Biblisch-theologische Besinnung, mehr Mündigkeit, mehr Beteiligung

Bei seinem Verabschiedungs-Gottesdienst sieht Laasphes Pfarrer Dieter Kuhli in der Barmer Erklärung wichtige Impulse für die Gegenwart

Ausgehend von einem Gottes-Wort aus Jesaja 54, 10 sagte im März 1984 der damalige Wittgensteiner Superintendent Reinhardt Henrich: „Lieber Bruder Dieter Kuhli! In diesem Satz kann man zusammengefasst finden, womit du an diesem Tag beauftragt und wozu gesandt wirst: Du sollst das den Menschen zusprechen, mitteilen als unaufhebbare, nicht überbietbare zum Leben und zum Sterben befähigende Botschaft Gottes: Meine Gnade soll nicht von dir weichen.“ Der Anlass war damals die Ordination des jungen Pfarrers. Das Manuskript gehörte am Sonntag zu den Geschenken, die Dieter Kuhli erhielt. Der Anlass war diesmal - vier Monate vor seinem 66. Geburtstag - die Pensionierung des erfahrenen Pfarrers. Obwohl der Verabschiedungs-Gottesdienst corona-bedingt nur mit gerade mal zehn Teilnehmenden in der Laaspher Stadtkirche - mehr als 32 Jahre war Dieter Kuhli Gemeindepfarrer in der Lahnstadt - stattfinden konnte, waren es viele Geschenke, die der gebürtige Wittgensteiner nun mit in sein neues Zuhause im Siegerländer Littfeld nimmt. Für Gottesdienst und anschließende Geschenke-Übergabe hatten sich am Sonntagnachmittag 90 Endgeräte bei einer Zoom-Sitzung angemeldet, wie viele Menschen vor den Computern und an den Telefonen live dabei waren, ist nicht genau zu sagen. Das Video wird jetzt noch einmal bearbeitet und ist ab Samstag, 8. Mai, auf dem YouTube-Kanal des Wittgensteiner Kirchenkreises zu sehen.

„Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird, ist das eine Wort Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben“ - so steht es im Bekenntnis-Text der ersten These der Barmer Theologischen Erklärung. Und so stand es jetzt auch am Anfang von Dieter Kuhlis Abschieds-Predigt. Nach Abstechern zu Martin Luther, Immanuel Kant und Ulrich Zwingli kam der scheidende Gemeindepfarrer auf zwei ihm wichtige Impulse aus der Barmer Erklärung. Zum einen die Rolle der Bibel als das grundlegende Zeugnis. „Ohne gemeinsame biblisch-theologische Besinnung verliert unser kirchlicher Betrieb ganz schnell an Substanz und Bedeutung - und kann dann auch nicht mehr begründet und lebensnah und insofern glaubhaft den einzigen Trost im Leben und im Sterben bezeugen, von dem das Evangelium und das Bekenntnis gemeinsam künden.“ Deshalb lud Dieter Kuhli zur beständigen Beschäftigung mit der Bibel, zum lebenslangen Lesen und Lernen ein. Zum anderen ging es bei Dieter Kuhlis zweitem Barmen-Impuls um das Priestertum aller Gläubigen, für ihn nach 500 Jahren evangelischer Kirche „ein immer noch nur höchst unzureichend eingelöstes Versprechen“. In einer sich verändernden Welt reiche das nicht mehr als ein Anspruch, sondern werde zur Notwendigkeit: „‚Kirche mit Zukunft - auf dem Weg zu einer mündigen Beteiligungskirche im ländlichen Raum‘ - so haben wir schon 2001 ganz programmatisch die Stellungnahme der Wittgensteiner Kreissynode zu damaligen Kirchenreform-Überlegungen der Landeskirche überschrieben. ‚Mündigkeit‘ und ‚Beteiligung‘ - das ist mehr denn je eine dringliche Aufgabe, mehr noch: Nach meiner festen Überzeugung ist die Stärkung dieses Anliegens das Gebot der Stunde. Es kann nicht gut sein - und es wird auf Dauer auch nicht gelingen - , immer mehr Aufgaben auf die zahlenmäßig immer weniger werdenden Pfarrerinnen und Pfarrer zu verteilen.“

Nach seinen Worten des Dankes an ehren-, neben- und hauptamtliche Mitstreiter sowie an Ehefrau Gunhild und die inzwischen erwachsenen Kinder Maren, Antje und Steffen folgte das Unausweichliche. Superintendentin Simone Conrad verabschiedete und entpflichtete Dieter Kuhli, der in den vergangenen drei Jahrzehnten nicht nur in der Laaspher Kirchengemeinde, sondern an mancher Stelle für den Wittgensteiner Kirchenkreis gewirkt hatte. In den Gottesdienst eingebunden waren außerdem der örtliche Pfarrkollege Steffen Post, aus Erndtebrück Dieter Kuhlis ehemalige Vikarin Kerstin Grünert und die Laaspher Laienpredigerin Monika Benfer, für Musik sorgten Friedhelm Nicklaus am E-Piano und Mareike Schäfer mit ihrer Stimme, die allesamt auf ihre Art Dieter Kuhli dankten. Der sich dafür mit einem Dank bei jedem Einzelnen revanchierte, auch beim Leitenden Jugendreferenten Daniel Seyfried vom Kirchenkreis, der die Internet-Übertragung möglich gemacht hatte und dabei vom Erndtebrücker Pfarrer Jaime Jung unterstützt wurde. Und weil bei Dieter Kuhli der Herr nicht nur am Anfang, sondern immer auch am Schluss steht, schloss er seine Ausführungen folgendermaßen ab: „Am Ende steht der Dank - auch und vor allem an den, der uns das alles erst ermöglicht hat. Ich schließe deshalb mit einer bekannten Liedstrophe: ‚Nun danket alle Gott mit Herzen, Mund und Händen, der große Dinge tut an uns und allen Enden, der uns von Mutterleib und Kindesbeinen an unzählig viel zugut bis hierher hat getan.‘“

Es gibt noch bis Ende Mai die Möglichkeit für Gottesdienst-Online-Kollekten-Spenden. Alles eingehende Geld wird dem Wunsch Dieter Kuhlis entsprechend aufgeteilt: die eine Hälfte zur Umsetzung der Planungen des Christlich-Jüdischen Freundeskreises für die Alte Synagoge in Bad Laasphe, die andere Hälfte für die angedachte offene Waldkapelle im Abenteuerdorf Wittgenstein des Kirchenkreises in Wemlighausen.

Dieter Kuhlis Abschieds-Predigt

Simone Conrads Worte zum Abschied

Steffen Posts Worte zum Abschied

Monika Benfers Gebet zum Abschied