Simone Conrad stellte sich vor

Birkelbacher Gemeinde- und Wittgensteiner Diakoniepfarrerin ist bis dato einzige Bewerberin um Superintendenten-Amt

Gut 30 Leute waren am Dienstagabend in der Evangelischen Kirche Erndtebrück. Aufgrund der derzeit gültigen Abstands- und Hygiene-Regeln war die Einladung zu der Veranstaltung nicht so öffentlich wie gewohnt im Wittgensteiner Kirchenkreis: Vor allem die Synodalen waren offiziell eingeladen worden, also diejenigen, die bei der Kreissynode am Mittwoch für ihre Arbeitsbereiche oder als Delegierte ihrer Kirchengemeinde abstimmen dürfen. Auch darüber, wer künftig den Kirchenkreis leiten soll, denn Stefan Berk hatte Ende des vergangenen Jahres in eben solch einer Kreissynode angekündigt, dass er nicht wieder als Superintendent zur Wahl stehen werde. Danach hatte sich der kreiskirchliche Nominierungsausschuss Gedanken gemacht, Gespräche geführt, Interessenten abgefragt. Am Ende stand nur noch ein Name auf der Liste, nämlich der von Simone Conrad. Und so nominierte der Ausschuss die Birkelbacher Gemeindepfarrerin und Wittgensteiner Diakoniepfarrerin für die Wahl zum Superintendenten, zur Superintendentin.

In Erndtebrück stellte sich die 57-Jährige jetzt vor und warf kurze Schlaglichter auf die Chancen und Perspektiven der evangelischen Kirche hier vor Ort in Wittgenstein und im Hochsauerland, auch die Evangelischen in Eslohe, Schmallenberg und Winterberg gehören in ihrer Diaspora-Situation zum Wittgensteiner Kirchenkreis. Seit 2003 ist die Mutter von zwei Kindern und Ehefrau vom Wingeshäuser Gemeindepfarrer Thomas Janetzki in Wittgenstein. Nach ihrem Start im Bezirk Schüllar/Wemlighausen der Berleburger Kirchengemeinde arbeitete sie ab 2006 mit einer halben Stelle als Gemeindepfarrerin der Birkelbacher Kirchengemeinde. Ab 2009 erteilte sie zudem Religionsunterricht, erst am Berleburger Johannes-Althusius-Gymnasium, dann an der Erndtebrücker Hauptschule. 2016 dann ein Wechsel, mit einer zweiten halben Stelle wurde sie Diakoniepfarrerin für den Wittgensteiner Kirchenkreis. Damit war ein weiterer Wechsel verbunden: War sie bis zu diesem Jahr die Vorsitzende des kreiskirchlichen Ausschusses für die Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien, folgte dann ihr Engagement im Leitungs-Team des Kirchenkreis-Ausschusses für Seelsorge und Beratung. Vergangenes Jahr begann sie zudem mit einer Ausbildung zur Gemeindeberaterin.

In ihrem Vortrag umriss Simone Conrad knapp ihre Sicht der Dinge und kam dabei auch auf das zweite Thema, das bei der Synode eine wichtige Rolle spielt: „Wir sind eben nicht nur wanderndes Gottesvolk, sondern auch verfasste Kirche und Institution öffentlichen Rechts. Und wir brauchen Effizienz in unseren Verwaltungs- und Arbeitsstrukturen, um Raum zu schaffen für Gottes guten Geist und die Belebung der inneren Kirche. Klare Strukturen und transparente Kommunikation verhindern ein Kreisen um sich selbst und eine Ermüdung der Menschen, die in Kirche arbeiten. Dabei ist es in Zeiten schwindender Mitgliederzahlen und weniger werdender Ressourcen - sowohl personell als auch finanziell - wichtig, in größeren Zusammenhängen zu denken und nicht nur auf sich selbst, sondern nach links und rechts zu schauen. Ein mögliches Zusammengehen mit dem Kirchenkreis Siegen kann uns in Wittgenstein hier sicherlich neue Perspektiven erschließen.“

Das Maß der Dinge ist dabei für die Pfarrerin klar: „In einer Zeit, in der Kirche in wachsendem Maße an Ressourcen und auch an Bedeutung für die Menschen verliert, ist es unsere Aufgabe, das Evangelium von Gottes Liebe glaubhaft zu bezeugen und weiterzugeben. Als Superintendentin möchte ich die Menschen in unserem Kirchenkreise bei den begonnenen Strukturprozessen begleiten, Unsicherheiten und Fragen wahr- und ernstnehmen und gemeinsam einen guten Weg in die Zukunft für unseren Kirchenkreis finden. ‚Wir achten aufeinander‘ - das möchte ich bewahren und leben in zukunftstragenden Strukturen und im Vertrauen auf Gottes Verheißungen.“

Die gesamten Ausführungen von Simone Conrad sind hier nachzulesen. Derzeit ist sie die einzige Kandidatin für das Amt, bis zur Synode können aber andere Pfarrerinnen oder Pfarrer, die die notwendigen Voraussetzungen erfüllen, von Synodalen vorgeschlagen werden. Die Wahl findet Mittwochnachmittag bei der Synode statt.

Vortrag von Pfarrerin Simone Conrad: zum Herunterladen