Malaysia: Steht auf für Gerechtigkeit

„Justice“ – zu Deutsch: Gerechtigkeit - diesen Titel trägt das Bild der malaysischen Künstlerin Hanna Cheriyan Varghese, das 2012 den Weltgebetstag offiziell illustriert. Dessen Leitmotiv lautet in diesem Jahr: „Steht auf für Gerechtigkeit“.

„Als Christinnen und Christen fühlen wir uns herausgefordert, wenn uns in unserer multi-religiösen Gesellschaft vorgeschrieben wird, wie wir in unserer Landessprache ‚Bahasa Malaysia’ Gott benennen dürfen.“ Wer in diesem Jahr zu einer der vielen Wittgensteiner Weltgebetstags-Veranstaltungen geht, der wird auch diesen schwer zu entschlüsselnden Satz hören.

Hintergrund dafür ist ein weiterhin nicht abgeschlossener Rechtsstreit um Gott – genauer gesagt um seinen Namen. 2007 hatte die Regierung Malaysias einer katholischen Zeitung verboten, für den christlichen Gott das in der Landesprache „Bahasa Malaysia“ übliche Wort „Allah“ zu benutzen. Diese Bezeichnung sollte allein dem Islam als Gottesname vorbehalten bleiben. Ein christlicher Allah wurde als Versuch der christlichen Missionierung gedeutet - die ist in Malaysia verboten. Während die Christen in Indonesien und im Libanon - Gastgeber des Weltgebetstags in vergangenen Jahren - keine Probleme damit hatten, für Gott die im Arabischen übliche Bezeichnung „Allah“ zu nutzen, ist die Sache in Malaysia offenbar nicht so einfach. Die Kirche klagte dagegen und bekam Recht. Dagegen legte nun die malaysische Regierung Berufung ein, 2010 gab es Angriffe auf Kirchen in Malaysia. Das wurde landesweit verurteilt, die größte islamische Partei des Landes erklärte zudem, dass Islam für Glaubensfreiheit stehe und alle monotheistischen Religionen die Gottesbezeichnung „Allah“ benutzen dürften. Monotheistische Religionen erkennen nur einen einzigen Gott an, unter anderem gehören Judentum, Christentum und Islam dazu. Eine endgültige gerichtliche Entscheidung gibt es noch nicht, „solange aber gilt die einstweilige Verfügung gegen die Verwendung des Wortes ‚Allah’“, so steht es in dem wie immer sehr spannenden Heft, das es auch in diesem Jahr wieder zum Weltgebetstag gibt.

Ein solches Problem sprengt unsere Vorstellungskraft in Wittgenstein. Gerade deshalb ist es gut, wenn auch hier überall in vielen Dörfern zahlreiche evangelische und katholische Frauen zusammenarbeiten und sich intensiv mit einem Land beschäftigen, um für die Menschen in den verschieden Kirchengemeinden interessante Weltgebetstags-Gottesdienste vorzubereiten.

„Informiert Beten - betend Handeln“, unter dieser Überschrift finden die Weltgebetstage alljährlich statt. Das ist nicht nur ein schönes Schlagwort, sondern ein ernst gemeinter Anspruch. Deshalb wurden die Frauen beim Vorbereitungstreffen in Bad Berleburg mit zahlreichen politischen, wirtschaftlichen, kulturellen, geographischen, landeskundlichen und religiösen Fakten informiert und somit die Grundlagen für fundierte Gottesdienste gelegt. Die Wittgensteiner Weltgebetstags-Profis Manuela Schnell und Ulrike Berk hatten viele Informationen zusammengetragen und vermittelten diese in kurzweiligen Vorträgen an ihre Zuhörerinnen, die auf Einladung des Wittgensteiner Bezirksverbands der Evangelischen Frauenhilfe ins Christus-Haus gekommen waren.

Dass die religiöse Situation in Malaysia nicht konfliktfrei ist, wurde schon deutlich, es gibt weitere Probleme: „Rechtmäßig gewählte Regierungen wurden durch illegale Machenschaften ihrer Macht beraubt. Stimmen für Wahrheit und Gerechtigkeit werden zum Schweigen gebracht. Korruption und Gier bedrohen deinen Weg der Wahrheit, Gott“, sagt eine Frau laut Gottesdienstordnung, die bei allen Veranstaltungen auf der ganzen Welt gleich sein wird und die von Frauen aus Malaysia gestaltet wurde. Die Regenwaldzerstörung im Land und die schwierige Lebenssituation insbesondere von Arbeitsmigrantinnen in Malaysia sind andere Schwierigkeiten. Wenn das Weltgebetstags-Leitmotiv diesmal „Steht auf für Gerechtigkeit“ heißt, dann auch zur Erinnerung an jene ausgebeuteten Flüchtlinge. Die es auch in Malaysia gibt, aber nicht nur. Im Weltgebetstags-Heft steht: „Weibliche Hausangestellte sind weltweit gezwungen, unter besonders schwierigen Bedingungen zu leben. Auch bei uns in Deutschland sind der Pflegenotstand und die Situation von Migrantinnen, die in der Pflege und als Hausangestellte arbeiten, große gesellschaftliche Herausforderungen.“ Und selbst wenn solche Vergleiche nie stimmen, so schafft es der Weltgebetstag auch diesmal wieder, seine Gottesdienstbesucher aus Wittgenstein rund um den Globus mitzunehmen, um letztendlich doch wieder mit neuen Erkenntnissen vor der eigenen Haustür zu landen. Überall in Wittgenstein, auch in Ihrer Nähe.