„Wir verlieren den coolsten Pfarrer, den ich kenne“

Banfetaler Weg-Begleiterinnen und -Begleiter der vergangenen Jahrzehnte erinnern sich zum Abschied an Peter Mayer-Ullmann: Gemeindefest am 15. Mai

Weltpolitisch war 1986 das Jahr, in dem Michail Gorbatschow mit „Glasnost“ und „Perestroika“ erstmals mehr Rede-, Meinungs- und Pressefreiheit und eine Umstrukturierung der Sowjetunion forderte und die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl Europa erschütterte. Im Kleinen war 1986 das Jahr, in dem Peter Mayer-Ullmann seinen Dienst im Banfetal antrat. Nach seinem Studium der evangelischen Theologie an der Universität Münster hatte der gebürtige Münchener zunächst sein zweieinhalbjähriges Vikariat in der Kirchengemeinde Erwitte absolviert, bevor er ab 1. Oktober 1986 als Pastor im Hilfsdienst in der Banfer Kirchengemeinde arbeitete. 15 Monate später wurde er am Jahresanfang 1988 deren Gemeindepfarrer. Ab September 2007 vergrößerte sich sein Einsatzgebiet, ab dieser Zeit war er auch Pfarrer der Fischelbacher Kirchengemeinde. Zum Jahresanfang 2019 änderte sich dann der Name: Aus den zwei Nachbar-Kirchengemeinden im Banfetal wurde die eine Evangelische Kirchengemeinde Banfetal. Daneben engagierte er sich auf der Wittgensteiner Kirchenkreis-Ebene: zum einen in der Jugendarbeit, zum anderen im Finanzausschuss, dessen Vorsitzender er sogar von 1993 bis 2008 war. In den frühen 2000er Jahren war er der Synodalbeauftragte für Jugendarbeit, 2002/3 einer der Leiter im Young-Ambassadors-Jugend-Austausch-Programm zwischen Wittgenstein den USA. Und seit April 2022 ist Peter Mayer-Ullmann ganz offiziell im Ruhestand, aber bevor er mit einem großen Fest Mitte Mai verabschiedete wird, erinnern sie hier noch einmal ein paar seiner Wegbegleiter an ihn.

Als Erstes die 23-jährige Milena Schmidt, die Banferin engagiert sich ehrenamtlich in der Kirchengemeinde: „Für Peter hat Kinder- und Jugendarbeit immer eine sehr wichtige Rolle gespielt. Gerne möchte ich mich im Namen der Kinder- und Jugendarbeit bei Peter für die vielen Jahre bedanken. Für das Vertrauen und die Freiheiten, die er uns geschenkt hat, für alles, was er uns gelehrt hat und für sein allzeit offenes Ohr. Seine lockere Art und das klare Wort zur rechten Zeit haben wir sehr an ihm geschätzt. Sein großes Herz und seine ruhige Art machen Peter zu einem tollen Menschen. Wir danken ihm für die unvergessliche Zeit!“

Der aus Richstein stammende Klaus Grübener ist heute Jugendreferent im Dekanat Biedenkopf-Gladenbach, aber von 1998 bis 2003 arbeitete er in diesem Beruf im Banfetal: „Was ich an Peter immer bewundert habe war sein kreativer Pragmatismus: Der Aufbau mit den Diaprojektoren für den Vorstellungsgottesdienst ist zu kippelig? Dann spaxen wir das Regal halt an den Kirchenbänken fest. Die Garnituren-Bänke passen nicht in den Anhänger, um sie mit zur Jugendfreizeit zu nehmen? Dann sägen wir halt zwei Zentimeter an jeder Seite ab. Wir haben keinen großen Kühlschrank im Haus Emmaus? Dann kaufen wir halt einen Kühlanhänger. Immer getreu dem Motto: ‚Da machen wir uns mal keinen Stress…‘“

Von dem Ansatz spricht auch Alexandra Müller, die 1988 von Peter Mayer-Ullmann konfirmiert wurde und heute Presbyterin ist. Sie verbindet ihn mit dem Satz „Setz‘ dich erstmal“. Egal, mit welchem Problem sie zum Pfarrer gekommen sei: „Ihn konnte nichts schocken, nichts konnte ihn aus der Ruhe bringen. Für alles hatte er eine Lösung parat und war immer direkt und ehrlich.“ Das Fundament für ihr Vertrauen wurde bei einer Freizeit gelegt: „Diese Gemeinschaft, die ich da erleben durfte, hat mich auf ewig geprägt. Unser Thema war ‚Abendmahl‘, zum Abschluss der Freizeit haben wir das zum allerersten Mal gefeiert. Was für ein Erlebnis - was für ein Abschluss. Diese Freizeit und die gesamte Konfi-Zeit, war mir ein Grundstein für alles was dann folgte, bis hin zur Mitarbeit im Presbyterium.“

Auch Abenteuerdorf-Geschäftsführerin Silke Grübener hat eine Konfi-Geschichte: „Wenn ich an Peter Mayer-Ullmann und seine Konfirmanden-Freizeiten denke, denke ich an viele gute Begegnungen und immer wieder überraschende Erlebnisse. Einmal fiel die Konfi-Freizeit zusammen mit dem Konfi-Fußball-Cup im Kirchenkreis. Deshalb kamen einige Konfis erst spätabends nach, die dort noch mitgespielt hatten. Für Peter Mayer-Ullmann war klar, dass dann für die Jugendlichen zur Stärkung noch eine warme Mahlzeit notwendig wäre. Also wurde kurzerhand kurz vor der Freizeit nach einem Starkstrom-Anschluss im Abenteuerdorf gefragt, ein Backofen aus Banfe mit dem Hänger mitgebracht und nachts noch fröhlich für alle gebacken. Ich verbinde daher das Thema ‚Gemeinschaft‘ ganz stark mit ihm und sein Engagement für die Jugendlichen, die ihm immer sehr am Herzen lagen und liegen.“

Für den heutigen Laaspher Pfarrer Steffen Post war am Ende seiner Berufs-Ausbildung Peter Mayer-Ullmann ab 2002 der Mentor: „‚Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir.‘ (1. Könige 19, 7b) - diesen Vers hat Peter mir damals als jungem Vikar mit auf den Weg gegeben und im Laufe der vielen gemeinsamen Jahre auf seine Weise mit Leben gefüllt. Bei Peter stimmte immer die Versorgung: Ob bei Freizeiten auf Elba, zu Hause am Tisch oder bei Gottesdiensten und Andachten. Es gab immer was Nahrhaftes für den Magen und fürs Herz.“

Gemeindesekretärin Luise Schmidt und ihr Ehemann Wolfgang, Banfer Organist der Kirchengemeinde, bringen ihre Eindrücke präzise auf den Punkt: „Ruhepol - hält an Prinzipien fest und ändert nur ungern seinen Standpunkt - überdurchschnittliches Gottvertrauen - nachtaktiv - Mittagsruhe unabdingbar - ärgert sich, dass durch Vorgaben der Landeskirche die Seelsorge immer in den Hintergrund tritt und Bürokratie überhandnimmt.“

Das kann auch die langjährige Banfer Frauenabendkreis-Vorsitzende Erna Galler bestätigen: Peter Mayer-Ullmann sei ein Freund der klaren Worte, auch zur aktuellen Situation der Kirche. Und die Antwort heiße für ihn: Vielfalt. Auch deshalb habe sie ihn immer als jemanden kennengelernt, dem die Jugendarbeit und die Frauenarbeit in der Kirchengemeinde gleichermaßen am Herzen gelegen hätten.

Dazu passen Sabine Langs Erinnerungen. Die Hesselbacherin ist heute Presbyterin, sie war als Jugendreferentin einst die Vorgängerin von Klaus Grübener: „Peter Mayer-Ullmann gehört zu den Menschen, die mich in meinen Start ins Berufsleben begleitet haben. Er ist mir über die Jahre zu einem lieben Freund geworden; da ist Vieles was uns verbindet. Er ist mir in seiner Geradlinigkeit und seinem Einsatz für jeden in der Gemeinde ein Vorbild.“

Der Herbertshäuser Gundolf Hees hat als Presbyter 20 Jahre mit Peter Mayer-Ullmann zusammengearbeitet, aber auch heute als ganz normales Gemeindeglied ist er sich sicher: „Peter hat sich mit allem, was ihm zur Verfügung stand, für seine Gemeinde völlig selbstlos eingesetzt. Selbst seine eigene Gesundheit hat er an vielen Stellen hintenangestellt. Er hat viele Ecken und Kanten. Aber gerade das macht ihn aus. Trotzdem war er immer auch kompromissbereit. Wenn Peter einmal etwas ausgesprochen hat, kann man sich voll darauf verlassen, dass er zu seinem Wort steht. Wir verlieren den coolsten Pfarrer, den ich kenne.“

Am Sonntag, 15. Mai, findet ein großes Gemeindefest in der Banfer Festhalle statt, bei dem nicht nur Peter Mayer-Ullmann, sondern auch weitere Mitarbeitende verabschiedet werden. Nach einem Gottesdienst ab 10.30 Uhr wartet um 13 Uhr ein gemeinsames Mittagessen auf die Besucherinnen und Besucher. Ab 14 Uhr ist die Zeit für Grußworte. Das Banfetaler Presbyterium lädt alle Interessierten zu diesem Festtag ganz herzlich ein.

>>> Einladung zu dem Banfer Festtag am 15. Mai