Malaysia: Steht auf für Gerechtigkeit

Malaysia ist in vielerlei Hinsicht besonders: Es besteht aus zwei Landesteilen, einem Westteil mit der Hauptstadt Kuala Lumpur und einem Ostteil, der 500 Kilometer davon entfernt auf der Insel Borneo liegt.

Besonders ist auch die buntgemischte Bevölkerung des Landes, das mit knapp 330000 Quadratkilometern etwas kleiner als Deutschland ist. Unter den rund 28 Mio. Einwohnern gehören knapp über die Hälfte der malayischen Bevölkerungsgruppe an, ein Viertel der chinesischen und rund acht Prozent der südasiatischen. Eine große Gruppe stellen zudem die indigenen Völker mit elf Prozent. Besonders ist auch die multireligiöse Situation Malaysias.

Staatsreligion ist der Islam, zu dem sich rund 60 Prozent der Bevölkerung bekennen, über 19 Prozent sind buddhistisch, gut 6 Prozent hinduistisch und mehr als 9 Prozent christlich. Das Christentum kam mit der Kolonisierung nach Malaysia. Wirtschaftlich kann Malaysia eindrucksvolle Erfolge vorweisen, die jedoch häufig zu Lasten der Natur gehen, wenn etwa der Regenwald zerstört wird, oder zu Lasten bestimmter Bevölkerungsgruppen, wie etwa der Indigenen oder der Migranten. Die Zahl der Arbeitsemigranten wird in Malaysia auf 3 Mio. geschätzt, etwa 1 Mio. davon sollen Flüchtlinge und Menschen ohne gültige Papiere sein. Das Land gehört zu den 15 bedeutendsten Handelsnationen. Seit Beginn der 1990er-Jahre erfolgte laut Wikipedia eine rasante industrielle Entwicklung, die das Land in die Reihe der aufstrebenden Schwellenländer aufrücken ließ. Malaysia gilt ökonomisch und politisch als eines der stabilsten Länder Südostasiens, in dem die Vereinbarkeit von Tradition und Moderne, Islam und Kapitalismus engagiert versucht wird.

Das Land ist eine föderale, konstitutionelle Monarchie. Seit der Unabhängigkeit 1957 und der Gründung der Föderation Malaysia 1963 wird das Regierungsbündnis von der Partei „United Malay National Organisation“ angeführt. Sie repräsentiert die malayische Bevölkerungsgruppe, die nach der Verfassung muslimisch ist. Bei allen zivilrechtlichen Fragen von Erbangelegenheiten bis zu Scheidungs- und Sorgerechts-Fragen sind für muslimische Malaysier Scharia-Gerichte zuständig, an denen auch Richterinnen tätig sind. Dies führt etwa bei religions-verschiedenen Ehen immer wieder zu Konflikten. Die Ursachen von Konflikten zwischen verschiedenen Bevölkerungsgruppen liegen in ungerechten sozialen, politischen und wirtschaftlichen Bedingungen. Fundamentalistische Gruppierungen und die Regierung brechen bestehende Spannungen auf ethnische Unterschiede herunter und schüren damit auch Konflikte zwischen den Religionen, wie es das spannende Weltgebetstag-Begleitheft sehr anschaulich zusammenfasst.