Potentielle Prädikantin predigt probehalber

Sabine Lang absolvierte in der Fischelbacher Kirche vorletzten Schritt ihrer Laienprediger-Ausbildung

So recht wusste das Wetter am Sonntagmorgen nicht, was es wollte. Deshalb war der Gottesdienst der Evangelischen Kirchengemeinde Banfetal nicht wie geplant am Skihang und unter freiem Himmel. Statt im „Hesselbacher Naturdom“, so Sabine Lang, hielt sie ihre Predigt in der Fischelbacher Kirche. Eine besondere Predigt, deshalb war unter den Gottesdienst-Besuchern auch Simone Conrad. Denn die Veranstaltung war ein Probegottesdienst, zu dem Simone Conrad als Wittgensteiner Superintendentin eine Stellungnahme abzugeben hat. Für Sabine Lang war es der vorletzte Schritt in ihrer Ausbildung zur Prädikantin. Im letzten Schritt werden Prädikanten bei einem Einführungsgottesdienst ganz offiziell beauftragt, den Dienst an Wort und Sakrament fortan ehrenamtlich wahrzunehmen. „Nach ihrer Ausbildung sind sie berechtigt, im Gottesdienst zu predigen, das Abendmahl einzusetzen und zu taufen“, heißt es auf der Homepage des Instituts für Aus-, Fort- und Weiterbildung in der Evangelischen Kirche von Westfalen über die Menschen, die früher auch Laienpredigerinnen und Laienprediger genannt wurden.

Der Predigttext für Sabine Lang stammte aus dem ersten Korinther-Brief und ganz direkt auf den Punkt startete die Hesselbacherin: „Paulus zentrales Anliegen ist es, die ‚Gute Nachricht‘ zu erzählen und Jesus Christus als den Sohn Gottes zu bezeugen. Darum dreht sich bei Paulus alles. Jesus ist der zentrale Mittelpunkt seiner Botschaft. Das scheinen die Mitglieder der Gemeinde in Korinth ein wenig aus den Augen verloren zu haben.“ Anschaulich erläuterte Sabine Lang in der Predigt ihren Eindruck und schlug die Brücke in die Gegenwart: „Plötzlich wurde es wichtig, von welchem Verkündiger man die Botschaft vernommen hatte. Es wurde wichtig, wer einen getauft hatte oder wessen Auslegung man nacheiferte. Es wurde verglichen, ausgegrenzt und beurteilt. Klingt ziemlich aktuell, finde ich.“ Dabei liegt unser Heil am Ende allein bei dem Einen, der als Jesus Mensch wurde, wie auch Sabine Lang sagte: „Unseren Studierenden sage ich immer: Du musst nicht mehr geben als dein Bestes - der Rest allerdings, der Rest ist Gottes Sache. Und der macht seine Sache sehr gut.“

Studierende hat Sabine Lang, weil sie seit fast 20 Jahren beim Marburger Bibelseminar arbeitet und dort die pädagogische Fachleitung ist. Ungefähr so lange ist sie Hesselbacher Presbyterin. Zuvor hatte sie direkt nach dem Studium schon eine Stelle als Jugendreferentin im Wittgensteiner Kirchenkreis angetreten und war Geschäftsführerin im heimischen CVJM-Freizeitwerk. Als Leiterin begleitet sie die vierte Generation im Jugendaustausch-Programm „Young Ambassadors“ zwischen dem Wittgensteiner Kirchenkreis und der amerikanischen United Church of Christ in Indiana und Kentucky. In all diesen Einsatzgebieten und mit dem evangelischen Selbstbewusstsein eines Priestertums aller Gläubigen hält Sabine Lang seit Jahrzehnten ganz selbstverständlich Andachten und manchmal auch Gottesdienste, doch die Prädikanten-Ausbildung soll dem noch einmal durch die genauere Beschäftigung mit den liturgischen Gottesdienst-Abläufen, mit der Geschichte, Theorie und Praxis des Predigens sowie mit der biblischen Theologie ein anderes Fundament geben.

In der Fischelbacher Kirche verfolgten 20 Besucher den Gottesdienst, der von Martina Schmidt an der Orgel begleitet wurde - natürlich hatte Sabine Lang auch die Lieder für den Gottesdienst ausgewählt. Weitere Zuschauer gab es außerdem an anderen Orten: 16 Endgeräte wie Telefon oder Computer hatten sich noch eingewählt, um den Gottesdienst als Zoom-Sitzung zu übertragen.