Suchen und Finden - nicht nur zu Ostern

Fernab der eigentlichen Oster-Botschaft „Das Leben siegt“ hat das Fest landläufig auch damit zu tun

„Das tolle Wetter ausgenutzt und den Sauerland-Radring gefahren... und natürlich kurz angehalten um zu loggen“, „Bevor es heute auf den wirklich schönen Schmallenberger Weihnachtsmarkt ging haben wir noch eine Punktlandung an dieser Dose hingelegt“, „Dass hier noch eine evangelische Kirche steht, wussten wir gar nicht“, „Auf einer schönen Radtour mit Oma und Opa, hier eine kurze Pause eingelegt“, „Nach der Finanzsitzung mit den beiden Pfarrern und dem Kirchmeister der Kirchengemeinde konnte ich die Dose auch im Dunkeln schnell heben“, „So - es kann wieder gesucht werden! Freue mich schon darauf, wenn viele bei diesem hübschen Kirchlein vorbei- und vielleicht sogar hineinschauen. Herzliche Einladung!“

Doch vorher stellt sich eine Frage:
Worum geht es in den zitierten Sätzen?

Die Antwort ist zwar kurz, muss aber erläutert werden: Um Geocaching.

Geocaching ist eine neue Form der traditionellen Schnitzeljagd, die Ende des 20. Jahrhunderts entstand. Das „Geo“ in der Vokabel stammt wie bei den Geographen und Geologen aus dem Altgriechischen und weist auf die Erde hin, das „Cache“ kommt aus dem Englischen und bezeichnet einen versteckten Lagerort. An eben jenem Ort findet man einen wasserdichten Behälter. Die Koordinaten für den Ort finden sich auf den entsprechenden Internet-Plattformen wie etwa www.geocaching.com. Ein GPS-Gerät, gern mit einer Karten-Funktion, oder ein Smartphone mit der benötigten App helfen dabei. Beim Suchen nach dem Schatz können Kinder, Jugendliche und Erwachsene ihren Spaß haben. Dabei bilden die verschiedenen Schwierigkeitsgrade den Aufwand und das Gelände bei der Suche ab, während die einen sogar im Rollstuhl entdeckt werden können, brauchen die anderen wohlmöglich Taucher- oder Kletterausrüstung. In dem wasserdichten Behälter findet sich ein Logbuch, in dem sich der Finder mit seinem Geocacher-Namen und dem Datum einträgt. Die Sätze am Anfang des Artikels stammen aus einem ebensolchen Logbuch. Wobei es neben dem einfachen Cache auch zum Beispiel noch Mystery- oder Puzzle-Caches gibt, für die man zunächst schwierige Rätsel lösen muss, sowie Event-Caches gibt.

Überall im Wittgensteiner Kirchenkreis liegen solche Caches, oftmals spielen die zahlreichen heimischen Kirchen dabei eine Rolle. Manchmal in einer Nebenrolle wie bei dem Erndtebrücker Cache „Erinnerungen an den Zweiten Weltkrieg“, der die drei Luftangriffe auf die Edergemeinde in den Jahren 1944 und 1945 thematisiert: „Am 10. März jeden Jahres läuten zum Gedenken die Glocken der evangelischen Kirche.“ Oder in einer Hauptrolle, wie in der Cache-Serie „Feudinger Kirchspiel“: „Mit dieser Serie aus 18 verschiedenen Caches möchten wir Euch zu allen Kirchen und Ortschaften des Kirchspiels Feudingen führen. Die Caches sind so platziert, dass sie einen möglichst guten Blick auf den jeweiligen Ort bzw. Kirche geben. Der letzte Cache ist als Bonuscache angelegt, denkt daher bitte daran, Euch den jeweiligen Bonusbuchstaben bei den ersten 17 Caches zu notieren.“ Und nach dieser Erläuterung lernt man dann zunächst ganz viel über den Begriff „Kirchspiel“ im Allgemeinen, später auch noch im Speziellen, dass der Turm der Volkholzer Kirche „ein Vorleben als Trafohäuschen“ hatte. In Bad Berleburg lockt „Casimirs Erbe“ am Schloss: „Zum Erbe Casimirs gehört auch die Berleburger Bibel, die ab 1726 gedruckt wurde. Die kleine Runde beginnt bei N 51° 03,078‘ E 8° 23,315‘. Welche Jahreszahl ist auf dem mittleren im Barockstil gebauten Teil zu lesen? = ABCD“.

Die Sauerländer Wittgensteiner Kirche vom Anfang hat übrigens die Koordinaten N 51° 09,853‘ E 8° 18,311‘. Ihre beiden jüngsten Logbuch-Einträge stammen vom 20. März 2021 und gehören offenbar zusammen: „Auf unserer Sauerland-Runde diesen schönen Ort gefunden“ sowie „Diesen durften wir im Sonnenschein aus dem Winterschlaf erwecken“.

Und so lädt das Geocaching auch in den Zeiten der Corona-Pandemie zum spannenden und sicheren Rätselraten unter freiem Himmel ein.