Bildung im Kirchenkreis Wittgenstein

Prof. Dr. Hans-Martin Lübking referierte auf Einladung des Schulreferats vom Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein in der Berleburger Hauptschule über „Bildungsgerechtigkeit und Schule“. Auch wenn sich Schulleiterin Doris Oster über den Besuch freute, so hatte sie doch – wie viele andere Praktiker auch – einige kritische Anmerkungen zum Thema „Gemeinschaftsschule“.

„Bildung ist mehr als Schule! Nicht nur in der Schule, sondern auch beim Sportverein und in der Jugendarbeit, bei den Kinderchören und in der Konfirmandenarbeit vollziehen sich Bildungsprozesse. Sie sind für die Persönlichkeitsentwicklung und für die Übernahme sozialer Verantwortung besonders wertvoll. Schulische Lernzeiten dürfen nicht so weit ausgeweitet werden, dass wichtige außerschulische Bildung immer weniger stattfinden kann. Die Schule ist schon zur Zentralinstanz im Leben von Kindern und Jugendlichen geworden - aber sie darf nicht totalitär werden. Angesicht von Schulzeitverkürzung und Turbo- Abitur muss daran erinnert werden: Es gibt auch ein Leben nach der Schule und außerhalb der Schule - und das ist mindestens ebenso prägend. Im Rückblick stellen viele fest, dass sie das Wichtigste für ihr Leben nicht in der Schule gelernt haben - sondern bei den Pfadfindern, im Sportverein oder während des Zivildienstes. Darum muss die Schule um 16 Uhr vorbei sein, Hausaufgaben, wie gesagt, werden weitgehend in der Schulzeit erledigt und ein Nachmittag inmitten der Woche bleibt frei. So können sich Jugendliche ehrenamtlich engagieren, so können Kinder und Jugendliche auch noch mal altersgemäß Kinder und Jugendliche sein.“

Das sagte Prof. Dr. Hans-Martin Lübking in seinem Vortrag „Welche Bildung ist nötig für das 21. Jahrhundert?“. Ende Januar 2011 war der Direktor des Pädagogischen Instituts der Evangelischen Kirche von Westfalen in Villigst aus Einladung des Schulreferats im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein zu Gast. Schon vorher hatte Schulreferentin Silke van Doorn das Leitmotiv für die Veranstaltung vorgegeben: Der christliche Anspruch verlange, dass kein Kind verloren gehen dürfe. Zudem ist sich die Pfarrerin sicher, dass das Talmud-Wort „Wer nicht weiterlernt, stirbt ab“ stimmt. Deshalb plädiert sie für lebenslanges Lernen - das übrigens nicht erst in der Schule beginnt, sondern schon im Kindergarten.

Und genau deshalb finden sich unter der Marke „Bildung und Erziehung“ die zahlreichen kirchlichen Offerten im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein. Von der Kindergarten-Arbeit über die Angebote des Kompetenzzentrums für Kinder-, Jugend- und Familienarbeit bis hin zu den Fortbildungs-Maßnahmen des Schulreferats, darüberhinaus die Möglichkeiten des Freizeitzentrums in Wemlighausen und das Engagement von Pfarrern im Schuldienst. Und wenn man die Arbeit der Frauenhilfen genau betrachtet, dann gehören auch sie mit ihren Angeboten ganz klar in die Erwachsenbildung hinein.