An-Gedacht zum Wochenende

Die Westfalenpost hat seit Ostern 2009 die Serie „Angedacht“ in ihrem Wittgensteiner Lokalteil aufgenommen, bei der jeden Samstag Pfarrerinnen und Pfarrer zu Wort kommen. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion drucken wir die Gedanken dann ab Sonntag hier ab. Verantwortlich für den Inhalt sind immer die Verfasser.

Bei den Texten handelt es sich übrigens nicht um Predigten, sondern ganz einfach um kurze verschriftlichte Gedanken mit einem theologischen Anliegen. Sie können und wollen auch nicht die Gemeinschaft, die Musik und die Predigt eines richtigen Gottesdienstes ersetzen. Aber sie dürfen gern von allen Leserinnen und Lesern als Einladung verstanden werden, am nächsten Sonntag einen Gottesdienst in einer der Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein zu besuchen.

Wir freuen uns auch über Reaktionen auf das Angedacht. Klicken Sie auf das Foto des jeweiligen Andacht-Schreibers, dann können Sie dem Autor Ihre Gedanken in einer E-Mail mitteilen.

Pfr. Horst Spillmann

24. Juli 2017

„Wenn einer eine Reise tut,...

von Pfr. Horst Spillmann, Arfeld

... so kann er was erzählen“ - demnach müsste Mister Donald M. Parrish Jr. aus Illinois, USA, eine ganze Menge erzählen können - er gilt ist Spitzenreiter bei MostTravelledPeople.com, einem Internetportal, das die Personen aufführt, die die meisten Länder und besondere Punkte dieser Erde besucht haben – er kommt auf 852, davon alle 193 Staaten dieser Erde.

Dazu der Kontrast: „Warum soll ich in der Welt rumreisen, bei uns zuhause (gemeint ist Wittgenstein) ist es doch auch schön!“, so einige Male von Menschen hier in Wittgenstein gehört.

Ich möchte nicht beide Ansichten gegeneinander ausspielen, beide haben ihren Wert, wenn die eine Frage beantwortet ist, die Jesus zu Beginn seines öffentlichen Auftretens stellt, wie es im Johannes-Evangelium berichtet ist. Es kommen Menschen zu ihm, und er konfrontiert sie mit der Frage: „Was sucht ihr?“ Er fragt nicht: „Was wollt ihr, was wünscht ihr?“. Darauf bekäme er wohl heutzutage ganz schnell eine Antwort: „Ein neues Smartphone wünsche ich mir. Mehr Rente will ich. Ich will endlich ohne Schmerzen leben …“ - unsere Wunschliste ist schier unendlich. Aber darum geht es Jesus nicht. Mit seiner Frage „Was sucht ihr?“ weist er uns in die Tiefe unseres Seins. Hier müssen wir uns darauf besinnen, was wirklich lebensnotwendig ist, sonst bleiben wir an den schnellen Wünschen hängen, die nicht selten lediglich die materielle Befriedigung zum Ziel haben. Vermutlich aber können Menschen sich dieser Frage erst dann recht stellen, wenn sie sich ehrlich das Vergebliche ihrer bisherigen Suche eingestehen können. So wie es die Dichterin im dem Kirchenlied formuliert:

1) Ich bin durch die Welt gegangen, und die Welt ist schön und groß,
und doch ziehet mein Verlangen mich weit von der Erde los.

2) Ich habe die Menschen gesehen, und sie suchen spät und früh,
sie schaffen, sie kommen und gehen, und ihr Leben ist Arbeit und Müh.

3) Sie suchen, was sie nicht finden, in Liebe und Ehre und Glück,
und sie kommen belastet mit Sünden und unbefriedigt zurück.

Da bin ich mir sicher: Es kommen leider viele aus dem Urlaub unbefriedigt zurück, egal, wo sie waren, auf Mallorca oder im Odenwald, auf Feuerland oder in Center Parcs in Holland. Warum? Nun nicht einmal weil das Essen ungenießbar, das Bett zu hart war, einen die Sommergrippe oder die Sonnenallergie plagte, nein, sie nehmen schlichtweg ihre Sorgen, ja, die Nöte ihrer Person mit und werden sie im Urlaub nicht los. Das erkannte was übrigens schon der Philosoph Sokrates (470 bis 399 vor Christus): „Wie könntest du auf Reisen deine Sorgen vergessen? Du nimmst immer dich doch selber mit.“ Die Urlauber kommen zurück und kehren zuhause wieder in den alten Trott ein. Oder wie es die Schriftstellerin Charlotte von Kalb ausgedrückt hat: „Manche Leute reisen, um Neues zu sehen; aber sie sehen das Neue leider immer mit alten Augen.“
Und damit generell gesagt: Viele tragen das Unerledigte beständig mit durch ihr Leben. Die Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross hat auf das Thema des Unerledigten hingewiesen. Sie meint damit: Es gibt für jeden etwas, das er erledigen muss, um gut sterben zu können. „Unerledigte Geschäfte“ erschweren den Sterbeprozess.

Unerledigte Geschäfte – und dazu zählt vor allem eines, was der Mensch in seinem Leben klären muss: sein Verhältnis zu Gott. Deshalb auch die Frage Jesu: „Was sucht ihr?“ Sucht ihr das Wahre, den Lebensgrund oder nur den trügerischen Ersatz? Wir sollen uns im Klaren darüber werden, dass die Angebote dieser Welt uns unbefriedigt zurücklassen, nicht aber das Angebot Gottes, das in der Gabe des ewige Lebens besteht.

Ist die Gottesfrage geklärt, habe ich mein Leben vor Gott geordnet, Unerledigtes bei ihm abgegeben, dann ist es egal, ob ich den Urlaub auf Balkonien oder an der Copacabana verbringe. Ja, das wären doch die richtigen Holidays (auf Deutsch: heiligen Tage), der erquickende Urlaub, wenn ich in ihm Zeit für Gott fände, um diese Frage Jesu zu klären: Was suchst du eigentlich in deinen Leben, das auch noch im Tod Bestand hat? Menschen, die damals zu Jesus kamen, haben darauf, indem sie mit ihm lebten, bei ihm die Antwort gefunden: „Du bist der Christus, der Herr, in dem Gott Frieden mit uns Menschen gemacht hat, der uns zur Ruhe bringt.“ Woraufhin die Liederdichterin ihr Lied beschließt:

5) Es ist eine Ruh gefunden für alle, fern und nah,
in des Gotteslammes Wunden, am Kreuze auf Golgatha.

Wir müssen nicht unzählige Stempel im Reisepass sammeln, es reicht, wenn Gott uns um Jesu willen den einen Stempel in unseren Lebenspass eindrückt: „Du bist in Ewigkeit mein geliebtes Kind!“ Wer so mit Gott seine Lebensreise tut, der wird gewiss eine Menge von Gottes Liebe und Barmherzigkeit als seine prägenden Reiseerlebnisse erzählen können.