• Delegation aus Wittgenstein zu Gast in Ngerengere

    • Auch mit dem kommissarischen deutschen Botschafter in Tansania, Dr. Hans Koeppel (Mitte), traf die Delegation des Wittgensteiner Kirchenkreises zusammen. In Afrika waren die Pfarrer Oliver Lehnsdorf, Christine Liedtke, Claudia Latzel-Binder und Martin Ahlhaus (von links).
    • Viele der Tansanier waren schon im Kirchenkreis Wittgenstein: Zuletzt Pfarrer William Mitimingi (Dritter von links) und Superintendent Christian Seseme (Zweiter von rechts) vor zwei Jahren und Bischof Jacob Mameo (Vierter von rechts) erst in 2013.
    • Die deutsche Delegation aus dem Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein besuchte zahlreiche Gemeinden im Partnerkirchenkreis Ngerengere in Tansania.
    • Männer, die aufwaschen - da konnten die Frauen in Tansania nur ungläubig staunen und laut lachen.
    • Die Schulstipendiaten des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein bekamen zwei Frisbee-Scheiben: eine bereits von deutschen Schülern gestaltete zum Behalten und eine zum Selbst-Bemalen, die dann für Schüler bei uns mit nach Deutschland genommen wurde.
    • Neue Projekte möchte der Evangelische Kirchenkreis Wittgenstein künftig im Partnerkirchenkreis Ngerengere anstoßen: Claudia Latzel-Binder ging schon mal mit einer Ziegen-Zucht auf Tuchfühlung.
    • Die Apotheke, die mit Spenden aus dem Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein in Ngerengere gebaut wurde, wird nicht mehr von den tansanischen Partnern betrieben, sie haben die Pharmazie inzwischen vermietet.
    • Genau einen Sonntag verbrachte die Wittgensteiner Kirchenkreis-Delegation in Tansania: An diesem Tag wurde in Lulongwe, das auch zum Partnerkirchenkreis Ngerengere gehört, eine neugebaute Kirche eingeweiht.
    • Genau einen Sonntag verbrachte die Wittgensteiner Kirchenkreis-Delegation in Tansania: An diesem Tag wurde in Lulongwe, das auch zum Partnerkirchenkreis Ngerengere gehört, eine neugebaute Kirche eingeweiht.
    • Genau einen Sonntag verbrachte die Wittgensteiner Kirchenkreis-Delegation in Tansania: An diesem Tag wurde in Lulongwe, das auch zum Partnerkirchenkreis Ngerengere gehört, eine neugebaute Kirche eingeweiht.
    • Auch wenn die Christen nach neuesten Erhebungen wohl eine deutlich Mehrheit in Tansania sind, so gibt es doch auch viele Muslime. Die Muslima auf dem Foto war froh, dass Christine Liedtke (links) und Claudia Latzel-Binder genau wie sie den Frieden als ein ganz hohes Gut ansahen.

    „Für uns war’s heiß, für unsere Partner war’s kalt“ - ein einfacher Satz vom Oberndorfer Gemeindepfarrer Oliver Lehnsdorf über die Temperatur von knapp 30 Grad, die er jetzt in Tansania erlebte. Dieser Satz illustrierte eine wichtige Grunderfahrung: Dinge werden nicht nur unterschiedlich bewertet, sondern von vornherein sogar unterschiedlich wahrgenommen. Genau deshalb sind nicht nur kontinuierliche E-Mail-Kontakte zwischen den Partnerkirchenkreisen Wittgenstein und Ngerengere wichtig, sondern auch die regelmäßigen Besuche. Diesmal gehörten zu der Delegation für den Kirchenkreis auch noch die Berleburger Pfarrerin Claudia Latzel-Binder, Pfarrerin Christine Liedtke als Inhaberin der kreiskirchlichen Schulpfarrstelle in Schmallenberg und Pfarrer Martin Ahlhaus, der für Wittgenstein zuständige Regionalpfarrer des Amtes für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung bei der Evangelischen Kirche von Westfalen.

    Verbunden mit dem Besuch jetzt waren zahllose Begegnungen mit unterschiedlichsten Menschen, mal ziemlich offiziell, mal ganz entspannt. Die vierköpfige Delegation war beständig unterwegs, in einem fort gab es Gespräche. Mit dem kommissarischen deutschen Botschafter in Tansania, Dr. Hans Koeppel, mit den Projektleitern Khalid Mlanga und Amon Petro bei der Friedrich-Ebert-Stiftung in Tansania, mit Pfarrer Chediel Sendoro, Leiter des afrikanischen Regionalbüros der Vereinten Evangelischen Mission, mit Jacob Mameo, der als Bischof der Diözese Morogoro der Evangelisch-Lutherischen Kirche von Tansania (ELCT) auch für die Christen in Ngerengere zuständig ist und im vergangenen Jahr Wittgenstein besucht hatte.

    Claudia Latzel-Binder lobte gerade diese Gespräche auf übergeordneter Ebene als wichtig, weil sie geholfen hätten, die Partnerschaft in einem größeren Rahmen nochmal ganz anders zu begreifen. Dabei sei ihr klar geworden, welch eine wichtige Rolle das stabile und sichere Tansania – trotz aller bestehenden Probleme von Aids bis Korruption - als Anker des Friedens in der Region spiele. Wie unglaublich schön das Land sei, habe sie dann noch mal deutlich bei ihrem Urlaub wahrgenommen, den sie an den offiziellen Besuch privat angehängt habe. Die Schönheiten der Landschaften zeigten die Partner den Wittgensteinern auch ganz direkt bei einem Aufenthalt im Mikumi Nationalpark. Aus der Nähe sahen die Besucher, die höchstens mal Wisente gewöhnt sind, unter anderem Elefanten, Flusspferde und Giraffen in der freien Wildbahn. Deutlich war bei den Gästen das Gefühl, dass die Gastgeber ihren Besuchern etwas zurückgeben wollten für die finanzielle und ideelle Unterstützung, die der Evangelische Kirchenkreis Wittgenstein seit Jahren gern zur Verfügung stellt.

    Zwei wichtige Grundfesten dieser Hilfe sind die Leistungen aus dem Hungerfonds und die Schulstipendien, ihr Fortbestand sei unumstritten, so Oliver Lehnsdorf. Das Geld aus dem Hungerfonds hilft im Augenblick der konkreten Notsituation bei Ernteausfällen ganz direkt. Deren Zahl steigt aufgrund von Klimaveränderungen, durch die sich die Menschen nicht mehr auf den gewohnten Wechsel von Trocken- und Regenzeit verlassen können. Gleich nach der Rückkehr aus Afrika wurden erneut 1000 Euro aus dem Fonds nach Ngerengere überwiesen. Währenddessen sind Schulstipendien eine kluge Investition in die Zukunft des aufstrebenden Landes.

    13 der 15 Stipendiaten hatten sich aus dem gesamten Gebiet Ngerengere auf die weiten Wege gemacht, um die Wittgensteiner zu treffen. Denn in allen Ecken des Kirchenkreises werden Jugendliche zwischen zwölf und 19 Jahren unterstützt. Auch wenn zwei Jungens da waren, so bestand die Gruppe doch vornehmlich aus Mädchen. Das ist den Wittgensteinern wichtig, gerade Mädchen in dieser sehr traditionellen Gesellschaft zu fördern. Patenschaften haben einige Privatpersonen aus dem gesamten Kirchenkreis übernommen, aber auch der Berleburger Kindergarten „Senfkorn“ und das Raumländer Frauenfrühstück.

    Die Deutschen brachten den Jugendlichen Frisbee-Scheiben mit: die einen von deutschen Schülern bemalt, die anderen weiß, damit die Wittgensteiner Stipendiaten sie selbst mi Eddings gestalten konnten. Ohne genaue Aufgabenstellung waren die Jugendlichen verunsichert, was sie jetzt malen sollten oder durften. Simon Mtinge war schon 19 Jahre alt, auf der High School Tanga sind seine Fächer Physik, Chemie und Mathematik. Da man bei diesen Voraussetzungen eher nicht malt, schrieb er zwei Dinge auf seinen Frisbee: „The great thing is to get education“ und „Be blessed those who support us“. Zu Deutsch: Es ist großartig, Bildung zu bekommen. Und: Gesegnet seien unsere Unterstützer.

    Ein wunderbarer Segenswunsch aus dem Munde eines 19-Jährigen, der das Glück hatte, dass im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein jemand eine Schulpatenschaft in Höhe von 11 Euro im Monat für ihn übernommen hatte. Eine bewegende Begegnung, auch wenn Christine Liedtke die Schüler nach vier Stunden Warten - die afrikanischen Zeitpläne hatten sich mal wieder massiv verschoben - zunächst nicht nur müde und abgespannt, sondern auch schüchtern und ängstlich vorkamen. Vielleicht wegen der weißen Besucher, vielleicht wegen Christian Seseme, als Superintendent des Kirchenkreises Ngerengere eine absolute Respektsperson.

    Christian Seseme, der zuletzt 2012 den Wittgensteiner Kirchenkreis besucht hatte, ist mittlerweile 66 Jahre alt und nur noch bis nächstes Jahr Superintendent, dann kommt ein Nachfolger ins Amt. Auch deshalb wurde diesmal noch nicht über neue Projekte entschieden, die der Wittgensteiner Kirchenkreis künftig unterstützen wird. Aber die Besucher schauten schon mal viele Dinge an: Von Anpflanz-Aktionen bis zur Ziegen-Zucht reichten die Überlegungen. Ein Thema hat definitiv als Projekt ausgedient: die Apotheke. Mit Hilfe von Spenden hatte der heimische Kirchenkreis dafür gesorgt, dass vor fünf Jahren in Ngerengere die erste Apotheke aufmachte, die Medikamente vorhielt, die sich die ganz normalen Menschen vor Ort auch leisten konnten. Inzwischen gibt es einige Apotheken, die Partner betreiben die Apotheke, die mit Geld aus Wittgenstein und Sauerland gebaut wurde, mittlerweile nicht mehr selbst, sondern haben sie vermietet. Für Claudia Latzel-Binder eine gute Infrastruktur-Entwicklung, die durch das Wittgensteiner Engagement angestoßen wurde.

    Im Kirchenkreis Ngerengere leben Pi mal Daumen 8000 Christen, die sich zur ELCT bekennen. Von den vier Pfarrern, die hier arbeiten, werde genau die Hälfte noch als Pfarrer bezahlt, die beiden anderen seien bereits im Ruhestand, umreißt Oliver Lehnsdorf die Situation auf dem großen Gebiet mit seinen wenigen, schlechten Straßen. Knapp 130 Kilometer liegt Ngerengere vom Regierungssitz Daressalam entfernt, mit dem Auto sind es trotzdem drei Stunden. Diese Abgeschiedenheit ist dafür verantwortlich, dass auch im direkten tansanischen Vergleich die Menschen in Ngerengere noch einmal deutlich ärmer sind als viele ihrer Landsleute. An der Abgeschiedenheit ändert sich möglicherweise bald etwas. Die deutsche Delegation hörte von einem Staudammprojekt und dem damit verbundenen Bau einer breiten Straße, was Ngerengere unmittelbar betreffen könnte. Auch diese möglichen Veränderungen werden in den anstehenden Überlegungen eine Rolle spielen.

    Wobei zwei Dinge in einer solchen Partnerschaft über Kontinentalgrenzen hinweg klar sein müssen. Einer der afrikanischen Kirchenmänner, die die Wittgensteiner Delegation traf, brachte es auf den Punkt: Tansania müsse sich selbst entwickeln, es könne nicht von außen entwickelt werden: „Wenn wir es nicht in die Hand nehmen, ist alle gutgemeinte Hilfe aus dem Ausland umsonst und vergebens.“ Der Pfarrer George Fupe ist Assistent des Bischofs in der ELCT-Nachbar-Diözese, hat aber eine starke familiäre Verbindung nach Lulongwe im Kirchenkreis Ngerengere, wo seine Familie den Neubau einer Kirche unterstützte.“ Bei deren Einweihung waren die Pfarrer aus Wittgenstein und Sauerland dabei.

    Sich daran erinnernd formuliert Christine Liedtke einen zweiten Punkt: „Wir brauchen diesen Austausch mit Christen von einem anderen Kontinent. Mit unseren Partnern haben wir eine neue Kirche eingeweiht, Gemeinde dort wächst, wir haben eine Massentaufe erlebt - hier geben wir Kirchgebäude ab und schließen Kirchen. Unsere Partner dort haben uns ganz deutlich gesagt: Wir kommen gerne zu euch, um euch in diesen schweren Zeiten beizustehen und euch Mut zuzusprechen. Wir verdanken euch das Evangelium, nun wollen wir euch unterstützen, dass ihr nicht müde werdet, dass ihr nicht aufgebt, dass ihr euch getragen wisst von euren jüngeren Schwestern und Brüdern in Tansania! Wir beten für euch, und wir wissen: Gott baut noch an seiner Kirche.“ Auch wenn das Geld stets in ein- und dieselbe Richtung fließt, so ist die Partnerschaft keine Einbahnstraße. Nach den zwölf Tagen fanden es die Gastgeber immer noch eher kühl, die Gäste immer noch eher warm. Und beide hatten Recht. Aber den Wittgensteinern und Sauerländern war etwas weniger zu warm als noch knapp zwei Wochen vorher.

    Fotos vom Tansania-Besuch 2014

  • Stichwort: Tansania

    Tansania liegt in Ostafrika am Indischen Ozean, seine Nachbarländer sind Kenia, Uganda, Ruanda, Burundi, die Demokratische Republik Kongo, Sambia, Malawi und Mosambik. Auch wenn sich der Name wie aus einem Guss anhört, so ist er doch eine Kombination: aus der Gebietsbezeichnung „Tanganjika“, der Insel Sansibar und dem Wort „Azania“, das der römische Gelehrte Plinus der Ältere im ersten Jahrhundert benutzte. 1964 hat sich das Land passend zusammengepuzzelt, nachdem Tanganjika 1961 und Sansibar 1963 von Großbritannien in die Unabhängigkeit entlassen worden waren.

    128 verschiedene Sprachen sprechen die knapp 48 Mio. Tansanier, die es hier heute gibt. Damit liegt das Land im Einwohner-Vergleich mit Europa zwischen Spanien und Italien, hat also etwas mehr Bewohner als Spanien und deutlich weniger als Italien. Tansanias Fläche beträgt 947.300 Quadratkilometer, ist demnach mehr als zweieinhalb so groß wie Deutschland. Die Hauptstadt heißt Dodoma, Regierungssitz und größte Stadt ist Daressalam mit rund 4,5 Mio. Einwohnern.

    Interessant ist, was das englischsprachige Wikipedia-Lexikon über das Land weiß: Religion sei sehr wichtig im tansanischen Leben, das sagten 93 Prozent der Tansanier. Eine Umfrage vor gut fünf Jahren habe ergeben, dass 60 Prozent der Befragten Christen, 36 Prozent Muslime und zwei Prozent Anhänger der traditionellen afrikanischen Religionen seien. Unter den Christen bezeichneten sich 51 Prozent als katholisch und 44 Prozent als protestantisch. Unter den Protestanten seien die Lutheraner die stärksten, ihnen folgen mit knappem Abstand Pfingstgemeinden und Anglikaner gleichauf.

    Stichwort: Delegation

    Als Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses im Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein bildete der Oberndorfer Gemeindepfarrer Oliver Lehnsdorf gemeinsam mit seiner Berleburger Kollegin Claudia Latzel-Binder, der Pfarrerin Christine Liedtke als Inhaberin der kreiskirchlichen Schulpfarrstelle in Schmallenberg sowie Pfarrer Martin Ahlhaus, dem für Wittgenstein zuständigen Regionalpfarrer des Amtes für Mission, Ökumene und kirchliche Weltverantwortung bei der Evangelischen Kirche von Westfalen, die Besuchs-Delegation, die für den Wittgensteiner Kirchenkreis zwölf Tage lang den Partnerkirchenkreis Ngerengere der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Tansania besuchte.

    Stichwort: Partnerschaftsausschuss

    Wer mehr wissen möchte über die Partnerschaftsarbeit des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein ganz allgemein oder über die die Patenschaften im Speziellen, holt sich im Berleburger Haus der Kirche an der Schloßstraße 25 ein Informations-Faltblatt oder lädt sich dieses hier herunter.

    Außerdem können sich Gemeindegruppen oder Schulen jederzeit an die Pfarrer wenden, die außer vielen Erlebnissen auch noch fast so viele Fotos von ihrem jüngsten Afrika-Aufenthalt mitgebracht haben und deshalb tiefe Einblicke in das Leben in Tansania geben können.

    Interessierte melden sich
    bei Claudia Latzel-Binder unter Tel. (02751) 892526 oder E-Mail an pfarrerin(at)latzel-binder.de,
    bei Oliver Lehnsdorf unter Tel. (02754) 212707 oder E-Mail an O.Lehnsdorf(at)gmx.de,
    bei Christine Liedtke unter Tel. (02972) 1206 oder E-Mail christine(at)theodatus.de.

    Hier kann man auch erfahren, wann das nächste Treffen des Partnerschaftsausschusses im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein in Bad Berleburg stattfindet. Die Aktiven würden sich sehr über neue Mistreiter und frische Ideen freuen.