Synode II: Machbarkeitsstudie

Kreissynode beschloss, dass Gemeinden, Arbeitsbereiche und Gremien Stellungnahmen zu der angedachten Kirchenkreis-Vereinigung abgeben

Breiten Raum nahm bei der Wittgensteiner Kreissynode die Machbarkeitsstudie für eine mögliche Vereinigung der Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein ein, die von Superintendent Stefan Berk vorgestellt wurde. Auffällig dabei, dass die Vereinigungs-Perspektive an sich gar nicht mehr in Zweifel gezogen wurde, vielmehr ging es um die konkrete Ausgestaltung. Da gab es diverse Nachfragen, wie verbindlich die Ausformulierungen in der Machbarkeitsstudie seien. So wunderte sich die Erndtebrücker Pfarrerin Kerstin Grünert, weshalb ein Festhalten am Standort Bad Berleburg als Assessoren-Sitz - also Sitz für einen der beiden angedachten Superintendenten-Stellvertreter - nicht klarer benannt werde, Berufsschulpfarrer Detlev Schnell und der Banfer Pfarrer Peter Mayer-Ullmann befürchteten in dem möglichen Verkleinern der Synode und bei Verringerungen im Ausschusswesen einen Verlust an Demokratie und Identitäts-Abbildung. Daniel Seyfried als Leiter der Jugendarbeit im Kirchenkreis und Abenteuerdorf-Geschäftsführerin Silke Grübener wollten wissen, wie entscheidend bei den Struktur-Überlegungen das Inhaltliche gewesen sei. Der Raumländer Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer fragte konkret nach den Pfarrstellen, die der ländliche Wittgensteiner Kirchenkreis seit Jahren wegen seiner weiten Wege von der Westfälischen Landeskirche zusätzlich bezahlt bekommt - und die dem Kirchenkreis in dieser Zeit Pfarrstellen für kleinere Einheiten ermöglicht hatte, weil dadurch der eigentliche Schlüssel von Gemeindegliedern pro Pfarrstelle in Wittgenstein und Hochsauerland heruntergesetzt werden konnte.

„Unsere dreieinhalb Zusatz-Pfarrstellen kommen in den großen Topf“, stellte Synodalassessor und damit Superintendenten-Stellvertreter Dieter Kuhli, der die Aussprache leitete, als derzeitigen Stand der Dinge klar. Aber genau das seien die Fragen, die jetzt an die Steuerungsgruppe zurückgegeben werden sollten. Denn das Bearbeiten der Machbarkeitsstudie sollte ja nach der ersten Entscheidung bei der Synode auf die Presbyterien, synodalen Arbeitsbereiche und Gremien noch zukommen: „Nicht jedes Wort ist festgeschrieben“, es werde eine zweite Fassung geben, die dann Grundlage sei. Die Stellungsnahmen sollen bis Ende Februar bei der Steuerungsgruppe ankommen, die die Studie daraufhin überarbeitet. In der zweiten März-Hälfte wird bei einer Synodalversammlung beider Kirchenkreise ausführlich darüber diskutiert. Die Synoden könnten im Juni 2021 Tendenzbeschlüsse zur Vereinigung der Kirchenkreise fassen, die zum Januar 2022 dann Realität werden könnte.

Der Rückershäuser Presbyter Burkard Rupprecht fragte ganz konkret für den Weg zu einer Vereinigung nach einer Sperrminorität bei einem solchen Beschluss. Woraufhin Stefan Berk deutlich machte: Gebe es nur eine Gegenstimme bei den synodalen Beschlussfassungen in den Kirchenkreisen Siegen und Wittgenstein, dann müsse die Landessynode der Evangelischen Kirche von Westfalen entscheiden. Was Kerstin Grünert zu einem Appell motivierte: „Die Zukunft unseres Kirchenkreises soll nicht in Bielefeld entschieden werden.“ Stefan Berk hatte allerdings vorher schon klar gemacht, dass die Entscheidung für das Zugehen auf eine Vereinigung der beiden Kirchenkreis ein „Konsens-Prozess“ sei: „Und wenn’s ein Jahr länger dauert, dann dauert’s ein Jahr länger.“

Nachdem kleinere Umformulierungs-Vorschläge für die vorgelegte Beschlussempfehlung gescheitert - einer deutlich, ein zweiter knapp - waren, wurde diese von den zu dieser Zeit anwesenden 46 abstimmungs-berechtigten Synodalen bei fünf Gegenstimmen und sechs Enthaltungen in einer öffentlichen Abstimmung angenommen: „Die Kreissynoden des Ev. Kirchenkreises Siegen und des Ev. Kirchenkreises Wittgenstein nehmen diese erste Fassung einer ‚Machbarkeitsstudie der Vereinigung der Kirchenkreise Siegen und Wittgenstein‘ mit Dank an alle Beteiligten zur Kenntnis. Sie stellen fest, dass unter den beschriebenen Voraussetzungen eine Vereinigung beider Kirchenkreise möglich und sinnvoll erscheint, um den kirchlichen Auftrag in gemeinsamer Verantwortung gut wahrzunehmen. Deshalb beschließen die Kreissynoden, ein Stellungnahmeverfahren bis zum Frühjahr 2021 durchzuführen, in dem alle Gemeinden, synodale Dienste/Einrichtungen und Gremien um Anmerkungen und Veränderungsvorschläge zum Entwurf der Studie gebeten werden. Die Kreissynode beauftragt die Steuerungsgruppe, dieses Stellungnahmeverfahren zu betreuen.“

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