„Wege durch Raum und Zeit“ (2014)

Elisabeth Grube, Gabriele Schulz, Dr. Andrea Brockmann und Susanne Falk (von links) freuen sich in der Gleidorfer Auferstehungskirche darauf, dass das grenzüberschreitende Kunstprojekt zwischen Wittgenstein und Hochsauerland im Spirituellen Sommer ein Erfolg wird.

„Viele Jahrhunderte bildete das Rothaargebirge nicht nur eine Landes-, sondern auch eine Konfessionsgrenze. Das änderte sich erst zu Beginn des 19. Jahrhunderts allmählich. So kam im Jahre 1807 aus Arfeld der Hammerschmied Johannes Jodokus Richstein nach Gleidorf. Alsbald holte er seine Ehefrau und seien Eltern nach. Diese erste evangelische Familie legte den Grundstein für evangelisches Leben in Gleidorf.“ Wenn man jene Sätze im 1981 erschienen Buch „Die Evangelische Kirchengemeinde Gleidorf - Schmallenberg - Fredeburg im Wandel der Zeit “von Walter Opitz liest, dann wundert man sich auch gar nicht mehr so sehr darüber, dass die Evangelische Kirchengemeinde Gleidorf im Hochsauerland zum Wittgensteiner Kirchenkreis gehört. Im Spirituellen Sommer - ein Ergebnis des Regionale-Projekts „Wege zum Leben. In Südwestfalen.“ - erinnert jetzt eine ganze Veranstaltungsreihe an diese alte Verbindung über den Rothaarkamm.

Gemeinsam mit Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer inspiziert die Schmallenberger Künstlerin Gabriele Schulz den Abendmahlstisch in der Raumländer Kirche.

Dafür wird quer durch den Kirchenkreis Wittgenstein unter der Überschrift „Wege durch Raum und Zeit“ eine geistige und vielleicht auch geistliche Brücke geschlagen zwischen der 750 Jahre alten Evangelischen Kirche in Raumland und der ebenfalls Evangelischen, aber gerade mal erst 60 Jahre alten Auferstehungskirche Gleidorf. Die Schmallenberger Bildhauerin Gabriele Schulz zeigt an beiden Orten Objekte und Installationen aus Materialien wie Schiefer und Zellulose. Sensibel setzt sich die Künstlerin mit der Spiritualität der Kirchenräume, mit deren Geschichte und ästhetischem Erscheinungsbild auseinander. Symbole und Zeichen des Göttlichen und Spuren des Menschlichen vereint die Künstlerin in beiden Kirchen zu einer Installation, die in Form und Material den Weg durch Raum und Zeit versinnbildlicht. Verbindendes Element sind zwei große Kelche, geformt aus Zellulose und bedeckt mit feinen Salzkristallen. Eigens für die Ausstellungen hat die Künstlerin zudem schlicht-eindringliche Schuhformen geschaffen - Symbole für die Wander- und Pilgerbewegung.

Der Auftakt des Veranstaltungsreigens ist am Freitag, 11. Juli, um 17 Uhr in der Raumländer Kirche, ab 19 Uhr dann in der Gleidorfer Auferstehungskirche. Ein Shuttle-Bus sorgt dafür, dass Interessierte - auch ohne selbst zu fahren - an beiden Eröffnungen teilnehmen können. Dafür sieht der Ablauf folgendermaßen aus: Um 16 Uhr startet der Bus in Gleidorf an der Bundesstraße unterhalb der Kirche und bringt seine Mitfahrer pünktlich zur Eröffnung in Raumland, dort startet der Bus um 18 Uhr wieder in Richtung Gleidorf, um die Eröffnungs-Besucher pünktlich an der Auferstehungskirche zu haben. Die Rückfahrt für die Wittgensteiner nach Raumland steht um 21 Uhr an. Die Ausstellungen sind bis Freitag, 22. August, zu sehen, täglich geöffnet von 10 bis 18 Uhr.

Zudem beginnt am Sonntag, 20. Juli, um 10.30 Uhr ein besonderer Gottesdienst in der Raumländer Kirche, der das Psalmwort „Dein Wort ist meines Fußes Leuchte und ein Licht auf meinem Wege“ in den Mittelpunkt stellt. Dem schließt sich eine Kirchenführung und ein Gespräch mit Gabriele Schulz ab 11.30 Uhr an. Am Donnerstag, 24. Juli, findet an gleicher Stelle ab 19 Uhr ein Werkgespräch mit der Künstlerin statt. Analog dazu findet am Sonntag, 3. August, ab 10 Uhr ein besonderer Gottesdienst in der Gleidorfer Auferstehungskirche statt. Auch hier geht es um ein Psalmwort, nämlich: „Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Etwa um 11 Uhr beginnt eine spirituelle Kirchenführung und eine Gespräch mit der Schmallenberger Bildhauerin. Das Werksgespräch mit Gabriele Schulz in der Auferstehungskirche findet am Donnerstag, 21. August, ab 19 Uhr statt.

So weit, so gut, so erwartbar, wenn sich Kunst und Kirche begegnen. Aber mittendrin gibt es noch einen ganz außergewöhnlichen Termin. So wie sich in früheren Zeiten Wittgensteiner auf den Weg ins Sauerland machten, um dort zu arbeiten, zu leben, heimisch zu werden, so macht sich am Samstag, 2. August, eine Wandergruppe auf ihren Weg durch Raum und Zeit. Und zwar zu Fuß. Um 10 Uhr geht es los an der Raumländer Kirche, der Urpfarrei des nördlichen Wittgensteins. Aus der Dichte und Geborgenheit des sakralen Raumes der Raumländer Kirche aufbrechend geht es um die gemeinsame Erfahrung des Unterwegsseins. Unterbrochen wird die Wanderung durch spirituelle Impulse auf dem Weg und ein gemeinsames Picknick. Ziel ist die Auferstehungskirche in Gleidorf, wo der zweite Teil der Kunstinstallation die Reise auch gedanklich beschließt. Das Ende der Veranstaltung ist für 18 Uhr geplant. Auch hier wird es wieder einen Shuttle-Service per Bus geben.

Und wer heute denkt, dass solch eine einmalige Wanderung von knapp 25 Kilometern Länge schon sehr lang ist, der kann nochmal bei Walter Opitz nachschlagen: „Die Richsteins und deren Nachkommen sind noch viele Jahre lang zu Fuß über Oberkirchen nach Girkhausen (17 Kilometer) zum sonntäglichen Gottesdienst gegangen oder über Jagdhaus nach Wingeshausen (20 Kilometer).“

Weitere Informationen gibt es bei der Gleidorfer Pfarrerin Elisabeth Grube unter Tel. (02974) 833341 oder nach einer E-Mail an elisabeth.grube(at)t-online.de sowie beim Raumländer Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer unter Tel. (02751) 5456 oder durch eine E-Mail an dirk.spornhauer(at)kg-raumland.de. Insbesondere für die Shuttle-Angebote ist eine Anmeldung aus organisatorischen Gründen unbedingt notwendig, für den Bus-Pendeldienst wird ein Unkostenbeitrag erhoben.

  • Eine Installation mit Schiefer passt natürlich perfekt in die Kirche des Wittgensteiner Schieferdorfes Raumland.
  • Zu Recht freute sich die Schmallenberger Künstlerin Gabriele Schulz, hier mit Rikarde Riedesel, die in der Berleburger Stadtverwaltung für die Kultur zuständig ist, über die sehr gut besuchte Ausstellungseröffnung in der Raumländer Kirche.
  • Bei der Ausstellungseröffnung in Raumland war auch der Geschäftsführer der Kur- und Freizeit-GmbH „Schmallenberger Sauerland“, Hubertus Schmidt (rechts).
  • Sowohl in Raumland als auch in Gleidorf liegen in der Evangelischen Kirche zur Ausstellung Gästebücher aus: Die Künstlerin Gabriel Schulz wünschte sich ausdrücklich, dass sich Besucher eintragen möge - wie hier die Fredeburgerin Heide Sinkwitz in Raumland.

Der Ort: Wittgenstein und Hochsauerland. Die Zeit: ein Freitagnachmittag in den Sommerferien. Das beherrschende Thema: die Fußball-Weltmeisterschaft. Aber: Bei diesem Termin soll es um Kunst und Kirche gehen. Nun eine Schätzung: Wie viele Besucher kann man da erwarten?

Die Chancen, dass das Überschlagen scheitert, sind sehr groß. Sogar Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer traute seinen Augen kaum, als er jetzt die Ausstellung „Wege durch Raum und Zeit“ in der Raumländer Kirche eröffnete. „Ich gestehe, ich bin total begeistert“ - so kommentierte er die rund 120 Leute, die er in der Kirche begrüßte. Sowohl der neue als auch der alte Landrat hatten sich zwar ausdrücklich entschuldigt, aber mit Anke Fuchs-Dreisbach und Günter Wagner waren die stellvertretenden Bürgermeister von Bad Berleburg und Bad Laasphe in Raumland. Außerdem nahm mit Rikarde Riedesel die Hauptverantwortliche in Sachen „Kultur“ aus dem Berleburger Rathaus an der Veranstaltung genauso teil wie zahlreiche Mitglieder der Wittgensteiner Kunstgesellschaft.

Das war kein Zufall, denn mit Gabriele Schulz war eine anerkannte Schmallenberger Künstlerin nach Wittgenstein gekommen. Sie kannte die Raumländer Kirche von einem früheren eigenen Ausstellungsbesuch und wollte gern hier Werke zeigen. Und nicht nur hier. Im Rahmen des Spirituellen Sommer, einer Veranstaltungsreihe für das gesamte Südwestfalen, überlegte sie sich einen perfekten Brückenschlag über den Rothaarkamm hinweg und quer durch den Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein, der weder am Albrechtsplatz noch bei den Wisenten endet.

Ein Teil der Installation in Raumland: Mit einem Stock und einem geschnürten Bündel auf dem Rücken mussten sich früher im kargen Wittgenstein immer wieder Menschen auf den Weg machen, um woanders eine Lebensperspektive zu finden. Für den Arfelder Johannes Jodokus Richstein führte der Weg nach Gleidorf.

Die Ausstellung, die bis Freitag, 22. August, täglich von 10 bis 18 Uhr zu sehen ist, besteht nämlich aus zwei Teilen: einer in Raumland, ein zweiter in der Evangelischen Auferstehungskirche in Gleidorf. Jeder Teil ist für sich ansehnlich und aussagekräftig, das ganze Bild bekommt man aber nur, wenn man beide Ausstellungen besucht und betrachtet. Hüben wie drüben steht ein halbmannshoher Kelch, hüben wie drüben gibt es unterschiedliche Schiefer-Installationen, hüben wie drüben stehen insgesamt 25 Paar Schuhe, fünf in Raumland und 20 in Gleidorf. Gefertigt aus Zellulose. Die Schmallenberger Kulturreferentin Dr. Andrea Brockmann, die an beiden Orten - erst in Raumland, zwei Stunden später in Gleidorf - in die Ausstellungen einführte, erläuterte: „Die Objekte sind massiv aufgebaut durch eine Schichtung von Zellulosemasse, deren Grundstoff aus Tageszeitungen gewonnen ist. Der Zellstoffbrei wird wiederholt aufgetragen, dabei mit Farbpigment versetzt und getrocknet. Ein mitunter langwieriger Vorgang der Konzentration, Übung, Geduld braucht.“

Und das ist allein das Handwerkliche, mal ganz abgesehen von der perfekten Umsetzung der Grundidee durch Gabriele Schulz. Dabei sind die Schuhe ein perfektes Zeichen, ist doch der zugrundliegende Weg durch Raum und Zeit zu Fuß zurückgelegt worden. Vor über 200 Jahren verließ der Arfelder Johannes Jodokus Richstein Wittgenstein, das ihm mit seinen kargen Böden keine Lebensperspektive bot. Erging zu der guten Humuserde ins katholische Hochsauerland, nahm seine Familie und seinen reformierten evangelischen Glauben mit. Nochmal Andrea Brockmann: „In jedem Paar Schuhe steckt eine Geschichte, ein Individuum, ein Schicksal, ein Leben. Auch wenn die Künstlerin hier den konkreten Bezug zu der Evangelischen Gemeinde herstellt, so sind diese Formen für mich ein generelles Zeichnen der menschlichen Wanderbewegungen, der Vertreibungen, Umsiedlungen, Abschiebungen, Zeichen des Ausreisens, Weggehens, Aufbrechens.“

  • Viele Gespräche zwischen Künstlerin Gabriele Schulz, Kulturreferentin Dr. Andrea Brockmann und Pfarrerin Elisabeth Grube(von links) legten das Fundament für die äußerst gelungene Ausstellung.
  • Mit einem Zellulose-Schuh in der Hand erinnerte Pfarrerin Elisabeth Grube in der der Evangelischen Auferstehungskirche Gleidorf an Johannes Jodokus Richstein.
  • Mehr als 200 Jahre nachdem sich der erste Wittgensteiner Richstein auf den Weg nach Gleidorf gemacht hatte, gibt es den Nachnamen hier immer noch: Pfarrerin Elisabeth Grube freute sich, dass Renate Richstein (links) bei der Ausstellungseröffnung in der Auferstehungskirche dabei war.

Jahrzehnte nach der Ankunft des Arfelders entstand die Gleidorfer Kirchengemeinde, zu der bis heute fast alle Evangelischen vom Schmallenberger Stadtgebiet gehören. Auch in Gleidorf bevölkerten bestimmt 100 Besucher, darunter Schmallenbergs stellvertretender Bürgermeister Alfons Brüggemann und viele Presbyter, die Eröffnung. Anschaulich hielt Gemeindepfarrerin Elisabeth Grube zu diesem Anlass in der Auferstehungskirche einen der ausgestellten Zellulose-Schuhe hoch und erzählte die Geschichte von Johannes Jodokus Richstein. Der mit seinem Nachnamen Wittgenstein ins Sauerland gebracht hatte.

Fröhlich begrüßte Elisabeth Grube unter den Gästen der Ausstellung Renate Richstein. Mehr als 200 Jahre nachdem der erste Richstein hierher kam, weil ihm die Heimat keine Zukunft bot, ist der Name ein Gleidorfer Nachname. Und da ist man auch wieder beim derzeit beherrschenden Thema: der deutschen Nationalmannschaft. Deren Spieler heißen heute nämlich Götze und Özil, Müller und Podolski, Neuer und Boateng. Und das Geheimnis ihres Erfolgs könnte sein, dass zu den mutmaßlich deutschen Tugenden auch noch andere hinzugekommen sind und man gemeinsam auf dem Platz steht und spielt.

  • Reichlich Andrang herrschte bei der Ausstellungseröffnung in der Evangelischen Auferstehungskirche Gleidorf. Bei leckerem Essen, einem Glas Wein und prima Wetter kamen Hochsauerländer und Wittgensteiner im Anschluss vor der Kirchentür ins Gespräch.
  • Der Spirituelle Sommer ist Thema einer wissenschaftlichen Studie im Bereich „Tourismusmanagement und Marketing“ an der Fachhochschule Südwestfalen. Freundliche Studierende aus Meschede befragten jetzt die Besucher der Ausstellungseröffnung in Gleidorf.
  • Die Gleidorfer Pfarrerin Elisabeth Grube (Mitte) im Gespräch mit dem Berleburger Ehepaar Hertha und Günther Hirschhäuser. Das ist zwar ein Gespräch über den Rothaarkamm, aber nicht unbedingt über eine Grenze hinweg. Denn die Evangelischen Gemeinden Bad Berleburg und Gleidorf gehören beide zum Kirchenkreis Wittgenstein. Und am 27. Juli wird die Hochsauerländerin zwei Gottesdienste in der Berleburger Kirchengemeinde halten.

Im Anschluss an den gut besuchten Gottesdienst am 20. Juli 2014 in der Evangelischen Kirche Raumland bekamen die Besucher nicht nur Informationen über die 750 Jahre alte Raumländer Kirche von Gemeindepfarrer Dr. Dirk Spornhauer, sondern von Gabriele Schulz auch Gedanken zu ihren Werken. Die Ausstellung „Wege durch Raum und Zeit“ gehört zum Spirituellen Sommer, sowohl in Raumland als auch in der Evangelischen Auferstehungskirche Gleidorf zeigt die Schmallenbergerin Exponate.

  • Impressionen vom besonderen Gottesdienst, der anschließenden Kirchenführung und dem Gespräch mit der Künstlerin
  • Gabriele Schulz in der Raumländer Kirche.
  • Impressionen vom besonderen Gottesdienst, der anschließenden Kirchenführung und dem Gespräch mit der Künstlerin

Wie kurz der Weg zwischen „spirituell“ und „sportlich“ sein kann, bewies am Samstag die Wanderung im Rahmen der Spirituellen Sommers, die von der Kirche in Raumland zur Auferstehungskirche in Gleidorf führte. Beide evangelischen Kirchen sind im Juli und August durch zwei Ausstellungen der Schmallenberger Künstlerin Gabriele Schulz verbunden, bei der jede für sich allein verständlich ist, die aber erst zusammen ein ganzes Bild ergeben.

  • Impressionen der Wanderung von der Raumländer Kirche zur Evangelischen Auferstehungskirche in Gleidorf.
  • Impressionen der Wanderung von der Raumländer Kirche zur Evangelischen Auferstehungskirche in Gleidorf.
  • Gruppenbild mit Kirche: Morgens um 10 Uhr startete die Wanderung bei der Evangelischen Kirche in Raumland (Foto), abends um kurz nach 19 Uhr kam die Gruppe geschafft und glücklich bei der Evangelischen Auferstehungskirche in Gleidorf an.
  • Als es in Raumland losging, waren alle topfit und energiegeladen (Foto), 28 Kilometer später bei der Ankunft in Gleidorf waren manche dann doch etwas müde.
  • Immer mal wieder wurde unterwegs gerastet, dabei erlebte die Gruppe auf dem Weg von der Raumländer Kirche zur Gleidorfer Auferstehungskirche Idylle pur.
  • Impressionen der Wanderung von der Raumländer Kirche zur Evangelischen Auferstehungskirche in Gleidorf.

Ausgehend von Johannes Jodokus Richstein, der vor über 200 Jahren als evangelischer Arfelder ins katholische Gleidorf auswanderte, beschäftigen sich die Ausstellungen mit dem Aufbrechen und Ankommen. Nahe am Sauerländischen Gebirgsverein (SGV), den es trotz seines Namens auch in Wittgenstein überall gibt, hatten die Gleidorfer Gemeindepfarrerin Elisabeth Grube und ihr Raumländer Kollege Dr. Dirk Spornhauer die Wanderung vorbereitet und organsiert. Die Beiden gehören ihrerseits zum Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein, der trotz seines Namens bis ins Sauerland reicht. Auf Wittgensteiner Seite übernahm Heinz Günter Klett von der SGV-Abteilung Berghausen/Raumland die Führung, auf Sauerländer Seite Dr. Dieter Schulz, der Ehemann der Künstlerin, die natürlich auch mit unterwegs war. Zwei Dutzend Wanderwillige von beiden Seiten des Rothaarkamms hatten sich in der Raumländer Kirche eingefunden. Zweierlei sollte die Gruppe begleiten: zum einen Abraham aus der Bibel, zum anderen das Lied „Vertraut den neuen Wegen“.

Aus Ur brach Abraham nach Haran auf, um irgendwann in Kanaan anzukommen. Allein die erste Etappe zählte mehrere hundert Kilometer. Ganz so herausfordernd war der Weg für die Gruppe aus Sauerländern und Wittgensteinern, aus Katholiken und Evangelischen jetzt nicht, aber am Ende hatte sie doch 28 Kilometer zurückgelegt. Zu Abraham hatte Dirk Spornhauer in der Raumländer Kirche, auf Kühhude und beim Waldskulpturenweg-Kunstwerk „Krummstab“ spirituelle Impulse vorbereitet. Jedes Mal wurden die drei Strophen von „Vertraut den neuen Weg“ gesungen - aber nie mit der heute geläufigsten Melodie. Stattdessen lieh sich Elisabeth Grube die Melodien von „Du meine Seele, singe“, „Er weckt mich alle Morgen“ und „Befiehl du deine Wege“. Erst ganz am Ende beim letzten Impuls in der Gleidorfer Auferstehungskirche sang die Gruppe das Lied mit der Gesangbuchnummer 395, wo ihm die gewohnte Melodie von „Lob Gott getrost mit Singen“ zugeteilt ist.

  • Impressionen der Wanderung von der Raumländer Kirche zur Evangelischen Auferstehungskirche in Gleidorf.
  • Geschafft und glücklich ließen sich die Wanderer aus Hochsauerland und Wittgenstein vor der Evangelischen Auferstehungskirche in Gleidorf zum Essen einladen.
  • Impressionen der Wanderung von der Raumländer Kirche zur Evangelischen Auferstehungskirche in Gleidorf.
  • Impressionen der Wanderung von der Raumländer Kirche zur Evangelischen Auferstehungskirche in Gleidorf.
  • Impressionen der Wanderung von der Raumländer Kirche zur Evangelischen Auferstehungskirche in Gleidorf.
  • Impressionen der Wanderung von der Raumländer Kirche zur Evangelischen Auferstehungskirche in Gleidorf.

Am 4. August 1989 - also fast auf den Tag genau 25 Jahre vor der Wanderung von Raumland nach Gleidorf - erlebte der Text „Vertraut den neuen Wegen“ seine Uraufführung bei einer Hochzeit in Eisenach, das damals noch in einem Land namens DDR lag. Elisabeth Grube erzählte die Geschichte des Textes. Der Theologe und Dichter Klaus-Peter Hertzsch hatte ihn für die Heirat seines Patenkinds geschrieben, dessen Trautext aus Abrahams Berufung und Zug nach Kanaan stammte. Auch wenn sich Textzeilen wie „Wer aufbricht, der kann hoffen, in Zeit und Ewigkeit, die Tore stehen offen, das Land ist hell und weit“ kurz vor der Wende für Westler und Ostler ganz unterschiedlich anhörten, so wurde das Lied doch auch in der Bundesrepublik Deutschland umgehend zum kirchlichen Gassenhauer und fand unglaublich schnell Eingang ins neue Gesangbuch.

Und so wie der Text mit unterschiedlichen Melodien harmonierte und damit verschiedene Schwerpunkte setzte, so passte er auf einmal zur 200 Jahre alten Geschichte von Johannes Jodokus Richstein und gab sogar Zuversicht für die heutige Gegenwart. Obwohl Gewitter gemeldet waren, erlebten die Teilnehmer einen sonnenstrahlenden Tag. Erst ein Regenschauer nach dem Essen beim gemütlichen Beisammensein vor der Gleidorfer Kirche beendete die Veranstaltung. Zwei Kleinbusse brachten die Wittgensteiner Teilnehmer zurück zur Raumländer Kirche, wo sie elf Stunden nach ihrem Start glücklich und geschafft wieder landeten.

Wie alle Veranstaltungen der Reihe „Wege durch Raum und Zeit“ war auch die abschließende in der Gleidorfer Auferstehungskirche sehr gut besucht. Sechs Wochen lang stellte die Schmallenbergerin Gabriele Schulz zum Spirituellen Sommer Werke in der Auferstehungskirche und in der Raumländer Kirche aus. Den Schlusspunkt setzte die Finissage mit einem anschließenden Fest, inklusive gutem Essen, kühlen Getränken und Live-Musik von Friedel Richstein am Akkordeon.

  • Impressionen aus der Gleidorfer Auferstehungskirche.
  • Impressionen aus der Gleidorfer Auferstehungskirche.
  • Bei der Finissage in der Evangelischen Auferstehungskirche Gleidorf wollten sich viele Besucher von der Kunstinstallation verabschieden.

Beim abschließenden Werksgespräch in Gleidorf waren es jetzt noch einmal 50 Gäste. Zunächst hörten diese eine knappe Stunde lang zu, wie Gabriele Schulz entlang der Fragen von Schmallenbergs Kulturreferentin Dr. Andrea Brockmann die „zweiteilige Installation mit einem Konzept“ und deren Grundgedanken erläuterte. Sie ließ die Zuhörer teilhaben an ihren Überlegungen für die gezeigten Werke, darüberhinaus nahm die Künstlerin gedanklich mit in ihre Werkstatt, sprach über die handwerklichen Grundlagen wie über ihre Inspirationen. Ihr Fazit fiel klar aus: Dieses Projekt sei eine „wunderbare Erfahrung“ gewesen, in der Fülle der unterschiedlichen Aspekte vielleicht die schönste Erfahrung ihres Künstlerlebens. Außerdem dankte sie für die vielfältige Unterstützung, die sie erfahren habe. Vorneweg den beiden beteiligten Pfarrern: Elisabeth Grube und Dr. Dirk Spornhauer.

  • Am Ende eines gelungenen Projektes waren sie froh und zufrieden: die Künstlerin Gabriele Schulz und Schmallenbergs Kulturreferentin Dr. Andrea Brockmann sowie die beteiligten Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer und Elisabeth Grube (von links).
  • Bei der Finissage konnten die Besucher die Kunstwerke von Gabriele Schulz in der Gleidorfer Auferstehungskirche auch mal richtig unter die Lupe nehmen.
  • Bei der Finissage konnten die Besucher die Kunstwerke von Gabriele Schulz in der Gleidorfer Auferstehungskirche auch mal richtig unter die Lupe nehmen.

Der Raumländer Pfarrer dankte seinerseits für die Ausstellung. Aus seinem Pfarrhaus habe er bei der benachbarten Kirche oft Autos stehen sehen, deren Nutzer die Ausstellung besuchten. Auch habe er selbst immer wiedermit Gästen intensive Gespräche über die Werke geführt. Unter anderem mit einer Gruppe aus einer Behindertenwerkstatt.

  • Einträge ins Gleidorfer Gästebuch der Ausstellung.
  • Einträge ins Gleidorfer Gästebuch der Ausstellung.
  • Einträge ins Gleidorfer Gästebuch der Ausstellung.

Barbara Kling war jetzt für die Finissage in der Auferstehungskirche. Sie meldete sich ebenfalls noch einmal zu Wort und ging auf die von Gabriele Schulz hergestellten Zellulose-Schuhe ein, die im Mittelpunkt der Ausstellungen standen. Die Deutlichkeit dieses Bildes für Aufbrechen und Ankommen habe sie kolossal beeindruckt. So sehr, dass sie sich in den vergangenen Tagen bei den Nachrichten aus dem Irak immer wieder die Schuhe der zahllosen flüchtenden Jesiden auf einem großen Haufen habe vorstellen müssen. Und Bilder von Schuh-Bergen weckten ja gerade in Deutschland noch einmal ganz andere Erinnerungen.

Gabriele Schulz führte aus, dass ihr zum „Aufbrechen und Ankommen“ immer neue Aspekte einfielen, dass sie das Themengebiet immer mehr beschäftige und dass diese Beschäftigung sie selbst persönlich weiterführe. Bei einer nächsten Ausstellung werde sie sich noch stärker mit dem Thema des Weggehen-Müssens auseinandersetzen. Nach diesem gelungenen Projekt ermutigte Andrea Brockmann dazu, ähnliche Projekte, die Sauerland und Wittgenstein verbinden, für den Spirituellen Sommer 2015 weiterzudenken: „Der Weg über den Berg ist nicht so weit.“

  • Impressionen vom abschließenden Gleidorfer Grillfest zu der Kunstinstallation.
  • Impressionen vom abschließenden Gleidorfer Grillfest zu der Kunstinstallation.
  • Johannes Jodokus Richstein, der vor über 200 Jahren von Arfeld nach Gleidorf kam, stand am Anfang des Kunstprojektes. Und jetzt am Ende des Kunstprojektes machte Friedel Richstein (Foto) Musik vor der Auferstehungskirche. Er ist Sauerländer, auch wenn er Wittgenstein noch im Namen trägt.
  • Impressionen vom abschließenden Gleidorfer Grillfest zu der Kunstinstallation.
  • Impressionen vom abschließenden Gleidorfer Grillfest zu der Kunstinstallation.
  • Impressionen vom abschließenden Gleidorfer Grillfest zu der Kunstinstallation.
  • Impressionen vom abschließenden Gleidorfer Grillfest zu der Kunstinstallation.
  • Das Kunstprojekt „Wege durch Raum und Zeit“ wollte im Spirituellen Sommer Sauerländer und Wittgensteiner über den Rothaarkamm hinweg verbinden. Mission geglückt, wie das intensive Gespräch der Schmallenberger Künstlerin Gabriele Schulz mit Raumlands Pfarrer Dr. Dirk Spornhauer beweist.
  • Genau wie die Unterhaltung der Gleidorfer Pfarrerin Elisabeth Grube mit dem Vorsitzenden der Berleburger Kulturgemeinde, Otto Marburger.