2013 - Frankreich: Ich war fremd, ihr habt mich aufgenommen

Von Anne-Lise Hammann Jeannot stammt das Kunstwerk, das in diesem Jahr den französischen Weltgebetstag und sein Leitmotiv „Ich war fremd - ihr habt mich aufgenommen“ illustriert.

Leben wie Gott in Frankreich - das ist in Deutschland ein geflügeltes Wort, das Sinnbild für das ebenfalls sprichwörtliche Savoir-vivre unserer Nachbarn, die laut landläufiger Meinung nun mal einfach wissen, wie man gut lebt. Der Weltgebetstag wurde in diesem Jahr von Frauen unterschiedlicher christlicher Konfessionen aus Frankreich konzipiert.

Und wenn auf lange Sicht auch ein gutes Leben wie Gott in Frankreich das Ziel ist, so geht es bei den Weltgebetstags-Gottesdiensten in diesem Jahr zunächst einmal nur um ein besseres Leben: „Ich war fremd - ihr habt mich aufgenommen“, so lautet 2013 das Leitmotiv des Weltgebetstag, entliehen aus dem Matthäus-Evangelium. In der Lesung der Gottesdienstes am ersten Freitag im März wird dieses Jesus-Wort vorkommen, genauso wie die Entgegnung der Gerechten, die sich wundern: „Wann haben wir dich als Fremden gesehen und haben dich aufgenommen?“

Aufgrund seiner langen Geschichte als Kolonialmacht gibt es zu diesem Thema in Frankreich noch einmal einen ganz anderen Zugang als in Deutschland, wobei die Thematik an sich natürlich auch für das Deutschland des 21. Jahrhunderts eine interessante ist. Übrigens nicht nur wegen der Einwanderung, sondern auch wegen der Auswanderung. Nicht ohne Grund kommen in der Begrüßung beim offiziellen Weltgebetstags-Ablauf, der überall auf der Welt - und damit auch im Evangelischen Kirchenkreis Wittgenstein - gleich ist, neben anderen französischen Frauen-Figuren auch Jeanne aus Kamerun, die in Lyon Ärztin ist, und die Deutsche Greta vor, die als Lehrerin in Südfrankreich arbeitet.

  • In vielen Kirchengemeinden ist das anschließende gemütliche Beisammensein nach dem Weltgebetstags-Gottesdienst ein fester Bestandteil – und beim Essen ist in Frankreich natürlich nicht alles Käse.
  • Frankreich ist in diesem Jahr das Ziel, dort heißt der Weltgebetstag: Journée Mondiale de Prière.
  • Frankreich ist in diesem Jahr das Weltgebetstags-Reiseziel.

Kurz nachdem diesseits und jenseits des Rheins gefeiert worden ist, dass sich die Unterzeichnung des Élysée-Vertrags als Zeichen der deutsch-französischen Freundschaft zum 50. Mal jährte, gibt der Weltgebetstag diesmal eine gute Chance, die Nachbarn, die einst Erbfeinde waren, noch einmal besser kennenzulernen.

  • Bienvenue heißt willkommen – in vielen Wittgensteiner Kirchen und Gemeindehäusern sind die Besucher des Weltgebetstags auch in diesem Jahr wieder willkommen.
  • Apfelflammkuchen - auch dass ein geschmackvolles Symbol für unser Nachbarland, das in diesem Jahr im Mittelpunkt des Weltgebetstags steht.

Oder hätten Sie gewusst, dass in Frankreich nach Schätzungen zwar 62 Prozent der Einwohner katholisch sind, aber lediglich zwei Prozent protestantisch: Damit gibt es zwar doppelt so viele Protestanten wie Juden oder Buddhisten, aber die Zahl der Muslime ist in unserem Nachbarland mehr als doppelt so hoch wie die der Protestanten.

Sehr engagiert haben sich auch diesem Jahr wieder viele Wittgensteiner Frauen vorbereitet, damit der Weltgebetstag ein Erfolg wird. Überall im Kirchenkreis finden am 1. März Gottesdienste statt.

Bei dem Vorbereitungstreffen des Wittgensteiner Bezirksverbands Evangelischen Frauenhilfe für den Weltgebetstag erfuhr man im Oberen Lahntal unter anderem diese Fakten.

Die Erndtebrückerin Ulrike Berk hatte für zahlreiche Vorträge die unterschiedlichsten Informationen zusammengetragen, geht es den Frauen beim Weltgebetstag doch darum, einem fremden Land mit echtem Interesse und fernab von allen Klischees und Vorurteilen zu begegnen.

Manuela Schnell (links) und Berit Nolting hoffen darauf, dass die Weltgebetstags-Gottesdienste zum Thema „Frankreich“ am kommenden Freitag überall im Kirchenkreis Wittgenstein gut besucht werden.

Die Berleburgerin Manuela Schnell ist ebenfalls ein absoluter Weltgebetstags-Profi, gehört die ausgebildete Laienpredigerin doch seit Jahren zum deutschen Werkstatt-Team des Weltgebetstags. Wenn sie im Feudinger Gemeindehaus mit den Besucherinnen die offiziellen Lieder einstudierte, dann konnte sie die deutschen Texte der Lieder tadellos. Kein Wunder - steht ihr Name doch wieder an vielen Stellen der deutschen Weltgebetstags-Liturgie, weil sie allein oder mit Kolleginnen die französischen Lied-Texte ins Deutsche übertragen hat. Doch die Weltgebetstags-Reisen gehen nicht nur durch das Gehirn und über die Stimmbänder, sondern auch mitten in den Magen.

Alle Besucherinnen erlebten beim Treffen in Feudingen die wohlschmeckende französische Gastfreundschaft im Oberen Lahntal, zu der neben Ratatouille und Couscous auch Quiche Lorraine und Mousse au Chocolat gehörten. In vielen Gemeinden ist das landestypische Essen im Anschluss an den Weltgebetstags-Gottesdienst fester Bestandteil, in allen Gemeinden bietet die Traditions-Veranstaltung einen interessanten Blick über den eigenen Tellerrand hinaus. Die Berghäuser Pfarrerin Berit Nolting, die im Kirchenkreis für die Frauenarbeit zuständig ist, lädt alle Interessierten – sowohl Frauen als auch Männer – ausdrücklich ein.