Brachte Corona nur Schlechtes?

Bei strahlendem Sonnenschein feierte die Gleidorf Kirchengemeinde einen Familiengottesdienst

70 Gäste verteilten sich am Sonntagmorgen zum Familiengottesdienst weiträumig auf der Wiese zwischen dem Büro der evangelischen Kirchengemeinde und der Gleidorfer Auferstehungskirche. So viele Menschen hätte man unter Corona-Bedingungen überhaupt nicht in der Auferstehungskirche unterbringen können, ohnehin ist das Gotteshaus derzeit wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. Als Plan B war deshalb in geschwisterlicher Verbundenheit bei schlechtem Wetter eine Verlegung des Gottesdienstes in die örtliche katholische Lichter- und Zuspruchskirche abgesprochen worden, doch die Sonne schien über alle Berge und so konnte unter blauem Himmel Gottesdienst gefeiert werden. Die Freiheit des Außenraums und die niedrigen Inzidenzwerte ermöglichten bei den richtigen Abständen das gemeinsame Singen und einen Gottesdienst ohne Schutzmasken. Viele Kindergottesdienst-Kinder, aber auch die Jugendlichen des neuen Konfirmations-Jahrgangs senkten dabei das Durchschnittsalter der Veranstaltung beträchtlich.

Und in all seiner fröhlichen und gelösten Atmosphäre drückte sich der Gottesdienst nicht um das derzeit schwierigste Thema herum. Pfarrerin Ursel Groß erinnerte daran, dass die Kirchengemeinde wegen Corona im Herbst Kinder nach Wünschen und Erwartungen fürs neue Jahr gefragt hatte. Die Antworten damals wurden an einen Baum der Hoffnung in der Auferstehungskirche gehängt. Neben dem am Sonntag improvisierten Altar auf der Wiese stand jetzt wieder ein Baum. Ein Apfelbaum im Topf, der demnächst auf dem Gemeindegrundstück gepflanzt wird. Die Aufgabenstellung formulierte Ursel Groß für die Gottesdienst-Besucher so: „Wir alle haben in den letzten eineinhalb Jahren viel erlebt und erfahren, was uns immer mal wieder den Blick verstellt und uns Mut und Kraft gekostet hat. Da ist die Gefahr groß, darüber Schönes und Wertvolles zu verlieren und zu vergessen. Im Mitarbeiterinnen-Kreis haben wir aber gemerkt: Es gab auch manches, das gut war und das uns gestärkt und ermutigt hat, durchzuhalten.“ Pfarrerin und Kindergottesdienst-Team wünschten sich deshalb diesmal, dass jene Dinge aufgeschrieben werden. Stefanie Ockershausen und Silke Weber aus dem Team verteilten an die Gäste bunte Papp-Blütenblätter, um darauf Stärkendes und Ermutigens zu notieren. Jung und Alt ließen sich drauf ein. Auch wenn es eine Antwort gab, dass Corona nichts Gutes abzugewinnen sei, so überwogen doch bei Weitem die Rückmeldungen, die von einer neuen Wertschätzung für Familie, Freunde, Schule, Natur und die Nähe zu anderen Menschen sowie von einer wohltuenden Entschleunigung und mehr Ruhe sprachen. Einige der Antworten hängten Stefanie Ockershausen und Silke Weber an den neuen Baum, aber am Ende waren es so viele, dass die meisten daneben zum Nachlesen in Körbchen lagen.

Im Rahmen des Gottesdienstes dankte Ursel Groß auch Günter Bannuscher aus Grafschaft, seit 25 Jahren gehört dieser dem Leitungsgremium der Gleidorfer Kirchengemeinde an: „Du hast viele Entscheidungen mit den anderen Presbytern und Presbyterinnen getroffen - Entscheidungen, die manchmal ganz schwergefallen sind. Als Kirchmeister für die Finanzen - und als Presbyter für unseren Friedhof hast Du in besonderer Weise Verantwortung übernommen. Dazu sorgst Du mit Deiner Frau Gisela hier in Gleidorf für das Gelände.“ Günter Bannuscher freute sich über den Dank im Gottesdienst - und nutzte die Chance seiner Entgegnung zu einem Appell. Er sprach davon, wie erfüllend das Mit-Tun ist und ermutigte die zahlreichen Familien dazu, sich ebenfalls in der Kirchengemeinde generell oder aber ganz speziell im Presbyterium zu engagieren. Der Mann aus Grafschaft macht zwar weiter, aber bei der nächsten Presbyteriums-Wahl braucht die Kirchengemeinde neue Leute, dann wird auch seine Stelle frei.

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