An-Gedacht

Die Westfalenpost hat seit Ostern 2009 die Serie „An-Gedacht“ in ihrem Wittgensteiner Lokalteil, bei der jeden Samstag Pfarrerinnen und Pfarrer aus dem Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein zu Wort kommen. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion drucken wir die Gedanken dann ab Sonntag auch hier ab. Verantwortlich für den Inhalt sind immer die Verfasser.

Bei den Texten handelt es sich übrigens nicht um Predigten, sondern ganz einfach um kurze verschriftlichte Gedanken mit einem theologischen Impuls. Sie können nicht - und sie wollen auch nicht - die Gemeinschaft, die Musik und die Predigt eines richtigen Gottesdienstes ersetzen. Aber sie dürfen gern von allen Leserinnen und Lesern als Einladung verstanden werden, am nächsten Sonntag einen Gottesdienst in einer der Gemeinden des Kirchenkreises zu besuchen.

Pfr. Jaime Jung

10. Februar 2019

„Was hält mich, was trägt mich?“

von Pfr. Jaime Jung, Erndtebrück

Das Neujahr als Thema? Im Ernst jetzt, Mitte Februar? Mir ist klar, dass das neue Jahr 2019 schon einige Wochen alt ist. Ich weiß nicht, wie es Ihnen dabei geht, aber irgendwie ist das Jahr doch wieder mit Sorgen gestartet, jetzt zu Beginn stehen die zu bewältigenden Aufgaben wie ein Berg vor mir.

Gerade in diesen ersten Wochen kreisen mir Gedanken im Kopf: War nicht letztes Jahr alles besser, was wird die Zukunft bringen? Schaffe ich alles, was ich mir vorgenommen habe? Erwartungen und Ziele tauchen vor mir auf. Druck baut sich auf, den eigenen Erwartungen und den Erwartungen anderer zu genügen. Und ehe ich mich versehe, merke ich, wie meine Gedanken immer schneller zu kreisen beginnen. Man schaut zurück, nach vorne und ist doch gleichzeitig im Hier und Jetzt. Was hält mich, was trägt mich?

Gerade jetzt, am Anfang, ist es Zeit, innezuhalten. Mir gibt ein Bibelvers aus dem Hebräer-Brief Kraft und Ausblick: „Jesus Christus, gestern, heute und derselbe auch in Ewigkeit.“ Ein kurzer und doch allumfassender Vers, der mir sagt, dass ich bei all meinen Überlegungen eine feste Konstante habe, auf die ich mich verlassen darf. Jesus Christus geht mit durch alle Zeiten. Er geht mit auf dem Lebensweg, da wo Fragen und Sorgen uns begegnen, auf den sonnigen und erfreulichen Wegen aber auch auf den Zielgraden, die wir vor Augen haben. Und er wird uns nicht verlassen, er ändert nicht auf einmal seine Meinung, sondern bleibt auch derselbe in Ewigkeit.

Bei allem Trubel am Anfang eines (fast) neuen Jahres bekomme ich hier wieder Orientierung. Wenn ich darauf vertraue, dass Christus mich begleitet in meinem Leben, dann geht es sich doch gleich sicherer in die weitere Zukunft. Denn bei allen Fragen, Sorgen, Rückblicken und Ausblicken gibt er mir sicheren Halt. Denn bei ihm bin ich geborgen. Und das gilt uns jeden Tag: Ich kann immer wieder neu anfangen und Kraft für die anstehenden Aufgaben schöpfen. Kein Mensch ist allein.

Was uns entgegenkommen wird, steht in Gottes Händen - und das ist gut so. In allen Jahreszeiten unseres Lebens, seien wir jung oder alt, ist Gott bei und mit uns, als treuer Wegweiser und Begleiter. Er kennt unsere Freuden, unsere Wünsche, unsere Nöte und Sorgen.

Gott schenkt uns täglich die Möglichkeit, ein neues Leben anzufangen, - egal ob im Februar oder Juli oder Oktober - mit Ihm und mit unseren Mitmenschen. Genau aus diesem Grund können wir voller Zuversicht in die Zukunft schauen.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie immer wieder neu Vertrauen fassen und auch in den turbulenten Zeiten des Jahres wissen, dass Sie nicht allein auf ihrem Weg sind!


Pfr. Steffen Post

3. Februar 2019

„Wem vertraut ihr eigentlich im Leben?“

von Pfr. Steffen Post, Bad Laasphe

Seit wenigen Tagen ist einer der bekanntesten Posten im deutschen Fernsehen neu besetzt: Florian Silbereisen wird neuer Kapitän auf dem ZDF-Traumschiff. Das Echo auf diese Meldung ist durchaus geteilt, denn bisher kennen wir Florian Silbereisen eher als Sänger und Moderator und weniger als Schauspieler.

Eine, die sich eher kritisch zu dieser Besetzung geäußert hat, ist Heide Keller, die lange Chefhostess Beatrice spielte: „Mit dem Traumschiff-Kapitän verbindet man nicht einen fröhlichen Jungen, der mit guter Laune zur Musik auf der Bühne rumhüpft“, sagte sie. Der Kapitän sei kein netter Unterhalter. „Das ist ein Mann, dem man auch bei Sturm und Katastrophen sein Leben anvertraut“, so die Schauspielerin weiter.

Das finde ich eine beachtliche Aussage, weil darin ein Thema angesprochen wird, das ich nicht nur für die Besetzung einer Rolle in einem Fernsehfilm spannend finde, sondern auch mit Blick auf mein eigenes Leben: Welchem Kapitän vertraue ich mein Leben an? Wer hat das Sagen auf der Kommandobrücke meines Lebensschiffes?

Diese Frage klingt hier und da auch in Geschichten an, die die Bibel erzählt. Weil ein Teil der Jünger, die Jesus als seine Mannschaft ausgewählt hat, Fischer sind, erleben sie mit ihm auch das ein oder andere Abenteuer auf hoher See. Einmal ist Jesus mit seinen Jüngern auf dem See unterwegs und sie geraten in einen „großen Windwirbel“, wie es Luther übersetzt. Die Wellen schlagen ins Boot, so dass es zu sinken droht; aber von Jesus heißt es: „Und er war hinten im Boot und schlief auf einem Kissen.“ (Markus 4, 38). Was also tun? Selbst das Steuerruder in der Hand behalten? Augen zu und durch? Oder doch den schlafenden Jesus wecken und um Hilfe bitten? Die Jünger entscheiden sich schließlich für die zweite Möglichkeit und dürfen erleben, dass er den Wind beruhigt und sich die Wellen legen. „Was seid ihr so furchtsam? Habt ihr noch keinen Glauben?“, fragt Jesus danach seine Jünger. Mit anderen Worten: „Wem vertraut ihr eigentlich im Leben?“

Ich lerne aus dieser Geschichte Zweierlei:
1. Auch mit Jesus an Bord wird unser Lebensschiff nicht automatisch zum Traumschiff, das fortan nur noch auf azurblauem Wasser, unter strahlender Sonne und zu atemberaubenden Zielen unterwegs ist. Auch mit Jesus an Bord muss unser Lebensschiff ab und an durch die Wellen der Krankheit und der Traurigkeit hindurch; bläst uns der Wind des Zweifels und der Anfechtung entgegen.
Aber da wird mir dann auch das 2. wichtig: Dieser Jesus ist ein Mann, dem man auch bei Sturm und Katastrophen sein Leben anvertrauen kann. Er zeigt sich als zuverlässiger Kapitän, weil diese Stürme des Lebens und die Wellen des Todes auch um sein eigenes Leben getobt haben. Bei ihm ist das Ruder meines Lebensschiffes in guten Händen.


Pfrn. Silke van Doorn

27. Januar 2019

„Liebevollen Umgang pflegen“

von Schulreferentin Pfrn. Silke van Doorn, Bad Laasphe

Heute ist der 27. Januar - seit 1996 Gedenktag an die Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz. Solange hat es gedauert bis ein deutsches Staatsoberhaupt gesagt hat: Es ist Zeit, dass wir uns und unseren Kindern einmal im Jahr erzählen, was durch das Denken und Handeln von Deutschen an Millionen von Menschen - Juden, Sinti und Roma, politisch Andersdenkenden, Homosexuellen, Kranken - verübt wurde. Entrechtung, Entwürdigung. Mord. Denn was ein Konzentrationslager ist, wissen heute nicht einmal mehr 30 Prozent aller Menschen unter 25 Jahren.

Es ist kein Feiertag. Aber ein nachdenklicher Tag, an dem wir dem unendlichen Grauen nachgehen, das geschehen ist. Das unsere Großeltern und Eltern vielleicht sogar mitverantwortet haben. Wenn es so wäre, dann ist es kein Grund, den Stab über sie zu brechen. Wie viele Kinder und Jugendliche sind verführt worden, ihre Gehirne gewaschen worden. Ohne unser Nachdenken darüber, dass genau diese Erziehung das Unrecht schon in sich trug und Generationen danach mit diesem falsch eingeimpften Wissen beeinflusst hat, kann es wieder geschehen.

Unser Fühlen, Denken und Handeln heute ist bestimmt von diesem „Nie wieder“: Kein (Fremden)Hass, sondern Völkerverständigung. Kein Nationalismus, sondern Liebe zur Welt und all ihren Menschen. Das ist das Erbe, die Botschaft, die uns durch die Bibel immer wieder eingeschärft wird: „Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben, und sie werden hinfort nicht mehr lernen, Krieg zu führen.“ (Micha 4, 3). Und „Suchet den Frieden und jaget ihm nach“.

„Suchet den Frieden“: In Bad Laasphe wird das Haus in der Mauerstraße 44, in dem bis 1938 die Synagoge war - Lern- und Bethaus der jüdischen Gemeinde - zurückverwandelt. Leider wird es keine Synagoge mehr, denn es gibt keine jüdische Gemeinde mehr in Wittgenstein. Aber es wird ein Ort des lebendigen Gedenkens und Erinnerns werden: Menschen werden sich treffen, um Orientierung für die Zukunft zu schaffen. Menschen werden sich treffen, um zu lernen, zu lachen, einander kennen zu lernen - dem Unvertrauten begegnen, damit niemand sagen kann: Der Islam gehört nicht zu Deutschland, das Judentum hat hier keinen Platz. Die Reihe ist beliebig fortzuführen.

Um gut und friedlich und auskömmlich hier zu leben - in Wittgenstein, in Deutschland, in Europa, auf dieser Erde - haben wir viele Aufgaben und Anstrengungen vor uns.

Denken wir gemeinsam, wie wir es tun: Das Hassen unterlassen, den liebevollen Umgang miteinander pflegen. Dafür ist nicht nur heute Zeit, aber immer am 27. Januar.

Aufs Leben.


Pfr. Joachim G. Cierpka

20. Januar 2019

„Einträchtig beieinander wohnen“

von Pfr. Joachim G. Cierpka, Bad Laasphe

Der Frieden ist so flüchtig wie die Vernunft auch. Meist entschwinden sie Hand in Hand, wenn wir uns nicht für sie einsetzen, denn von allein bleiben sie nicht. Sie sind keine Selbstverständlichkeiten, auch wenn die meisten von uns ihr Leben durchgängig in Friedenszeiten gestalten konnten und können.

Allerdings scheint es mehr und mehr, dass das Bewusstsein für die Notwendigkeit aktiven vernünftigen und nicht spalterischen Handelns verloren geht. Ich bin an den Beginn von Brechts ‚Mutter Courage‘ erinnert, wo der Feldwebel lamentiert: „Man merkt’s, hier ist zu lang kein Krieg gewesen. Wo soll da Moral herkommen, frag ich? Frieden, das ist nur Schlamperei, erst der Krieg schafft Ordnung. Die Menschheit schießt ins Kraut im Frieden. Mit Mensch und Vieh wird herumgesaut, als wärs gar nix.“

Nicht erst in diesem Tagen steht das europäische Projekt, das uns über 70 Jahre Frieden in Europa beschert hat, auf der Kippe. Das Brexit-Desaster im Vereinigten Königreich zeigt das ebenso deutlich wie die Ergebnisse des AfD-Parteitags. Risse gehen allenthalben durch unsere Gesellschaft; in unversöhnlich strittigen Positionen und teils gewaltsam ausgetragen, wie die Gelbwestenproteste in Frankreich oder die Separationsbewegung in Katalonien zeigen.

Die vom Schauspieler Curt Goetz beklagte ‚Mikrobe der menschlichen Dummheit‘ gedeiht besonders gut auf dem Boden von Wohlstand und Egoismus, und sie leidet derzeit weiß Gott keinen Hunger.

Nach dem Motto: ‚Wenn jeder für sich sorgt, ist für alle gesorgt‘ droht der gesellschaftliche Grundkonsens in unserer Gesellschaft, in Europa und darüber hinaus verloren zu gehen. ‚Ich zuerst‘ gilt nicht nur im Weißen Haus als Maxime.

Robert Schuman, einer der Gründungsväter der Europäischen Union hatte aus den zwei Weltkriegen den Schluss gezogen, dass nur Solidarität, gemeinsames Handeln und ungefähr vergleichbare soziale und wirtschaftliche Verhältnisse auf Dauer den Frieden bewahren. Nationalismus führt dagegen unweigerlich zum Gegeneinander und hat Europa schon mehr als zweimal in die Katastrophe geführt.

Die Lehre des Miteinanders als Grundlage von Frieden und Wohlstand ist, obgleich sie augenscheinlich von vielen Zeitgenossen als paradoxer Unsinn betrachtet wird, alte Menschheitserkenntnis und auch in der Bibel verankert. Im Psalm 133 formuliert der Staatsmann David, König in Israel, als Maxime:
Siehe, wie fein und lieblich ist es, wenn Geschwister einträchtig beieinander wohnen. Denn dort verheißt der Herr den Segen und Leben bis in Ewigkeit.
Vielleicht gelingt es uns, dies nach den Erschütterungen dieser Tage neu zu verstehen. Es ist nötig.

Ein in diesem Sinne verbindendes, schönes Wochenende.


Pfrn. Kerstin Grünert

13. Januar 2019

Das eigene Tun hat immer Folgen

von Pfrn. Kerstin Grünert, Erndtebrück

Pippi Langstrumpf, Opa Otto und Paul Schockemöhle. Diese Namen hab‘ ich damals genannt, als ich in der Schule mal nach meinen Vorbildern gefragt wurde. Eine Zeit lang wollte ich auch mal sein wie Sissi, aber das hat keinen weiteren Einfluss auf mich gehabt. Mal abgesehen vom Dirndl vielleicht. Ich weiß noch, dass ich gefragt wurde: Warum gerade die? Naja, ich wollte alles können können, so wie Pippi, so gut springen wie Schockemöhle, und meinen Opa hatte ich genannt, weil der gerade gestorben war. Aber auch von ihm habe ich mir einiges abgeguckt, etwa dass man alles schaffen kann, wenn man bereit ist, viel dafür zu arbeiten.

Wenn ich heute sagen sollte, wer meine Vorbilder sind, dann wüsste ich gar keine Antwort. An einem Punkt, an dem ich sagen kann, dass ich ja auch schon durchaus etwas erreicht habe und inzwischen auf einmal mitten im Leben stehe, da denke ich lieber über Vorreiterinnen nach. Menschen, die in einer früheren Zeit viel geleistet haben und uns als jüngerer Generation so manchen Weg geebnet haben. Denen ich dankbar bin, dass ich es leichter hab‘, oder die ich für ihre Arbeit und ihren Werdegang bewundere.

Dieses Angedacht schreibe ich als die jüngste Pfarrerin im Kirchenkreis. Gott sei Dank überhaupt kein Problem. Auch wenn noch nicht alles Ungerechtigkeiten in der Frauen- und Männerarbeitswelt aus dem Weg geschafft sind, kann ich aus meiner Sicht nur zufrieden sein, mit dem was mir in meinem Beruf, mit meiner Berufung begegnet. Gott sei Dank, denn ich hatte viele Vorreiterinnen, die Steine aus dem Weg geräumt, Konventionen verändert und gegen Engstirnigkeiten gekämpft haben. Ich finde es ganz großartig, dass es in Wittgenstein überhaupt kein Thema ist, GemeindepfarrerIN zu sein.

Wie mag es da wohl meiner verstorbenen Kollegin Ruth Salinga gegangen sein? Erste Pfarrerin im Kirchenkreis, nachdem sie den Beruf auf dem zweiten Bildungsweg in Angriff genommen hat. Ich bewundere diese Energie und den Ehrgeiz. Frauen wie sie haben für mich den Anfang gemacht und so manchen Weg geebnet. Wenn ich darüber nachdenke, dann komme ich auch immer wieder darauf, wie wichtig es ist, dass jeder seine generationsübergreifende Verantwortung in den Blick nimmt. Deswegen kann man ja immer noch sein Zeug machen, aber hin und wieder eben auch die, die schon vorher waren und noch da sind, und die, die noch kommen, mitbedenken. Wie ich lebe, wie ich mich gebe, wie ich rede, wie ich handle, das alles hat Folgen.

Und weil Vorreiterinnen und Vorreiter immer gebraucht werden, ist es so wichtig, flexibel mit den Steinen, Engstirnigkeiten und Konventionen umzugehen. Schließlich ist die Angelegenheit mit Gott auch ein weites Feld. Da passen Steine und Grenzen gar nicht so richtig rein.


Pfrn. Christine Liedtke

6. Januar 2019

„Frieden finden und erhaschen"

von Pfarrerin Christine Liedtke, Girkhausen

Das begonnene Jahr ist wirklich noch sehr jung, gerade einmal wenige Tage alt. Und doch haben wir uns schon ziemlich eingerichtet in ihm. Vieles läuft ja weiter. Alte Sorgen haben wir mitgenommen, alte Verstrickungen bleiben. Die Jahreszahl, die ist neu. Ein paar Erwartungen haben wir. Und sonst?

Neu ist die Jahreslosung, die uns mitgegeben wird für das Jahr 2019. Jahreslosungen, also Bibelworte, die über einem ganzen Jahr stehen, gibt es seit 1930, als der württembergische Pfarrer und Liederdichter Otto Riethmüller den Parolen der Nationalsozialisten bewusst ein Bibelwort entgegenstellte - damals ein hochpolitischer Akt. Die erste Jahreslosung 1930 lautete: „Ich schäme mich des Evangeliums von Jesus Christus nicht“, aus dem Römerbrief des Paulus. Seitdem stand jedes Jahr unter einer neuen Jahreslosung.
Die Jahreslosung für 2019 lautet: „Suche Frieden und jage ihm nach.“ (Psalm 34, Vers 15)

Suche und jage - wir sind fast an Kinderspiele erinnert, in denen es ums Verstecken und Nachlaufen geht. Lässt sich der Frieden erhaschen, so wie ein Schmetterling vielleicht? Ist er flüchtig, so dass ich ihm nachstellen muss? Ist er nie ganz da, sondern immer nur vorläufig vorhanden? Muss ich ihn suchen, damit er zutage tritt? Wie gelingt der Friede? Die Verse im Umfeld der Jahreslosung geben einen Hinweis: Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden. Lass ab vom Bösen und tu Gutes; suche Frieden und jage ihm nach! (Psalm 34, 14 und 15)

Das heißt für uns heute: Zunge und Lippen im Zaum halten, damit sie nicht Fake-News verbreiten, es bedeutet, üble Nachrede zu vermeiden, aber auch: bösem Gerede ins Wort zu fallen und üblen Hasstiraden kein Ohr zu leihen. Den Frieden suchen kann heißen, unter zerstrittenen Kollegen den ersten Schritt zur Versöhnung zu gehen, in der verstummten Familie nach jahrelangem Schweigen den ersten vorsichtigen Kontakt zu knüpfen. Frieden ist nicht einfach da. Er braucht vollen Einsatz. Wir wissen es doch, dass der Friede auf dem Spiel steht, wenn wir nicht nachgeben, verzeihen, einmal den Kürzeren ziehen oder ein Wagnis eingehen können. Frieden ist nicht selbstverständlich.

Auf der Jugendseite „Mediacampus“ der Westfalenpost konnten wir lesen, dass eine Wunsch-Schlagzeile der jungen Menschen für das neue Jahr ist: „74 Jahre keinen Krieg - das ist fantastisch!“ Ja, Frieden ist ein großartiges Geschenk, er ist zerbrechlich, wie uns Kämpfe, kriegerische Auseinandersetzungen und Krisen immer wieder deutlich machen, er ist kostbar und er braucht unser Mit-Tun. Darum sind in der Jahreslosung gleich zwei Verben mit ihm verbunden: suchen und jagen. Lassen Sie uns den Frieden finden und erhaschen, immer wieder neu!