Delegation aus Ngerengere zu Gast in Wittgenstein

Wohlbehalten sind die vier Gäste des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein aus Tansania mittlerweile wieder in Ngerengere angekommen. Nun liegen erneut knapp 7000 Kilometer zwischen den Partnern. Zwei Wochen lang waren Superintendent Christian Seseme und der Pfarrer William Mitimingi sowie Peter Kinyamasongo und Cecilia Bombwe in Deutschland zu Gast. Bis obenhin vollgepackt war das Besuchs-Programm, das der Wittgensteiner Partnerschaftsausschuss unter dem Vorsitz von Pfarrer Oliver Lehnsdorf für die Delegation ausgearbeitet hatte. Zum einen, weil sich die Afrikaner mit dem Thema „Älter werden in Tansania und in Deutschland“ ein großes Thema ausgesucht hatten, das in zahllosen Facetten beleuchtet werden konnte. Zum anderen, weil die Gäste bei ihrem Besuch in Deutschland natürlich auch einen Eindruck vom Land an sich bekommen sollten. So gehörten Besuche auf den Spuren Martin Luthers in Eisenach und auf der Wartburg genauso zum Programm wie eine Stippvisite im mächtigen Kölner Dom. Und auch wenn solche Zeugnisse des Glaubens und insbesondere die Wirkungsstätten des Reformators tiefe Eindrücke bei den lutherischen Afrikanern hinterließen, so war das Wichtigste an dem Besuch die Begegnung mit den Menschen im Kirchenkreis.

Egal, ob in den Gymnasien von Schmallenberg und Bad Berleburg oder im Kindergarten „Senfkorn“, in den Altenheimen am Sähling oder in Oberndorf, beim Diakonischen Werk Wittgenstein, bei der Tagesbetreuung in Elsoff, mit den Gemeinde-Mitarbeiterinnen und der Wittgensteiner Diakoniepfarrerin Stephanie Eyter-Teuchert oder in der Kirchenkreis-Pfarrkonferenz - überall waren die Besucher ganz interessiert und stießen auch ihrerseits auf großes Interesse. Bei der Deutschen Gesellschaft für Geronto-Technik, die in Iserlohn Produkte für Senioren begutachtet, erprobt und optimiert, bekamen die Gäste einen spannenden Einblick zum Thema „Älter werden“, die Einblicke beim Rundgang in den Erndtebrücker Eisenwerken waren ganz anders, aber nicht minder interessant für Afrikaner und Wittgensteiner.

Auch bei den Gottesdiensten in Feudingen und in Schmallenberg sowie beim anschließenden Beisammensein nutzten zahlreiche Menschen die Möglichkeit, den weitgereisten Gästen zuzuhören. Das war beeindruckend, wenn die Tansanier von zuhause erzählten, und ein unbezahlbares Geschenk, wenn sie wunderbar sangen. Die Sauerländer hatten zudem das Glück, dass die Gäste bei ihnen spontan einen mitreißenden und bewegenden Singe-Abend gestalteten. Auch in der Feudinger Kirche wurde gesungen. Nicht nur von den TonSpuren, sondern auch von den Kindergottesdienst-Kindern. Von dem jungen, frischen Chor bekamen die Besucher eine CD von einem musikalischen Feudinger Erntedankgottesdienst, von den Mädchen und Jungen des Kindergottesdiensts sogar eine 300-Euro-Spende. Geld konkret für die Schulpatenschaften, die der Kirchenkreis Wittgenstein in Ngerengere schon seit Jahren unterhält. Und von deren Nutzen einer in der Gruppe ganz genau zu berichten wusste. Peter Kinyamasongo konnte nur aus einem einzigen Grund zur Schule gehen: Nämlich, weil er ein Schulstipendium aus dem Kirchenkreis Wittgenstein bekommen hatte. Auch die Finanzierung seines Studiums fällt dem 28-Jährigen nicht leicht, aber nächstes Jahr macht er seinen Abschluss an der Uni und dann ist er Englisch- und Suaheli-Lehrer. Mit der 33-jährigen Cecilia Bombwe war auch eine Frau aus Ngerengere zu Gast im Kirchenkreis, was bis dato noch nie so häufig passiert war. Ihre musikalischen und gesanglichen Fähigkeiten stellte die zweifache Mutter, die zuhause sehr aktiv in der Jugendarbeit tätig ist, jetzt immer wieder beim Besuch unter Beweis. Wie akribisch sich William Mitimingi auf Deutschland vorbereitet hatte, ließ die Gastgeber desöfteren staunen. Die Schwebebahn in Wuppertal ließ ihn nicht aus allen Wolken fallen, der 48-Jährige wusste schon aus dem Internet, dass es in dieser Stadt aus dem dichtgedrängten Besuchsprogramm fliegende Züge gab. Beim Kirchkaffee in Feudingen berichtete der Pfarrer sehr persönlich über seine Familie, die zur einen Hälfte aus Christen und zur anderen Hälfte aus Muslimen besteht. In diesem Teil Tansanias nichts Besonderes, so war auch Superintendent Christian Seseme als Muslim geboren worden. Mit 13 Jahren kam der heute 64-Jährige zum christlichen Glauben.

Wenn ein kleiner Wehmutstropfen in dem Besuch zu finden war, dann war es das zurückhaltende Interesse am Partnerschaftssonntag. Nach einem gut besuchten und lebendigen Gottesdienst in der Berleburger Stadtkirche verliefen sich die Besucherscharen schon bald. Doch die Leute, die beim Partnerschaftssonntag waren, hatten einen schönen und vor allem abwechslungsreichen Tag. Beim amerikanischen Cornhole-Spielen des Young Ambassadors Thomas Lindner genauso wie beim Wassereimer-auf-dem-Kopf-Balancieren mit der Erndtebrückerin Anne Berk, die ihr Freiwilliges Soziales Jahr in Kenia verbracht hatte, und bei bretonischen Tänzen mit der Berleburgerin Manuela Schnell, die so schon mal zum Weltgebetstag 2013, der aus Frankreich kommt, einlud. Dem Berleburger Michael Haber konnte man beim Automodellbau aus Schrott zuschauen, der Winterberger Manfred Gringel informierte über Kirchenrenovierungen des Gustav-Adolf-Werkes in Mittel- und Osteuropa, der Amtshäuser Ulrich Krüger erläuterte die konzentrierte Arbeit von „Afrika-Projekte“ in Kamerun und die Feudingerin Gerhild Hackler die Arbeit von Andreas Wörster im südlichen Afrika, wo er mit der Organisation „Utho Ngathi“ behinderten Kindern hilft. Presbyter Horst Seeger stellte Projektpartner der Berleburger Kirchengemeinde vor, zum einen Youth Alive Südafrika, zum anderen Punta Arenas Chile. Auch Oliver Lehnsdorf entführte nach Lateinamerika mit einem Ratespiel zu Honduras. Martin Ahlhaus, Ansprechpartner der Wittgensteiner in welt-ökumenischen Partnerschaftsfragen, erklärte den Weg des Kaffees nach Deutschland. Wobei man den auch trinken und kaufen konnte: Ulrike Berk vom Erndtebrücker Klöneck sowie Anne Bade und Christa Biesenthal vom Laaspher Eine-Welt-Laden hatten ebenfalls Stände beim Partnerschaftssonntag aufgebaut. Arabische Falafel gab es bei der Berleburger Pfarrerin Claudia Latzel-Binder, ostafrikanische Mandasi-Krapfen bei Anneliese Imhof.

Die beiden Letztgenannten sind Mitglieder im kreiskirchlichen Partnerschaftsausschuss. Den Einsatz des Ausschusses, zu dem auch die Feudingerin Karin Dornhöfer, die Berleburgerin Helga Lamont, die Erndtebrückerin Irmlind Laues, die Diedenshäuserin Reni Rode, die Schmallenberger Pfarrerin Christine Liedtke, die Fredeburgerin Heide Sinkwitz und Gudrun Thimm aus Werntrop gehören, lobte Superintendent Stefan Berk ausdrücklich. So oft es ging, versuchte der Leitende Theologe des Wittgensteiner Kirchenkreises, der selbst vor vier Jahren Ngerengere besucht hatte, bei Terminen dabei zu sein. „Wir brauchen einander, wir brauchen die Begegnung miteinander“, war sich Stefan Berk sicher. Das unterstrich auch Oliver Lehnsdorf als Vorsitzender des Partnerschaftsausschusses, dessen Familie wie die von Christine Liedtke und Claudia Latzel-Binder sowie Heide Sinkwitz die Gäste zur Übernachtung aufgenommen hatte: Genau diese Nähe sei wichtig, um herauszufinden, was die Partner in Tansania wirklich bräuchten. Besonders gut sei es diesmal gewesen, dass die Gruppe mit dem früheren Pfarrer Johannes Paehl und Heidemarie Kaletsch, Leiterin des Oberndorfer Altenheims „Elim“, dankenswerterweise bei vielen Gesprächen kompetente Suaheli-Übersetzer gehabt habe. Auf der Basis dieser mittlerweile über 20-jährigen Partnerschaft gelte es, weiter aufzubauen. Oliver Lehnsdorf ging davon aus, dass sich die Wittgensteiner und Sauerländer in zwei bis drei Jahren mit einem Gegenbesuch in Ngerengere revanchieren werden.

Fotos vom Tansania-Besuch 2012