Interprofessionell und im Team

In den Kirchengemeinden Bad Berleburg, Girkhausen und Lukas arbeiten künftig Pfarrerin, Pfarrer und Gemeindepädagoge zusammen

Es war kein Zufall, dass am Donnerstagabend zeitlich parallel im Berleburger Christus-Haus und im Elsoffer Gemeindehaus Versammlungen stattfanden. Die Dinge, die hier mitgeteilt wurden, betrafen sowohl die Berleburger als auch die Lukas-Kirchengemeinde. Und außerdem noch die Girkhäuser, deren Gemeindeglieder waren deshalb ebenfalls ins Christus-Haus eingeladen. Alle drei Kirchengemeinden bleiben zwar selbstständig, werden künftig aber pfarramtlich verbunden. Unter dieser Voraussetzung kann hier demnächst ein Team von Hauptamtlichen klar strukturiert für die Kirche und für die Gemeindeglieder vor Ort zusammenarbeiten.

Nach dem Weggang von Joachim Cierpka ist seit Herbst 2020 in der Lukas-Kirchengemeinde im Elsoff- und Edertal die Pfarrstelle unbesetzt. Unterschiedlichste Bemühungen, eine Pfarrerin, einen Pfarrer zu finden, liefen ins Leere. Ende Februar 2022 verließ Claudia Latzel-Binder ihre Berleburger Gemeindepfarrstelle in Richtung Landeskirche, hier blieb aufgrund sinkender Gemeindegliederzahlen und veränderter Maßgaben der Evangelischen Kirche von Westfalen (EKvW) neben der Stelle von Pfarrerin Christine Liedtke nur noch eine halbe Pfarrstelle übrig, die künftig wieder besetzt werden kann. Das Interesse an halben Stellen ist naturgemäß noch geringer als an ganzen, so war abzusehen, wie schwierig die Pfarrstellen-Situation hier bleiben würde. Der Fachkräfte-Mangel im kirchlichen Bereich ist heute so groß, dass nicht nur ländliche Gebiete betroffen sind, aber diese trifft es auch weiterhin am stärksten. Deshalb unterstützt die EKvW die Schaffung von Interprofessionellen Pastoral-Teams (IPT), in denen Pfarrerinnen und Pfarrer mit anderen Berufsgruppen von der Verwaltungsmitarbeiterin bis zum Organisten als Mannschaft zusammenarbeiten. So ermutigte Superintendentin Simone Conrad Bad Berleburg, Girkhausen und Lukas, sich Gedanken über eben solch eine Zusammenarbeit zu machen. Eine Bewerbung von außerhalb und eine Interessens-Bekundung aus dem heimischen Kirchenkreis stellten eine Lösung in Aussicht.

In vielen Gesprächen untereinander und mit den Interessenten entstand der Plan, der jetzt bei den Gemeindeversammlungen in Bad Berleburg und Elsoff sowie bei einem Pressegespräch im Haus der Kirche vorgestellt wurde. Demnach kann die Girkhäuserin Christine Liedtke künftig mit dem Pfarrer Rafael Dreyer und dem Gemeindepädagogen Daniel Seyfried auf dem Gebiet der drei Kirchengemeinden zusammenarbeiten. Daniel Seyfried ist seit Oktober 2018 Chef des Kirchenkreis-Kompetenzzentrums für Kinder-, Jugend- und Familienarbeit. Der 42-jährige Girkhäuser, der neben der pädagogischen auch über eine theologische Ausbildung verfügt, wollte neben den zahlreichen administrativen Aufgaben gern wieder stärker verkündigend wirken, er freut sich auf mehr praktisches Arbeiten. Die Bewerbung von außerhalb kam von sehr weit weg: Der 49-jährige Rafael Dreyer ist zwar westfälischer Pfarrer, arbeitet aber seit 2017 in der evangelischen Auslands-Pfarrstelle in Ghana. Er bringt Ehefrau und zwei Kinder mit nach Wittgenstein, seine Frau stammt aus dem westafrikanischen Land. Rafael Dreyer, Christine Liedtke und Daniel Seyfried sind für das neue Team gesetzt, wie sie ihre Arbeit künftig auf Augenhöhe und gaben-orientiert aufteilen, das wird in einem von außen begleiteten Beratungsprozess von dem Trio und den Presbyterien entschieden.

In Bad Berleburg waren rund 30 Zuhörende bei der Versammlung, in Elsoff etwa 50. Wohlwollend wurden an beiden Orten die Pläne aufgenommen, auch wenn den Lukas-Gemeindegliedern schnell klargemacht wurde, dass Rafael Dreyer mit seiner Familie nach Bad Berleburg ziehen werde, so dass aus dem Trio-Team absehbar niemand auf dem Boden der Lukas-Gemeinde wohnt. Auch aus diesem Grund hatte sich das Lukas-Presbyterium seine Entscheidung nicht leicht gemacht. Doch nachdem all das große Engagement des gemeindlichen Leitungsgremiums partout keine Pfarrerin, keinen Pfarrer gebracht hatte, schien den Presbyterinnen und Presbytern diese Lösung ein praktikabler Ausweg. Auch um mehr Ruhe in die Gemeindearbeit zu bringen und mit zuständiger Hauptamtlichkeit vor Ort wieder neue Impulse zu setzen. Die Zuversicht in den drei beteiligten Presbyterien überzeugte sowohl bei den Gemeindeversammlungen als auch beim Pressegespräch die Zuhörenden.

Alle blicken jetzt gespannt auf die nächsten Tage: Rafael Dreyer kommt zu einer kurzen Stippvisite aus Afrika nach Wittgenstein. Am Samstag und Sonntag, 21. und 22. Mai, hält er Probepredigten in Wunderthausen und Bad Berleburg, am Montag, 23. Mai, berichtet er in einer Gemeinde-Veranstaltung über seine Arbeit in den vergangenen fünf Jahren in Ghana. Danach wird Rafael Dreyer offiziell gewählt. Auch Daniel Seyfried wird sich den Gemeinden noch vorstellen, im Juni sollen diese Termine stattfinden. Er bleibt beim Kirchenkreis beschäftigt, 25 Prozent seiner Arbeitszeit gehören auch weiter dem Kompetenzzentrum. Im IPT bringt er sich mit 75 Prozent ein. Das Interprofessionelle Pastoral-Team startet nach den derzeitigen Planungen am 1. November in seinen Dienst.

Update:
Am Samstag, 21. Mai, beginnen um 18 Uhr in der Wunderthäuser Kirche und am Sonntag, 22. Mai, um 10.30 Uhr in der Berleburger Stadtkirche Gottesdienste, bei denen die Kirchengemeinden Rafael Dreyer kennenlernen können. Alle Interessierten sind herzlich willkommen, genau wie am Montag, 23. Mai, ab 19 Uhr bei einer Gemeinde-Veranstaltung im Berleburger Christus-Haus, Im Herrengarten 9: Hier berichtet der Pfarrer unter der Überschrift „Bittet, so wird Euch gegeben“ über seinen fünfjährigen Dienst in dem aufstrebenden westafrikanischen Heimatland seiner Ehefrau.