„Menschen für die guten Nachrichten von Jesus begeistern“

Die Berleburgerin Claudia Latzel-Binder wurde bei einem Gottesdienst in Arnsberg ins neue Amt eingeführt

Mehr und vor allem andere Musik in der Kirche und den Gottesdiensten der Evangelischen Kirche im Kirchkreis Soest-Arnsberg – das ist eines der erklärten Ziele von Irene Matimbwi. Zusammen mit der in Bad Berleburg lebenden Pfarrerin Claudia Latzel-Binder wollen beide Frauen künftig zusammen die Internationalisierung der Kirche voranbringen. Im Beisein von Landeskirchenrat Dr. Albrecht Phillipps und Superintendent Dr. Manuel Schilling fand am Sonntag die feierliche Amtseinführung in der Arnsberger Auferstehungskirche statt.

Annette Muhr-Nelson, Leiterin des Amts für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung (MÖWe ), brachte es am Sonntag auf den Punkt: „Die Einführung am Sonntag Cantate ist sicher kein Zufall“, so die Pfarrerin. Schon zur Begrüßung der Gäste wies sie auf den besonderen Gottesdienst hin, mit dem die beiden Frauen auch ihre offizielle Beauftragung für die anstehenden neuen Aufgaben erhielten. Die eigentliche Vorstellung „der Neuen“ übernahm Landeskirchenrat Dr. Albrecht Phillipps. „Wir wollen ein neues Lied singen und zu Neuem aufbrechen“, so Dr. Phillipps, das gesungene Gebet sei schließlich von doppelter Schönheit, befand Phillips.

Vom Neuen an den Liedern konnten sich die Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes während der fast zwei Stunden währenden Zeremonie ein eigenes Bild machen: Vielfach afrikanische Lieder und Töne zur Musik der Formation „Seth Sululu and Frieds“ – und mittendrin Irene Matimbwi. Die 37-jährige Frau aus Tansania ist erst seit April im Kirchenkreis zuhause und wird demnächst ihren Wohnort von Bochum nach Soest verlegen. Im Kirchenkreis Soest-Arnsberg wird sie das Gemeindeleben und die Ökumene gestalten helfen und mit Jugendlichen arbeiten. „Sie hilft ihnen die Bibel und den Glauben zu entdecken“, so Dr. Phillipps, und werde dabei auch die Schönheit von Tansania vermitteln.

Landeskirchenrat Dr. Phillips machte ferner deutlich, dass der Schwerpunkt der Arbeit beider Frauen im Kirchenkreis und in der Region liegen wird. Die Auferstehungskirche in Arnsberg habe man sich dazu bewusst als Ort ausgesucht. „Dies hier ist eine Integrations-, eine Migrationskirche, die für neue Menschen gebaut wurde, die in eine katholische Stadt geschickt wurden“, erklärte Dr. Phillipps aus der Geschichte. Man wolle weiter an der internationalen Kirche mitarbeiten und die Auferstehungskirche sei ein frühes Zeichen dieser Aufgabe. Zu den künftigen Aufgaben von Irene Matimbwi und Claudia Latzel-Binder zählte er auch die Seele des Dienstes wahrzunehmen und Kenntnis von des Ortes und der dort lebenden Menschen zu bekommen. „Sie sollen Christen ausfindig machen und zusammen bringen“, sagte Landeskirchenrat Phillipps. Für eine weltweite ökumenische Kirche müsse man entlang eines Prozesses der Internationalisierung arbeiten.

Durch jeweils persönliches Handauflegen aus dem Kreis der Geistlichen empfingen Matimbwi und Latzel-Binder die Wünsche aus Psalmen. Dann war ihre Zeit der Predigt gekommen, die beide Frauen in einem Zwiegespräch hielten. Ihr Gespräch über Inhalte aus dem Lukas-Evangelium machte den „barmherzigen Samariter“ zum Thema. Irene Matimbwi bekannte ihrer Gesprächspartnerin, dass ihr Leben in der Kirche fehle. Kirche, das sei ein Ort für Trost, wenn sie ihn brauche, so Matimbwi. Nur in die Kirche zu gehen, sei für sie nicht genug, sie wolle gegen das Vorurteil denken „Kirche ist langweilig“, so die neue Referentin. „Kirche muss wie eine Therapie sein“, bekannte Matimbwi, und – es gebe noch Hoffnung für „den Patient Kirche“. Singen könne da einen wichtigen Beitrag leisten. Zuversichtlich in dem Predigt-Gespräch zeigte sich auch Claudia Latzel-Binder: Kirche müsse neu gestaltet, dabei entstehende Zwischenräume anders genutzt werden. Kirche müsse ihre Rolle als „Zuhause“ für Menschen einnehmen, zu der nicht nur diejenigen hingehen, die alt, hässlich oder krank seien. „Da bin ich zuversichtlich, denn die Menschen sind schon da“, so Latzel-Binder, Lösungen gebe es auch schon, man brauche nur hinzuhören.

Ein von Irene Matimbwi gesungenes Segenslied leitete den Segen für die Anwesenden ein, der vor den Grußworten in afrikanischer und deutscher Sprache von Claudia Latzel-Binder gesprochen wurde.

„Das ist für uns eine doppelte Freude sowie ein echter Glücksfall für den Kirchenkreis und die Region“, freute sich Superintendent Dr. Manuel Schilling sichtlich. Beide Frauen würden für ihre Sache brennen und könnten nun vor Ort die ökumenische Weite erfahren. Darüber hinaus sei auch der Einstieg gegeben, die tansanische Partnerschaft aus dem Kirchenkreis wieder zu beleben. „Wir können von beiden eine plurale Welt kennen lernen“, so der Superintendent. Für die Vereinte Evangelische Mission (VEM) bekannte Jörg Spitzer, dass dies ein Tag der Freude und der Dankbarkeit sei. Claudia Latzel-Binder sei hochmotiviert für Mission und Ökumene, mit ihr habe man eine wunderbare Netzwerkerin gewonnen. Irene Matimbwi sei zudem die geeignete Botschafterin für Projekte transkultureller Musik, eine kluge Entscheidung für den Kirchenkreis. Für die südwestfälischen Kirchenkreise, die die Bereiche Soest-Arnsberg, Siegen, Wittgenstein sowie Lüdenscheid und Plettenberg umfassen, lobte Pfarrer Uwe Brühl die Amtseinführung. „Ihr könnt die Menschen für die guten Nachrichten von Jesus begeistern“, so Pfarrer Brühl.

Zum Abschluss sang das Team vom neuen „Institut für Mission und Ökumene“ (Oikos) ein Grußwort, mit dem der Empfang in der Kirche mit Gesprächen und Austausch eröffnet wurde.