An-Gedacht zum Wochenende

Die Westfalenpost hat seit Ostern 2009 die Serie „Angedacht“ in ihrem Wittgensteiner Lokalteil aufgenommen, bei der jeden Samstag Pfarrerinnen und Pfarrer zu Wort kommen. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion drucken wir die Gedanken dann ab Sonntag hier ab. Verantwortlich für den Inhalt sind immer die Verfasser.

Bei den Texten handelt es sich übrigens nicht um Predigten, sondern ganz einfach um kurze verschriftlichte Gedanken mit einem theologischen Anliegen. Sie können und wollen auch nicht die Gemeinschaft, die Musik und die Predigt eines richtigen Gottesdienstes ersetzen. Aber sie dürfen gern von allen Leserinnen und Lesern als Einladung verstanden werden, am nächsten Sonntag einen Gottesdienst in einer der Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein zu besuchen.

Wir freuen uns auch über Reaktionen auf das Angedacht. Klicken Sie auf das Foto des jeweiligen Andacht-Schreibers, dann können Sie dem Autor Ihre Gedanken in einer E-Mail mitteilen.

Pfr. Peter Liedtke

16. Juni 2019

Eingeladen zum Fest des Glaubens

von Flüchtlingspfarrer Peter Liedtke

Die Lage erscheint hoffnungslos: Die Anderen sind so viel mehr. Ihre Stärke ist offensichtlich. Sie sitzen am längeren Hebel. Sie verstehen es, auf der Klaviatur der Macht zu spielen. Ich kann nichts ausrichten. Ich habe wenig Einfluss, wenig Mitstreiter, keine Lobby. Solche und ähnliche Gedanken kenne ich von mir, höre ich auch von Anderen.

So empfand es wohl der König Hiskia angesichts eines riesigen feindlichen Heeres und eines Gegners, der ihn auch noch mit Worten niedermachte. So empfinden es Menschen guten Willens, die sich ehrenamtlich einsetzen und merken, wie wenig sich andere davon beeindrucken oder gar anstecken lassen. So empfinden es Journalistinnen und Juristen, Medizinerinnen und Altenpfleger, denen die Werte unseres Grundgesetzes etwas bedeuten, die aber immer wieder vergeblich anrennen gegen die allgegenwärtige Macht des Geldes. So empfinden es die ehemaligen Mitarbeitenden der Zentrale Unterbringungseinrichtung Bad Berleburg, die sich einsetzten für Schutzsuchende und jetzt Aufgabe und Arbeitsplatz verloren haben.

Wir heute Lebenden können lernen von König Hiskia. Er hatte getan, was er konnte. Er war am Ende seiner Möglichkeiten. Er hatte Angst, was kommt. Aber er gab nicht auf. Er vertraute - trotz seiner Angst - darauf, dass es ganz anders kommen kann. Denn mit Gott an der Seite ist viel möglich.

Dieses Vertrauen brauchen wir. Als bei der Auswahl der Kirchentagslosung die Älteren eher mahnende Worte im Sinn hatten, forderten die Jugenddelegierten ein mutmachendes Wort. Der Ernst der Lage ist, besonders den Jüngeren, sehr wohl bewusst. Nicht zufällig haben die „Fridays for Future“ so ein breites Echo gefunden. Was sie brauchen, ist nicht die Mahnung, sondern die Ermutigung.

Wir alle brauchen dies. Heute werden wir überschüttet mit erschreckenden Nachrichten und Bildern, real oder gefakt. Da brauchen wir eine Gegenkraft, die uns das Herausfordende aushalten lässt und uns Mut schenkt, das Richtige weiterhin zu tun.

Darum sind wir eingeladen zu einem Fest des Glaubens. In Dortmund treffen sich mehr als 100.000 Christinnen und Christen, um innezuhalten, um sich stärken zu lassen. Vor allem aber kommen sie, um ein Vertrauensfest zu feiern. Die Welt erscheint uns oft als ein Irrenhaus. Aber - mit Gottes Hilfe - werden am Ende Mitmenschlichkeit, Respekt vor der Schöpfung und innere Zufriedenheit den Sieg davontragen. Was für ein Vertrauen!

Lassen auch Sie sich einladen, innezuhalten, Kraft zu tanken und mitzufeiern. Kommen Sie zum Kirchentag nach Dortmund. Und sollten Sie selber mit der Bahn anreisen, dann fangen Sie doch nahe des Bahnhofs in der Kampstraße an, im Pavillon der guten Nachrichten.