An-Gedacht zum Wochenende

Die Westfalenpost hat seit Ostern 2009 die Serie „Angedacht“ in ihrem Wittgensteiner Lokalteil aufgenommen, bei der jeden Samstag Pfarrerinnen und Pfarrer zu Wort kommen. Mit freundlicher Genehmigung der Redaktion drucken wir die Gedanken dann ab Sonntag hier ab. Verantwortlich für den Inhalt sind immer die Verfasser.

Bei den Texten handelt es sich übrigens nicht um Predigten, sondern ganz einfach um kurze verschriftlichte Gedanken mit einem theologischen Anliegen. Sie können und wollen auch nicht die Gemeinschaft, die Musik und die Predigt eines richtigen Gottesdienstes ersetzen. Aber sie dürfen gern von allen Leserinnen und Lesern als Einladung verstanden werden, am nächsten Sonntag einen Gottesdienst in einer der Gemeinden des Evangelischen Kirchenkreises Wittgenstein zu besuchen.

Wir freuen uns auch über Reaktionen auf das Angedacht. Klicken Sie auf das Foto des jeweiligen Andacht-Schreibers, dann können Sie dem Autor Ihre Gedanken in einer E-Mail mitteilen.

Pfr. Steffen Post

20. Mai 2018

Sportsgeist und Heiliger Geist

von Pfr. Steffen Post, Bad Laasphe

2018 ist ein Jahr mit sportlichen Höhepunkten. Die Olympischen Winterspiele in Südkorea liegen bereits hinter uns und die mit Spannung erwartete Fußball-WM in Russland liegt noch vor uns. In dieser Woche fand ein weiteres sportliches Großereignis statt, was aber vermutlich nicht viele bemerkt haben: Die Special Olympics Deutschland in Kiel, die nationalen Olympischen Spiele für Menschen mit geistiger Behinderung und Mehrfachbehinderung. Diese Sportveranstaltung wird noch nicht so medial begleitet, wie etwa die Paralympics und doch hat als Beispiel das ARD-Morgenmagazin jeden Tag in einzelnen Beiträgen aus Kiel berichtet.

Unsere älteste Tochter hat sich als Leichtathletin für diesen sportlichen Wettbewerb qualifiziert und so durfte ich sie ein paar Tage in Kiel begleiten. Was mich an den Wettkämpfen im Rahmen der Special Olympics fasziniert ist Zweierlei:
1. Die Leistung einer jeden Sportlerin und eines jeden Sportlers wird anerkannt und gewürdigt, egal, ob mit Goldmedaille oder Teilnehmerschleife. Gewinner bei dieser Olympiade sind im Grunde alle Teilnehmenden, weil nicht der verbissene Leistungswettkampf im Vordergrund steht, sondern das Miteinander-Sporttreiben und die Freude über das, was der Andere trotz seiner Einschränkungen kann und präsentiert.
2. Die Unified-Wettbewerbe - hier treten in einzelnen Disziplinen gemischte Mannschaften aus behinderten und nicht-behinderten Athleten an, um zu demonstrieren, was im Zusammenspiel von unterschiedlichen Menschen möglich ist. So kann unsere älteste Tochter mit zwei ihrer Geschwister eine Vier-mal-100 Meter-Staffel laufen, was für uns als Familie ein tolles Ereignis ist.

Diese Eindrücke von den Special Olympics stehen mir auch mit Blick auf das Pfingstfest vor Augen. An Pfingsten hat Jesus seine Mannschaft neu ins Rennen geschickt. Eine Mannschaft, die nach Ostern und Himmelfahrt mit allerlei Herausforderungen und manchen Zweifeln zu kämpfen hatte, aber Jesus lässt seine Jünger nicht fallen. Er stattet sie mit der Kraft seines Heiligen Geistes aus und gibt ihnen somit zu verstehen: Ihr seid meine Mannschaft. Ich kann euch gebrauchen, auch mit euren Ecken und Kanten. Geht in die Welt hinaus und erzählt den Menschen, was ihr mit mir erlebt habt.

Und zum Zweiten entdecke ich in der Pfingstgeschichte, dass eine neue Verständigung zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft einsetzt: „Wie hören wir denn jeder seine eigene Muttersprache?“ (Apostelgeschichte 2, 8), so fragen sich die Anwesenden aus aller Herren Länder, als sie mitbekommen, was sich beim ersten Pfingstfest ereignet. Verständigung ist möglich, weil man sich wieder versteht, auf einander zugeht und den Anderen in den Blick nimmt. Durch Gottes Geist entsteht ein neues Miteinander, so dass vorherige Barrieren überwunden werden können.

Ich wünsche mir, dass wir diese Verständigung und das Miteinander nicht nur im Sport leben und bestaunen, sondern auch im täglichen Leben praktizieren.