Heiligabend ohne Präsenzgottesdienste

Auch wenn den allermeisten Menschen etwas gefehlt hat, so ist Weihnachten im Kirchenkreis nicht ausgefallen

Heiligabend und Weihnachts-Feiertage ganz ohne die Möglichkeit zum Gottesdienst-Besuch in der Kirche - hätte man dieses Szenario vor einem Jahr beschrieben, hätte sich das wohl niemand im Wittgensteiner Kirchenkreis vorstellen können. Noch vor drei Wochen mochte sich hier eigentlich niemand eine solche Situation ausmalen. Jetzt ist Weihnachten vorbei - und das Fest ist nicht ausgefallen. Es hat stattgefunden, nur anders als gewohnt. Eben ohne Präsenzgottesdienste. Und auch wenn es natürlich kompliziert ist, eine aussagekräftige allgemeingültige Bilanz zu ziehen, so scheinen im Wittgensteiner Kirchenkreis doch unterschiedlichste Konzepte gut funktioniert zu haben.

Schon der Weg zum Fest bot mit digitalen Internet-Adventskalendern den Menschen eine gelungene Alternative zu den traditionellen Adventsfenstern mit vielen Leuten in der Realität. Pünktlich um Mitternacht öffnete sich diesmal auf dem YouTube-Video-Kanal der Berleburger Kirchengemeinde das neue Türchen, auch Wittgensteiner Schulreferat und Siegener Erwachsenenbildung der beiden Kirchenkreise waren mit ihrem text-orientierten Adventsblog im Internet schon früh nachzulesen - und dann stellte sich in aller Herrgottsfrühe die allesentscheidende Frage: Würde der Handy-Signalton vom WhatsApp-Kalender der Raumländer und Arfelder Kirchengemeinden vor oder nach dem Freischalten des Erndtebrücker Angebots piepen? Während sich die Präsenz-Adventsfenster in Erndtebrück traditionell abends um Sechs öffnen, wurde das Türchen im Digitalen Kalender auf dem YouTube-Kanal der Kirchengemeinde morgens um Sechs geöffnet. Und um Sieben hatte die Besucherzahl oft schon den dreistelligen Bereich erreicht. Die WhatsApp-Gruppe der Nachbarkirchengemeinde hatte auch knapp 500 Empfänger - und wenn das Handy um zehn nach Fünf piepte, hatte Raumland den zeitlichen Wettlauf gegen Erndtebrück gewonnen. Musik, Gedichte, Geschichten, Gebete, Segensworte, Rezepte, Bastelanleitungen, Buchtipps, Denkanstöße - all das wurde in den vier Angeboten verlässlich geliefert: auf Hochdeutsch oder Platt, mit Witz, technischem Einsatz, einer selbstverständlichen Inhalts-Bandbreite und Engagement von ganz vielen Menschen.

Auch wenn man die Anklick-Zahlen nicht überbewerten sollte, so haben sie doch eine Aussagekraft. Bis Dienstagmittag wurden die gottesdienstlichen Angebote im Kirchenkreis laut der YouTube-Zahlen 8200 Mal aufgerufen. Das bezieht sich auf die unterschiedlichen Krippenspiele und Gottesdienste genauso wie auf die verschiedenen Versionen der Weihnachtsgeschichte, sei sie mit Lego-Figuren inszeniert, in den Sand gemalt oder auf Feudinger Platt erzählt. Von außen kann man zwar nicht sehen, wie schnell ein Video verlassen wird, man kann aber genauso wenig sehen, wie viele bei einem Klick gemeinsam zuhause vorm Computer-Bildschirm oder dem internet-fähigen Fernseher zugeschaut haben. Zusätzlich wurden in der Lukas-Gemeinde die Ortsgrüße der Dörfer 1500 Mal angeklickt, auch der Heiligabend-Gottesdienst mit der Iglesia Evangélica del Río de la Plata mit Beteiligung aus der Berleburger Kirchengemeinde brachte es nochmal auf gut 650 Klicks, die Weihnachts-Grüße der Mitarbeitenden vom Kompetenzzentrum für Kinder-, Jugend- und Familienarbeit steuerten ebenfalls 80 Klicks bei. Insgesamt also weit über 10.000 Aufrufe der Videos.

Aber auch damit noch nicht genug. In Banfe, Feudingen und Fischelbach konnte man sich im Dorf unter freiem Himmel, in Erndtebrück und Wemlighausen in der Kirche, in Oberndorf und Volkholz vorm Gemeindehaus mit ganz verschiedenen Konzepten auf den Weg zur Krippe machen. Auch diese Angebote wurden von Menschen in großer Zahl wahrgenommen. Und sie können allesamt noch bis Mittwoch, 6. Januar, besucht werden. Wie in der Wemlighäuser Odebornskirche holten Besucher in der Arfelder und Weidenhäuser Kirche über Weihnachten das Friedenslicht ab. Es war gut, dass diesmal viel mehr Kirchen als gewohnt über längere Zeiträume ihre Türen öffneten. Und auch hier hielten sich die Menschen an die derzeit gültigen Abstands-, Gruppen-Größe und Hygiene-Regeln, wenn etwa Familien vor der Erndtebrücker Kirche geduldig warteten, damit drin nicht zuviel Betrieb war. Die Wemlighäuser Kirche wird ab 2021 allerdings ihre Öffnungszeit auf 9 bis 16 Uhr reduzieren.

Die Krippenspiele im Oberen Lahntal als Foto-Geschichten in Schaufenstern und von außen sichtbar in den Gemeindehäusern in Kartons waren ein Konzept, die Erndtebrücker schnitten Bilder von Kindern und Mitarbeitenden zu drei Filmen für Benfe, Schameder und Erndtebrück selbst zusammen, die Raumländer drehten ein Video auf einer Anhänger-Ladefläche. Eigentlich hatte dieses mobile Krippenspiel-Einsatzkommando mit einer festen Darsteller-Gruppe an Heiligabend seine Tour durch Dörfer der Kirchengemeinden Raumland und Arfeld antreten sollen, aber die Corona-Zahlen machten einen Strich durch die Rechnung - obwohl man sich mit dem beweglichen Krippenspiel doch auf die Pandemie-Zeit vorbereitet hatte. Aber - und das gilt für alle Kirchengemeinden im Kirchenkreis - aus einer schwierigen Situation wurde das Beste gemacht. Und wem das Alles zu viel war mit den Videos, der konnte sich bei den Laasphern den Weihnachts-Gottesdienst als Schrift-Dokument herunterladen und zuhause lesen. In anderen Kirchengemeinden wurden Gottesdienste und Andachten in schriftlicher Form oder als CD gerade an ältere Menschen verteilt.

Zu diesem Weihnachtsfest machten sich die Kirchengemeinden und Arbeitsbereiche nochmal ganz neu auf den Weg zu den Menschen. Viele Angebote sind weiterhin über die Kirchenkreis-Homepage abrufbar. Und für Silvester und Neujahr kommen die neuen am Donnerstag, 31. Dezember, dazu: für den Berleburger Solidarraum und die Kirchengemeinden Banfetal, Dorlar-Eslohe Erndtebrück und Feudingen neue Videos und aus Bad Laasphe wieder Gottesdienst und Predigt zum Herunterladen und Nachlesen.