Eigentlich hätten wir gerade Gäste

Nach corona-bedingter Besuchs-Absage für diesen Sommer feierten amerikanische und deutsche Young Ambassadors Zoom-Gottesdienst

„Eigentlich“ - sehr viel häufiger als sonst fällt in diesen Monaten in vielen Gesprächen eben dieses Wort mit einem traurigen Unterton. Auch bei den Young Ambassadors. Denn eigentlich wären gerade die amerikanischen jungen Leute des Austauschs zwischen dem heimischen Kirchenkreis und der United Church of Christ der US-Bundesstaaten Indiana und Kentucky zu Gast in Deutschland. Und eigentlich wollten sich die jungen Leute aus den Kirchengemeinden Bad Berleburg, Banfetal, Birkelbach, Erndtebrück, Feudingen, Gleidorf, Raumland und Wingeshausen in Wittgenstein und Hochsauerland gerade als Gastgeber für ihren dreiwöchigen USA-Aufenthalt im Sommer 2019 bei ihren Altersgenossen revanchieren. Aber das SARS-CoV-2-Virus hat auch den Jungen Botschaftern - so die deutsche Übersetzung von Young Ambassadors - einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Anfang Mai hatten die fünf verantwortlichen Gruppenleiter, auf deutscher Seite der Girkhäuser Daniel Seyfried und die Elsofferin Laura Mengel, nach Einholen eines Stimmungsbildes bei den insgesamt 25 teilnehmenden Jugendlichen beschlossen, das Besuchsprogramm für 2020 auszusetzen und sich stattdessen im Sommer 2021 in Deutschland zu treffen. Sie hatten sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, auch weil viele Probleme absehbar waren. Sehr unterschiedliche Ferienzeiten nächstes Jahr und die Perspektive, dass sich dann möglicherweise noch mehr der jungen Leute für Ausbildung und Studium weiter von ihrer angestammten Heimat entfernt haben, machen die Pläne komplizierter als sie sowieso sind. Außerdem spüren alle Beteiligten, dass es schwierig ist, das gemeinsame Gruppen-Gefühl über solch einen langen Zeitraum ohne persönliche Begegnung zu bewahren. Das gilt schon für die nationalen Gruppen: In Amerika sind die Wege zwischen den Teilnehmenden noch mal weiter als im Wittgensteiner Kirchenkreis, wo die Eine in Hesselbach und der Andere in Gleidorf wohnt. Mal ganz abgesehen von dem, der zum Studieren bereits in Bochum ist. Aber wenn es dann darum geht, die Entfernung über den Atlantischen Ozean zu überbrücken, wird es noch komplizierter. Auch in Zeiten von Handy, sozialen Netzwerken und Zoom-Konferenzen.

Solch eine Zoom-Konferenzschaltung nutzten die jungen Leute und ihre Leiter am Sonntag für einen gemeinsamen Gottesdienst am Bildschirm. Und auch wenn Absprachen hakelig waren, die Technik wegen amerikanischer Gewitter wackelig und der Zeitzonen-Unterschied weiterhin groß, feierte man gemeinsam Gottesdienst. Das ehrgeizige Ziel Aller bleibt auch danach unumstößlich bestehen: Im Sommer 2021 soll das üblicherweise zweijährige Austauschprogramm trotz aller Widrigkeiten zu einem guten Ende geführt werden. Ganz ohne eigentlich.

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