„Darauf kommt es an: Gott wirken zu lassen“

50 Besucher*innen bei einem Vortrag von Prof. Dr. Marco Hofheinz in der Evangelischen Kirche Erndtebrück

„Komm‘ und sieh‘“ - entlang der Losung des Tages begrüßte jetzt der ehemalige Wittgensteiner Superintendent Stefan Berk in der Evangelischen Kirche Erndtebrück eine Vortrags-Gemeinde: „Sich die Mühe zu machen, mal hinzuschauen, sich selbst eine Meinung zu bilden. Zu hören, was ein anderer zu sagen hat. Auf den eigenen Grips zu vertrauen. Sie sind heute Abend gekommen, um genau das zu tun.“ 50 Zuhörerinnen und Zuhörer hatten sich von Prof. Dr. Marco Hofheinz‘ Vortrags-Titel „Allein Christus? Karl Barths Christusbekenntnis und die Pluralität der Religionen“ nicht abschrecken lassen. Und auch wenn das anschließende, gut 50-minütige Referat hie und da mindestens so kompliziert war wie die Überschrift. So brachte der aus Feudingen stammende Professor für Systematische Theologie an der Leibniz Universität Hannover die Dinge zwischendurch immer wieder so deutlich auf den Punkt, dass Alle, die sich darauf einlassen mochten, an diesem Abend klare Sätze und eindeutige Impulse mit nach Hause nehmen konnten.

Dafür erläuterte Marco Hofheinz zunächst einmal Karl Barths verstörende Aussage „Religion ist Unglaube“: Diese richte sich allein dagegen, dass Religion mehr sein wolle als das irdische Gefäß des Glaubens: „Wo die Religion die Demut des Vorläufigen verliert, ist sie nicht mehr die Erscheinungsform des Glaubens, sondern sie wird ihrerseits zur Voraussetzung und Gestalterin und schließlich zum Gegenstand des Glaubens.“ Als zweite Grundlage für alles Weitere rief er Karl Barths Lichterlehre - ausgehend vom aus dem Johannes-Evangelium herausdestillierten Grundsatz „Jesus Christus ist das Licht des Lebens“ - in Erinnerung: „Daß Jesus Christus das eine Wort Gottes ist, heißt nicht, daß es nicht - in der Bibel, in der Kirche und in der Welt - auch andere, in ihrer Weise auch bemerkenswerte Worte - andere, in ihrer Weise auch helle Lichter - andere, in ihrer Weise auch reale Offenbarungen gebe.“ Das schrieb Karl Barth Ende der 1950er Jahre. Nach vielen kenntnisreichen Ausführungen formulierte Marco Hofheinz am Ende seines Vortrags schlüssig: „Die religionstheologisch angezeigte Offenheit hat ihren Rechtsgrund nach Barth nicht etwa in der Offenheit der Welt für Gott, sondern in Gottes Offensein für die Welt.“ Oder nochmal anders: Allein die Möglichkeit, dass sich Christus auch in anderen Religionen vergegenwärtige, sei Anlass genug, sich auch für diese zu interessieren.

Dass das eine befreiende, keine relativierende Botschaft sei, musste Marco Hofheinz dann in der anschließenden Fragerunde immer wieder betonen. Er ermutigte dazu, mit einem kleinen Tugend-Abc in den interreligiösen Dialog zu gehen und zuerst das Verbindende wahrzunehmen: Betrachte man den leidenden Gott, dann gebe es Schnittmengen zwischen Christentum und Buddhismus, schaue man auf das Bilderverbot, gebe es diese zwischen Islam und Christentum. Im weiteren Verlauf sei gegenseitiges Vertrauen nötig. Gleichzeitig warnte Marco Hofheinz vor einem überzogenen Harmoniebedürfnis und vor einer falschen Scheu vor Konflikten. Es gehe keinesfalls darum, eine Einheits-Theologie zu schaffen: „Christus-konforme Religions-Kritik ist unser Geschäft“, das man sich deshalb nicht wegnehmen lassen dürfe.

Die unvermeidliche Abschluss-Frage, was all das nun für die Mission bedeute, ließ ihn etwas energischer reagieren, weil es um eben diese Engführung an diesem Abend nicht ging. Stattdessen plädierte Marco Hofheinz bei all seinen Zuhörerinnen und Zuhörern für solche interreligiösen, aber eigentlich für alle Begegnungen an eine Offenheit im Gottvertrauen: „Keine Angst, dass Christus mich noch verändern kann.“ Letztendlich sei doch klar: „Darauf kommt es in unserem Leben an: Gott wirken zu lassen.“

Vortrags-Video: zum Anschauen