kirchenkreis unterstreicht er, dass die Presbyterien der Hochsauerländer Kirchengemeinden wie in Dorlar-Eslohe und Gleidorf den Vereinigungs-Antrag unterstützt oder wie in Winterberg durch eine Enthaltung mitgetragen hätten. Und in seiner Leitungsfunktion habe er gesehen, dass der Wittgensteiner Kirchenkreis über die Jahre hinweg durch den demographischen Wandel zu klein geworden sei, um all seine wichtigen Aufgaben zu erfüllen.