„Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“

Pfarrerin Christine Liedtke erzählt von besonderem Erlebnis nach dem Gottesdienst in der Berleburger Statdkirche

Das Geschenk, das ich am vergangenen Sonntag bekam, begann sehr geheimnisvoll: „Da ist eine türkische Familie, die will dich nach dem Gottesdienst sprechen. Sie haben auch einen Blumenstrauß dabei, den sie dir geben möchten“, teilte mir ein Gemeindeglied mit, das sich in unserem Offenen Treffpunkt „Café International“ sehr um Menschen bemüht, die in Berleburg eine neue Heimat suchen. In meiner Predigt ging es an diesem Sonntag um Abraham, den Menschen, dem Gott sich offenbart und mit dem Gott seine Geschichte mit den Menschen beginnt. Das sollte noch wichtig werden.

Dann war der Gottesdienst zu Ende. Was war wohl das Anliegen der vierköpfigen Familie? Der türkische Familienvater stellte mir sich und seine Familie im einzelnen vor. Die Tochter überreichte mir den Blumenstrauß. Dann verlas der Vater mit großer Ernsthaftigkeit eine persönliche Stellungnahme in deutscher Sprache. Darin wurde Bezug genommen auf die Terroranschläge in Österreich und Frankreich, die zutiefst abgelehnt und verurteilt wurden. Da war Schmerz in seinen Augen und die Sorge, dass wir Europäer aufgrund von Gräueltaten, die von Terroristen im Namen Allahs begangen werden, alle Moslems verurteilen. „Wir nennen Abraham ‚Ibrahim‘. Wir glauben an denselben Gott“, führte der türkische Familienvater aus. Ja, Abraham ist der Stammvater der drei großen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam, die deswegen auch abrahamitische Religionen genannt werden. Über Abraham gehören Christen, Juden und Muslime also als eine große Familie zusammen - mit einem Gott, der die Welt und uns Menschen geschaffen hat und der uns aufträgt, Gott und die Menschen zu lieben.

Das Ende des Textes war ein Satz, der sich mir einbrannte: „Ein Muslim kann kein Terrorist sein; ein Terrorist kann kein Muslim sein.“ Liebe und Terror schließen einander aus. Glaube an Gott und Massaker in seinem Namen passen nicht zusammen. Es hat mir sehr imponiert, dass diese muslimische Familie sich deutlich distanziert von Gräueltaten, die von Verbrechern im Namen des Islam begangen werden.

Von diesem Geschenk der Nähe und Verbundenheit, das mir zuteil wurde, muss ich einfach erzählen: „Wes das Herz voll ist, des geht der Mund über“, weiß schon die Bibel (Lukas 6,45). Das bedeutet: Wovon das Herz voll ist, davon redet der Mund!