Mit der Bibel an der Bobbahn

  • Klaus Latsch, Pfarrer Matthias Gleibe, Alina Saßmannshausen; Stephanie Schneider, Dean Grube und Thomas Lindner (von links) übernahmen die erste Schicht im Zelt der Kirchen bei der Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft in Winterberg.
  • Auch in der katholischen Pfarrkirche St. Jakobus konnte man sich auf die Jugendlichen verlassen, die den Eröffnungs-Gottesdienst zur Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft musikalisch sehr schön gestalteten.
  • Nach dem Eröffnungs-Gottesdienst für die Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft in Winterberg wurde vor der katholischen Pfarrkirche St. Jakobus mit dem Friedenslicht eine Weltmeisterschafts-Kerze entzündet.
  • Oliver Jokisch von SRS (Dritter von links) kam bei den Trainigsläufen ganz leicht mit Sportlern, wie hier mit australischen Skeleton-Fahrern, ins Gespräch.
  • Die Jugendarbeit-Version des Wittgensteiner Kirchenkreis-Logos war überall bei der Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft in Winterberg zu sehen, auch beim Schießen am Biathlon-Simulator.
  • Der Biathlon-Simulator ließ immer wieder Menschen am Zelt der Kirchen bei der Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft in Winterberg stehenbleiben.
  • Die Wintersport-Bibel war einer der Preise, die man beim Biathlon-Simulator am Zelt der Kirchen bei der Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft in Winterberg erzielen konnte.
  • Mit der Band „Overline“ in der Evangelischen Kirche Winterberg erlebten die Besucher - darunter viele Wittgensteiner - ein mitreißendes Konzert.

„Bevor mein Leben mit Gott begann, war ich ausschließlich auf der Suche nach Glück und materiellen Dingen. Meine Identität suchte ich in meiner Karriere und meinen Erfolgen. Das führte dazu, dass ich mich als wertlos und unwichtig empfand, wann immer ich versagte. Deshalb investierte ich meine ganze Energie darin, möglichst viele Erfolge feiern zu können, um Menschen zu beeindrucken und um mich selbst zu überzeugen, dass ich etwas wert bin. Über Jahre versuchte ich, als Athlet mit allen Mitteln mein Leben und meine Karriere zu beherrschen und zu kontrollieren.“ Das sagt die Amerikanerin Elana Meyers, festgehalten ist es in der Wintersport-Bibel, die es jetzt bei der der Bob- und Skeleton- Weltmeisterschaft in Winterberg gab.

Im WM-Rahmenprogramm hielten nämlich die Kirchen ein breites Angebot bereit. Gemacht wurde das vom Katholischen Pastoralverbund Winterberg und der örtlichen Evangelischen Kirchengemeinde, die zum Kirchenkreis Wittgenstein gehört und deshalb von der Kirchenkreis-Jugendarbeit unterstützt wurde. Ihr Pädagogischer Leiter, Thomas Lindner, hatte zudem bei der Vorbereitung Kontakt zur christlichen Sportorganisation „SRS“ hergestellt. Auch die Winterberg Touristik und Wirtschaft GmbH sowie die Bobbahn Winterberg Hochsauerland waren an der Aktion beteiligt. Die Motivation war klar: „Als Kontrapunkt zum Trubel auf der Bobbahn und in der Stadt schaffen die christlichen Kirchen in Winterberg Orte der Ruhe, inneren Einkehr und Meditation. Menschen aller Nationen begegnen sich dort - und stehen aus aktuellem Anlass ‚Hand in Hand für den Frieden‘ ein.“

Gemeinsam wurde ein Programm auf die Beine gestellt, das auf unterschiedlichen Angeboten fußte. Während der zwei Wochen von Trainings- und Wettbewerbsläufen stand ein Zelt direkt an der Bobbahn, das mit katholischen und evangelischen Gesprächspartnern, mit Kopfhörern und mit einem flackernden Friedenslicht aus Bethlehem im Getümmel sowohl besinnliche Angebote des Zur-Ruhe-Kommens als auch Gelegenheiten zum Gespräch für alle Interessierten schuf. Jeder der Tage begann im Neuastenberger Dorint und im Winterberger Hapimag Resort mit Andachten für Sportler, Betreuer, Journalisten und alle anderen Gäste, übernommen wurden diese von den SRS-Mitarbeiter, von Thomas Lindner, aber auch von Superintendent Stefan Berk, dem Leitenden Theologen des Wittgensteiner Kirchenkreises. Darüber hinaus gab es besondere Gottesdienste und Heilige Messen sowie Konzerte in der katholischen Pfarrkirche St. Jakobus und in der örtlichen evangelischen Kirche.

Während der Wertungsrennen war die Geschichte ohne Akkreditierung schwieriger, aber während der Trainingsläufe gab es im Start-Bereich viele Möglichkeiten zur Kontaktaufnahme der SRS-Leute mit den Sportlern. Sportmentor Dean Grube kam ins Gespräch mit Elana Meyers, die schwere Zeiten hinter sich bringen musste, die Sportlerin wurde magersüchtig. Eine psychologische Behandlung half, aber war nicht genug, sie wendete sich dem Glauben zu. „In diesem Moment wusste ich plötzlich, dass ich nicht immer versuchen muss, mein Leben zu kontrollieren, sondern dass Gott selber mein Leben unter Kontrolle hat. Es war der Moment, als meine Beziehung zu Jesus Christus begann. Eine riesige Last fiel von meinen Schultern - Gott selbst hat sie mir begonnen. Uns so rapide ich in die Magersucht geschlittert war, so plötzlich wurde ich davon geheilt und frei.“ So berichtet sie weiter in der in der Wintersport-Bibel. Neben dem Neuen Testament und dem Buch der Sprüche sind in dem 600-Seiten-Werk zahlreiche Lebensbereiche internationaler Spitzensportler versammelt. Die Wintersport-Bibel konnte man an einem Büchertisch von SRS kaufen - oder man konnte sie sich als Preis aussuchen, wenn man bei der Biathlon-Simulation neben dem Zelt der Kirchen vier von fünf Schüssen mit dem Laser-Gewehr ins Schwarze setzte. Diese Spielerei aus einem großen Fundus der guten Ideen von SRS war in der zweiten Woche der Ansatz für viele Gespräche mit Besuchern.

Schade fand es Thomas Lindner, dass die Morgen-Andachten in den Hotels indes kaum angenommen wurden, doch auch hier gab es wichtigen Kontakt. Etwa ins Umfeld der russischen Mannschaft, die in Winterberg mit dem völlig unerwarteten Tod eines 51-jährigen Trainers konfrontiert war. SRS-Mann Oliver Jokisch unterstrich, es sei einfach ein gutes Zeichen, dass man die Offerte gemacht habe. Ähnlich die generelle Einschätzung von Wittgensteins Superintendent Berk: „Es ist genau richtig, dass Kirche bei so einem Ereignis präsent ist und Angebote macht.“ Auch Winterbergs evangelischem Pfarrer Matthias Gleibe begegnete desöfteren die Haltung „Das finden wir toll“ in Bezug auf das kirchliche WM-Engagement. Die Präsenz sei positiv wahrgenommen worden, auch von ihm selbst. Nicht anders die Einschätzung von Vikar Klaus Engel vom Pastoralverbund Winterberg . Er erinnerte an die Bibelkekse, mit denen man auf die Menschen zugegangen sei: „Kirche muss zu den Leuten gehen.“ Bei der Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft machten sich die Kirchen auf den Weg.

Das Bild eines Wegs zeichnet auch Elana Meyers-Taylor: „Seitdem bin ich nun mit Jesus auf dem Weg. Ich kämpfe nach wie vor mit Versuchungen und habe Kämpfe auszustehen. Aber ich bin nicht mehr allein – ER ist bei mir. Im Sport habe ich es nun bis zu den Olympischen Spielen geschafft, worauf ich sehr stolz bin. Und doch weiß ich, von wem es kommt und möchte darum Gott die Ehre dafür geben.“ So endet in der Wintersport-Bibel der Lebensbericht von Elana Meyers-Taylor, die bei den Olympischen Spielen in Sotschi eine Silbermedaille gewann. In Winterberg lief es jetzt noch besser. Hier holte sie ihre erste Weltmeisterschafts-Goldmedaille im Zweierbob der Frauen.

Hier gibt es mehr Fotos von den zwei Wochen.